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Wollte er seine Ehefrau umbringen?

Einem Mann wird versuchte vorsätzliche Tötung seiner Ehefrau zur Last gelegt. Deswegen stand er vor dem Regionalgericht in Thun.

Weil der Streit so heftig war, liessen Nachbarn die Polizei kommen (Symbolbild/iStock)
Weil der Streit so heftig war, liessen Nachbarn die Polizei kommen (Symbolbild/iStock)

An einem Abend im Spätherbst 2016 wurde der Kantonspolizei Bern ein heftiger Streit auf einem Balkon an einer Quartierstrasse in Thun gemeldet. Die umgehend ausgerückten Einsatzkräfte fanden vor Ort eine Frau mit schweren Schnittverletzungen vor. Sie musste in Spitalpflege gebracht werden, war jedoch nicht in kritischem Zustand. In der Nähe der Wohnung konnten die Polizisten den mutmasslichen Täter anhalten und in Gewahrsam nehmen. Ebenfalls wurde als mögliche Tatwaffe ein Messer sichergestellt.

Konflikte von Anfang an

Am Mittwoch hatte sich der 53-jäh­rige, in Indien aufgewachsene Mann wegen dieser Straftat nun vor dem Regionalgericht Oberland in Thun zu verantworten.

Nachdem seine erste Ehefrau, eine Schweizerin, verstorben war, heiratete der Mann im Jahr 2000 ein zweites Mal, dieses Mal eine indische Staatsangehörige. Diese Ehe sei offenbar von den Eltern der beiden arrangiert worden, jedenfalls hätten sich die zwei vor ihrer Eheschliessung nicht gekannt. Beiden Verbindungen entsprossen je zwei Kinder. Offenbar habe sich die Ehe mit der Inderin von Beginn an konfliktgeladen gezeigt, wobei sich die Konflikte vornehmlich an den Kindern aus der ersten Ehe entzündet hätten, wird vermutet.

Ein anderer Mann im Spiel

Der eigentliche Auslöser der Tat dürfte in Indien liegen. Nach dem Besuch der Hochzeitsfeier eines Neffen soll die 41-Jährige ihrem Ehemann erklärt haben, dass sie sich in Indien in einen anderen Mann verliebt habe, was diese allerdings bestreitet.

An jenem Abend im Spätherbst 2016 kam es zu einem heftigen Streit unter anderem auch deshalb, weil sich die Frau scheiden lassen wollte. Der Mann attackierte sie mit einem Fleischerbeil und verletzte sie schwer. Damit legt ihm die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Region Oberland, versuchte vorsätzliche Tötung zur Last. «Niemand darf meine Frau haben, sie gehört mir», habe er beim Staatsanwalt ausgesagt. «Ich wollte sie nicht töten, sondern ihr nur Angst einjagen», erklärte er bei der Einvernahme durch Gerichtspräsidentin Dorothea Züllig von Allmen. Später habe er sich bei ihr entschuldigt. Als sie ihm ein Foto seiner Frau aus dem Spital zeigte, brach der Mann in Tränen aus.

Warum schonte sie ihn?

Bei der Befragung seiner Ehefrau musste der Mann den Gerichtssaal verlassen und die Verhandlung über eine Videoübertragung von einem andern Raum aus ­mitverfolgen. Merkwürdigerweise liefen die Aussagen des Opfers eher auf eine Entlastung des Beschuldigten hinaus. «Mein Mann wollte mich nicht töten», gab sie etwa zu Protokoll. Ob hier ein Druck der Familie mitspielte, blieb offen. Als Motiv der Tat nannte sie Eifersucht, die auch aufgekommen sei, weil sie über Facebook Kontakte mit andern Männern pflegte.

Nur Angst einjagen?

Staatsanwalt Thomas Wyser glaubte der Version des Beschuldigten, er habe seiner Frau lediglich Angst einjagen wollen, angesichts des brutalen Vorgehens nicht. Er beantragte eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und die Weiterführung der ambulanten Massnahmen. Die amtliche Anwältin der Frau, die auch als Privatklägerin aufgetreten war, beantragte Schadenersatz und Genugtuung in einer hohen fünfstelligen Summe.

Demgegenüber plädierte der Pflichtverteidiger lediglich auf schwere Körperverletzung und beantragte eine Freiheitsstrafe von 36 Monaten unter Anrechnung der bisherigen Haft. Die restliche Strafe sei aufzuschieben und die Privatklage auf den Zivilweg zu verweisen.

Die Urteilseröffnung erfolgt heute Donnerstag.

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