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«Wir standen stets füreinander ein»

Der eine baut alte Baugerüste zu Möbeln um, der andere frohlockt, wenn ein altes Velo bei ihm statt auf dem Schrottplatz landet: Manuel und Philipp Schnegg sind ein Zwillingspaar mit einem Flair für Abgewetztes. Ein Porträt.

Die Schnegg-Zwillinge: Manuel (l.) erweckt alte Velos zu neuem Leben, Philipp altes Holz.
Die Schnegg-Zwillinge: Manuel (l.) erweckt alte Velos zu neuem Leben, Philipp altes Holz.
Marco Zysset

Die Schneckenkalauer stören die Zwillingsbrüder Manuel und Philipp Schnegg schon lange nicht mehr – im Gegenteil: Sie feiern bisweilen die Sprüche über die langsamen und schleimigen Tiere selber. Überhaupt ist es schwer, sich des Eindrucks zu erwehren, die beiden Brüder lebten ihr Leben nach dem Motto «Lebe lieber ungewöhnlich». Während Philipp Schnegg seit kurzem seine Brötchen als selbstständiger Schreiner verdient, arbeitet Manuel, der Erstgeborene, als Pflegefachmann auf der Onkologie des Spitals Thun.

Flair für altes Holz . . .

Wo andere 33-Jährige auf moderne Gadgets und zeitgemässes Design stehen, pflegen die Brüder die gemeinsame Leidenschaft für Altes und Abgewetztes: Philipp Schnegg baut seine Möbel am liebsten aus Altholz und alter Brocki-Ware neu zusammen. «Ich mags, wenn man einem Stück das Alter ansieht, wenn es Charakter und vielleicht auch eine gewisse Geschichte hat», sagt der Schreiner, der seine Möbel vor dem Schritt in die Selbstständigkeit in der Freizeit gebaut hat. «Ich war lange in einem 80-Prozent-Pensum in Bleiken angestellt, sodass ich Zeit hatte, meine eigenen Ideen neben dem Job umzusetzen.»

«Die Velos sind für Freaks und Liebhaber.»

Manuel Schnegg

In dieser Phase sind unter anderem die Büromöbel für den Empfangsbereich der Ravani Gerüstbau AG in Steffisburg entstanden – aus alten Gerüstladen. Ab Dezember sind einige Exemplare zudem im alten Kino City Thun, dem Citymarket, zu begutachten und auch zu erwerben. Freilich baut Philipp Schnegg auch Möbel aus neuem Holz, montiert Küchen oder verlegt Parkett­böden.

. . . und alte Velos

Auch Bruder Manuel steht auf alte Teile – aber an Fahrrädern. Seit rund fünf Jahren motzt er alte ­Velos im Edel-Retrostil auf und baut diese im Singlespeed- oder Fixielook um. «Es hat damit angefangen, dass ich mit einem Kollegen ein Velo für mich restaurierte. Da war ich sofort Feuer und Flamme», erinnert sich Manuel Schnegg, der bei seinen Velos – übrigens jedes ein Unikat – mit viel Liebe zum Detail zu Werke geht.

«Es gab Momente, in denen wir zerstritten waren.»

Philipp Schnegg

Anders als sein Bruder kann er jedoch nicht von seiner Retroleidenschaft leben. «Die Velos sind halt schon was für Freaks und Liebhaber», sinniert er, «und von denen gibt es dann doch nicht so viele.» So kommt es, dass die Faszination zwischen Retrodesign und moderner Technologie dem einen der Schnegg-Zwillinge Broterwerb ist, dem anderen aber «nur» Freizeitvertreib. Immerhin: Seit einer Weile stellt er einzelne Fahrräder bei Sport Amstutz an der Freiestrasse in Thun aus.

Liebe für die Musik . . .

Die andere Begabung, welche die Brüder teilen, ist die musikalische. Während Manuel Schnegg in jungen Jahren das Bratschenspiel erlernte und später auf den E-Bass umsattelte, ist Bruder Philipp ausgebildeter Cellist. «Wir spielten sogar kurze Zeit zusammen in einer Band», erinnert sich Manuel Schnegg. Wo er mit der Musik weitermachte und heute mit der Band Red Shoes weit über die Region hinaus bekannt ist, steht Bruder Philipps Cello auf dem Dachboden. «Vielleicht sollte ich es mal wieder ­herausholen», sagt er, «denn das Spielen macht nicht nur Spass, sondern tut manchmal einfach gut.» Statt der Musik frönt der jüngere der Schnegg-Zwillinge heute dem Sport, um den Kopf auszulüften, wobei Surfen, Biken und Snowboarden bei ihm am höchsten im Kurs stehen.

. . . und für Reisen

Haben sie während der Schulzeit in Strättligen nicht manche Ge­legenheit ausgelassen, um Mitschüler oder Lehrer zu foppen, machen sie die Welt heute nur noch selten gemeinsam unsicher. Philipp Schnegg reist lieber nach Süd- und Mittelamerika, Manuel zieht es meist nach Asien; einzig Costa Rica und Kolumbien haben die reisenden Zwillinge mit dem Retroflair gemeinsam erkundet. «Es gab zur Schulzeit durchaus Momente, in denen wir zerstritten waren», sagt Philipp Schnegg. «Aber wir standen immer für einander ein, sobald wir den Eindruck hatten, jemand stelle sich gegen uns. Und wenn wir mal ‹Seich› gemacht haben, haben wir uns immer gegenseitig gedeckt», sagt Philipp Schnegg. «Das ist heute noch so.»

www.facebook.com/snaiclewww.schnegg-woodwork.ch

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