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Wilde Eskapaden mit Balg und Knöpfen

Der Akkordeonist Mario Batkovic sorgte in Thun für ein spezielles Vesper-Konzert: Experimentierend, pulsierend, schwingend setzte er Balg und Knöpfe in Bewegung.

Mario Batkovic am Vesper-Konzert in der Scherzligkirche.
Mario Batkovic am Vesper-Konzert in der Scherzligkirche.
Heidy Mumenthaler

Direkt aus Grossbritannien kam der innovative Berner Akkordeonist Mario Batkovic ans dritte Vesper-Konzert in der Scherzligkirche Thun. Da sein Flug abgesagt worden war, verspätete sich der Konzertbeginn um eine halbe Stunde. Gespannt wartete das Publikum im vollen Kirchenraum, in dem später das Akkordeon einmal schüttelnd, ein andermal klopfend Schwingungen entfalten und die Akustik voll in Anspruch nehmen sollte. Ein kurzer Soundcheck mit einem Fingerschnippen, und schon waren Batkovic und sein Instrument bereit.

Ungeahnt begann es zu klingen: Es seufzte, atmete, schnorchelte, gruchzte, stöhnte, ächzte, wimmerte und lachte. Batkovic interpretierte Eigenkompositionen und brachte die Klänge aus dem Moment, improvisierend und experimentierend zu Gehör. Die Bassseite begann zu vibrieren, Fragmente einer Melodie blickten aus tremolierenden Spielereien. Virtuos glitten die Finger über die Knöpfe. Mit viel Körpereinsatz das Instrument voll ausschöpfend, gar malträtierend, holte er die Klänge raus, die er hörte.

Während normalerweise die Begleitgeräusche des Akkordeons vermieden oder bei Aufnahmen herausgeschnitten werden, spielt und komponiert er mit den Eigengeräuschen der Knöpfe und des Balges. Am Vesper-Konzert sorgte er mit seinem Instrument für wilde Eskapaden. Zudem musizierte er als Horchender mit der Stille und den leisen Klängen. Damit spielte er nicht Akkordeon, sondern spielte Musik.

Begeisternd, mit strahlendem Gesicht verwob der Musiker Bach, Balkanmusik, Techno und weitere Elemente zu seiner eigenen Musik. Tierische Laute wurden hörbar, und unterschiedliche Stimmungen entfalteten sich. Fliessende Übergänge sorgten für Spannung. Für Batkovic gibt es keine Grenzen, und er lässt sich nicht einem Stil zuordnen, wie er selber den Zuhörenden mitteilte.

Musikalischen Klischees aus dem Weg gegangen

Auffallend war der Miteinbezug der tiefen Töne, nicht als Begleitung, sondern als Ausgleich, Balance zum Diskant. Hohe Klänge sorgten hingegen für überraschende Effekte. Es war nicht zu überhören, dass sich Batkovic zu den Tönen hingezogen fühlt und den Klischees der Musik aus dem Weg geht. Abstrakt, experimentierend, atemberaubend und ohne Barrieren beherrscht er sein Instrument. Die Zuhörenden zeigten ihre Begeisterung einer Standing Ovation. Erst nach einer traumhaften Zugabe liess das Publikum den Akkordeonisten weiterziehen.

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