«Wir sind ein Erlebnismuseum»

Oberhofen

Im Museum für Uhren und mechanische Musikinstrumente (Mumm) in Oberhofen stehe das Anfassen und Erleben im Vordergrund, sagt dessen Leiter Martin Tschabold.

Martin Tschabold bedient im Museum eine Drehorgel, der ein Miniaturkarussell angeschlossen ist.

Martin Tschabold bedient im Museum eine Drehorgel, der ein Miniaturkarussell angeschlossen ist.

(Bild: Nik Sarbach)

Wie passen Uhren und mecha­nischen Musikinstrumente eigentlich zusammen?Martin Tschabold: Um es ganz einfach zu sagen: Es hat an beiden Orten Zahnrädchen. Also die Feinmechanik ist ähnlich. Aus­serdem wurden die ersten Musikdosen von Uhrmachern gebaut.

Was fasziniert Sie persönlich an den Geräten?Die ganze Intelligenz, die man heute im Elektronikbereich einsetzt, wendete man früher auf, um irgendwelche mechanischen Sachen zu betreiben. Man wollte genau gleich etwas verbessern und geschickter machen. Ausserdem muss man sich vorstellen, dass die Geräte, die wir zeigen, zu Zeiten erfunden wurden, als es noch keinen elektrischen Strom gab, keinen Radio. Da war schon nur ein Glockenspiel sehr viel.

Welche Gegenstände nimmt das Mumm in die Sammlung auf?Dinge, die einen historischen Wert haben, nehmen wir auf jeden Fall mal entgegen. Wir be­halten uns aber das Recht vor, Objekte zu tauschen oder zu verkaufen. Wir prüfen, welches wirklich besondere Stücke sind, die wir behalten wollen. Dann ist aber noch nicht gesagt, dass wir sie auch ausstellen. Das kommt darauf an, was wir in der Standardausstellung und in der Sonderausstellung ge­rade planen.

Und nach welchen Kriterien beurteilen sie die Stücke?Da gibts zwei Sachen: Zuerst mal das Äussere, wie kommt die Uhr daher? Aus welcher Epoche stammt sie? Ist es ein Original? Dann kommt das Innere: Was für ein Werk ist drin? Ein altes Berner Werk ist für uns zum Beispiel sehr interessant.

Woher erhalten Sie eigentlich die Stücke?Im Moment sind bei jüngeren Generationen antike Uhren nicht gefragt. Das heisst, manche Leute bringen Erbstücke zu uns. Das ist einerseits ein Glücksfall für uns, weil wir so auswählen können, was uns gefällt. Andererseits fehlt den Leuten zum Teil auch das Verständnis für diese Sachen. Wir probieren hier, die Leute wieder für die Mechanik zu begeistern.

Wie gelingt das?Indem wir jeden Besucher durchs Museum führen. Wir wollen kein modernes Museum sein mit Kopfhörern und Bildschirmen und so weiter, sondern direkt auf Fragen der Besucher eingehen. Ausserdem sind praktisch alle der gezeigten Stücke funktionstüchtig und können bedient werden. Wir sagen daher auch, wir seien ein Erlebnismuseum.

Wie läuft es denn besucher­mässig?Unser Ziel sind eigentlich 3000 Besucher pro Saison. Das ist für ein kleines Museum, wir wir es sind, aber sehr viel. Letztes Jahr hatten wir rund 2300 Besucher, wir hatten auch schon Jahre mit mehr als 2500 Leuten.

Das Museum muss auch keinen Gewinn abwerfen.Das nicht. Aber wir haben natürlich recht hohe Fixkosten: Miete, Versicherungsprämien und so weiter. Aber die Arbeit geschieht auf ehrenamtlicher Basis, sonst würde es gar nicht gehen. Auch so können wir nur dank Sponsorengeldern und einem Beitrag der Gemeinde Oberhofen überleben.

Wie viele Leute helfen denn mit?Von jenen, welche die Kasse betreuen und Führungen machen, bis hin zu jenen, welche beim Putzen helfen, sind wir etwa sechzig Leute. Dabei kann ich sagen: Wir sind wirklich ein gutes Team.

Wie steht es um den Nachwuchs?Das ist unser grösstes Problem. Wir bräuchten Junge, welche sich für die mechanischen Musikinstrumente und Uhren interessieren und sich zur Freiwilligenarbeit bereit erklären.

Geht nicht auch das Handwerk allmählich verloren?Nein, es gibt eigentlich immer Leute, die noch Uhren flicken können. Die Frage ist einfach, wie professionell sie das tun. Wenn wir unsere Stücke nachhaltig erhalten wollen, kostet uns das eine Stange Geld. Aber das ist eine Frage der Finanzen, nicht der Fähigkeiten.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt