Thun

Wo Mädchen zu Maurerinnen werden

ThunEinmal im Mörtel rühren und mit der Maurerkelle hantieren: Am Zukunftstag erhielten acht Mädchen in der Maurerlehrhalle in Thun einen Einblick ins Handwerk.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Das ist fast wie ein Kuchenteig – nur, dass wir den nicht in den Ofen schieben», sagt Hansueli Balmer (47) und hilft Elena (11), den Mörtel in die PVC-Form zu giessen. Ein erstes Mal kamen gestern acht Mädchen zwischen 11 und 14 Jahren in der Maurerlehrhalle des Kantonal-Bernischen Baumeisterverbandes (KBB) an der Militärstrasse in Thun mit Mörtel, Zement und Maurerkelle in Berührung. Im Rahmen des nationalen Zukunftstages nahmen sie am Projekt «Mädchen – bauen – los!» teil und erhielten die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen der Männerdomäne Bau zu werfen.

Unter fachkundiger Anleitung von Hansueli Balmer, der seit 2014 als Ausbildner beim KBB tätig ist und in Thun die überbetrieblichen Kurse (ÜK) der Maurerlehrlinge leitet, hatten die Mädchen die Möglichkeit, ihre eigene Mauer aus Kalksandsteinen aufzuschichten und eine Form aus Mörtel und eine Holzkiste zu fertigen, die sie mit nach Hause nehmen durften.

Ein Mädchen auf 60 Jungs

Die Arbeiten machen den Mädchen sichtlich Spass. Die anfängliche Schüchternheit ist überwunden, in der Halle wird geplaudert. «Mein Bruder hat hier seine Maurerlehre gemacht», sagt Yasmin aus Spiez. «Ich möchte mal Architektin werden, aber ich könnte mir vorstellen, zuerst eine Lehre als Maurerin oder Zeichnerin zu machen», sagt die 11-Jährige. Auch Elena aus Thun interessiert sich für den Beruf: «An den Swiss Skills habe ich einen Wettkampf der Maurer gesehen. Das fand ich spannend, deshalb wollte ich es selber ausprobieren.»

Mit dem Projekt will der KBB Mädchen die Chance geben, überhaupt einmal mit Bauberufen in Kontakt zu kommen. «Oft ist die Hemmschwelle schon bei den Eltern hoch – viele wollen ihre Tochter nicht auf dem Bau schnuppern lassen», sagt Barbara Stucki, Bereichsleiterin Kommunikation des KBB. In Bauberufen sei die Frauenrate nach wie vor tief. «Von 60 Maurerlernenden ist im Kanton Bern in der Regel eine pro Ausbildungsjahr weiblich.» Die Maurerinnen seien dabei durchs Band sehr gut in ihrem Beruf und brillierten bei den Abschlussprüfungen. Auch Hansueli Balmer findet lobende Worte für die Maurerinnen, die er unterrichtet: «Sie arbeiten exakt – und die Jungs werden ruhiger, wenn eine Frau mit dabei ist.»

Hier fehlt eine Fuge zwischen zwei Steinen, dort ist der Mörtel zu schnell getrocknet: Hansueli Balmer eilt von einer Minibaustelle zur nächsten, rückt einen Stein gerade und lobt: «Sehr ordentlich!» und «Das sieht aus, als hättest du das schon immer gemacht.» Ob hier ein paar künftige Maurerinnen am Werk sind? «Ich weiss es nicht – aber das wäre schön!», sagt Balmer. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 09.11.2018, 10:36 Uhr

Artikel zum Thema

Zu Besuch in der BZ-Redaktion

In der ganzen Schweiz begleiteten am gestrigen Zukunftstag Kids ihre Eltern oder Verwandten an deren Arbeitsplatz. Auch bei dieser Zeitung gabs Besuch vom Nachwuchs. Mehr...

Zukunftstag mit Simonetta Sommaruga

Drei Mädchen aus der Region waren am Donnerstag zu Besuch bei Simonetta Sommaruga. Es ging um Frauen als Chefinnen.  Mehr...

Kommentare

Blogs

Spielen Patent Ochnser am Gurtenfestival 2019?

Mamablog Wenn die Beamten kommen

Die Welt in Bildern

Besuch aus der Heimat: Die Schweizergardisten im Vatikan stehen stramm, denn Bundesrat Alain Berset ist auf Visite. (12. November 2018)
(Bild: Peter Klaunzer) Mehr...