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Zu früh frühpensioniert

Daniel Baumann hat nach 40 Jahren als Chef seine Firma Baumann Cheminéeöfen verkauft. Und kurz darauf ein neues Geschäft gegründet. «Was soll das, nochmals bei null anfangen?», fragten ihn seine Frau und Freunde.

Ein grosses Paket: Der Kollektor ist zwei Meter hoch und einen Meter breit.
Ein grosses Paket: Der Kollektor ist zwei Meter hoch und einen Meter breit.
Karin A. Wenger
Daniel Baumann platziert den Kollektor an verschiedenen Positionen, um den geeigneten Standort zu finden.
Daniel Baumann platziert den Kollektor an verschiedenen Positionen, um den geeigneten Standort zu finden.
Karin A. Wenger
Der Kollektor ist fertig montiert. Funktionieren tut er aber erst, wenn die Sonne scheint.
Der Kollektor ist fertig montiert. Funktionieren tut er aber erst, wenn die Sonne scheint.
Karin A. Wenger
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Es gibt wenig, was Daniel Baumann aus der Ruhe bringt. Ausser der Ruhe. Seit Anfang Jahr ist er eigentlich frühpensioniert. Zuerst freute er sich, länger schlafen zu können. Denn er war jeden Morgen um fünf Uhr aufgestanden, um noch vor der Arbeit eine Stunde auf dem Rennvelo durch die Dunkelheit zu fahren.

Aber nach ein paar Wochen als Pensionierter fand er: «Der Tag ist blöd verschnitten, wenn ich tagsüber aufs Velo gehe.» Da merkte er, seine Frühpensionierung kam zu früh. Also gründete der 60-Jährige ein neues Unternehmen.

Heute fährt er vom Firmenstandort in Steffisburg zu einem Kunden nach Adelboden. Den dunkelbraunen Van mit Anhänger steuert er souverän um die engen Kurven. Beim Chalet angekommen, geht Baumann auf den Balkon und klopft an die Wand, die er gleich durchbohren wird. «Ein Zweischalenmauerwerk», stellt er fest. Zwei Backsteinschichten mit Hohlraum dazwischen.

Firmengründer mit 21

Er ist gelernter Metallbauer und Kunstschmied, als Akkordarbeiter lernte er Mauern zu bauen, zu schreinern und zu betonieren. Mit 21 Jahren gründete er die Firma Baumann Cheminéeöfen. Die nächsten 20 Jahre taten er und seine Frau nichts als arbeiten. Sie tagsüber im Büro, er in der Werkstatt. Am Abend Kundengespräche, am Wochenende Öfen an Messen präsentieren.

«Der Tag ist blöd verschnitten, wenn ich tagsüber aufs Velo gehe.»

Daniel Baumann

Dann starb sein Vater, Pfarrer im Lerchenfeld, kurz nach dessen Pensionierung. Und Baumann sagte sich: «Dänu, du musst was ändern.» Er setzte bei der Ernährung auf Gemüse statt Fleisch, auf Naturheilkunde statt Medikamente und kaufte sich ein Rennvelo. Sein neues Ziel: die Rente mit 60. «Den Druck, jeden Tag neue Aufträge einzuholen... man erträgt halt mit zunehmendem Alter weniger.»

Die Stille rund um das Chalet im Lohnerdorf wird plötzlich durchdrungen vom Wummern einer Steinbohrmaschine. Baumann, der Handwerker. Mit auf Montage gegangen war er als Chef wann immer möglich. «Das war sozusagen meine Spezialität, die Kunden haben das geschätzt.»

An seinem letzten Arbeitstag kurz vor Weihnachten montierte er den letzten Ofen. Nur vier Monate hatte er seinen Nachfolger eingearbeitet (siehe Kasten). Dieser habe das so gewollt – und ihm sei die kurze Übergabe recht gewesen, sagt Baumann. Der neue Chef änderte an der Firma einiges. «Das tut irgendwie weh, und man fragt sich, ob man all die Jahre etwas falsch gemacht hat.» Da müsse man drüberstehen können. Das sei eine andere Zeit, neue Ideen. Sowieso, für Baumann ist das alles Kopfsache: «Eine Weichenstellung in den Gedanken.»

«Ich bin halt ein ‹Riisser›, der spontan Neues aufgleist.»

Daniel Baumann

Das Wummern in Adelboden ist verstummt. Regentropfen trommeln sacht auf das Balkongeländer. Baumann greift mit der nackten Hand in das Loch in der Wand und fischt zerbrochene Mauerstücke heraus. Er montiert einen sogenannten Solarlüfter. Dieser filtert bei Sonnenschein die Luft und erwärmt sie bis zu 40 Grad Celsius. Sie wird durch das Loch ins Haus geblasen. Das hilft gegen Schimmel sowie muffigen Gestank und unterstützt die Heizung.

Das System ist autark und ausgeklügelt, Abdichtungen und eine Rückschlagklappe verhindern, dass kalte Luft ins Haus strömt. Baumann importiert die Kollektoren von einer deutschen Firma, die diese seit über 20 Jahren verkauft. In der Schweiz sei das eine Marktlücke, sagt er.

Reizvolle Herausforderung

«Was soll das, nochmals bei null anfangen?», fragten ihn seine Frau und Freunde, als er das neue Geschäft Sonnluft gründete. «Ich bin halt ein ‹Riisser›, der spontan Neues aufgleist.» Ihn reize die Herausforderung, das Geschäft zum Laufen zu bringen.

Viele Aufträge hat er zurzeit noch nicht. Mit 65 will er der Ruhe dann doch nochmals eine Chance geben und die Firma an einen Jüngeren verkaufen. Sein Ziel nach der definitiven Pensionierung weiss er auch schon: «Ich will 100 Jahre alt werden.»

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