Zukunft des Frauenvereins stand auf Messers Schneide

Uttigen

Der Gemeinnützige Frauenverein Uttigen stand kurz vor seiner Auflösung. Aber ein Ultimatum änderte alles.

Sie stellen sich als neuer Vorstand des Gemeinnützigen Frauenvereins Uttigen zur Wahl (v. l.): Anja Saurer, Marianne Kunz, Präsidentin Melanie Stettler, Ursula Boss und Andrea Langenegger.

Sie stellen sich als neuer Vorstand des Gemeinnützigen Frauenvereins Uttigen zur Wahl (v. l.): Anja Saurer, Marianne Kunz, Präsidentin Melanie Stettler, Ursula Boss und Andrea Langenegger.

(Bild: PD)

«19.00 Uhr Türöffnung mit Cüp­li», steht auf der Einladung zur 81. Hauptversammlung des Gemeinnützigen Frauenvereins Uttigen. «Klar», denkt der Journalist laut. «Die Frauen haben Grund zu feiern, schliesslich stand der Verein kurz vor der Auflösung. Da ist ein Glas Schämpis angebracht.» Doch Vereinspräsidentin Jeanette König winkt ab. «Als wir das 75-jährige Bestehen feierten, organisierten wir einen Apéro. Seither ist es Tradition, ­jede Hauptversammlung mit einem Umtrunk zu starten.»

Vorstand tritt zurück

Zeitweilig sah es danach aus, als ob der Apéro vor der 81. Hauptversammlung der letzte seiner Art sein würde. Denn vor rund einem Jahr gab Jeanette König bekannt, dass sie dem Verein zwar weiter angehören wolle, aber nach 22 Jahren aus dem Vorstand und nach 13 Jahren vom Präsidium zurücktreten werde. Auch die anderen Vorstandsmitglieder kündigten ihre Demission an, nachdem sie sich jahrelang für den Verein eingesetzt hatten.

Im Frühling 2017 verschickte der Frauenvereinsvorstand an alle 127 Mitglieder einen Fragebogen, in dem es um die Zukunft des Vereins im Allgemeinen und die Besetzung des Vorstands und des Präsidiums im Besonderen ging. «Das Resultat war ernüchternd», blickt König zurück. 48 Fragebogen wurden ausgefüllt und zurückgeschickt. 3 Frauen meldeten sich für den Vorstand, aber keine fürs Präsidium.

Danach stellte der Vorstand ein Ultimatum: «Wenn sich bis zum 6. Januar niemand meldet, geben wir an der Hauptversammlung die Auflösung unseres Vereins bekannt.» Das Vorgehen trug Früchte. Für den neuen Vorstand stellen sich folgende Frauen zur Verfügung: Die drei neuen Vereinsmitglieder Melanie Stettler, Andrea Langen­egger und Anja Saurer in den Funktionen Präsidium, Finanzen und Sekretariat, Ursula Boss und Marianne Kunz – sie sind seit längerem Mitglied – in den Bereichen Brockenstube und Besuche/Seniorenanlässe. Jeanette König und ihre Mitstreiterinnen im Vorstand sind glücklich, dass sie die Führung des Vereins in neue Hände übergeben und diesen dadurch retten können. «Wir bleiben aber Mitglieder und werden der neuen Crew bei Fragen immer zur Verfügung stehen», versichert Jeanette König.

Päckli für Guisan

Auslöser für die Gründung des Gemeinnützigen Frauenvereins Uttigen war eine Fleischkonserven-Verschliessungsmaschine. In den Dreissigerjahren suchten die Bäuerinnen nach Möglichkeiten, um das Fleisch der geschlachteten Tiere haltbar zu machen, und sammelten deshalb Geld, um sich das erwähnte technische Hilfsmittel mit dem langen Namen anschaffen zu können. Aus dieser Aktion entstand der Frauenverein, der sich in den folgenden Kriegsjahren gemeinnützig betätigte: Die Mitglieder strickten Socken für die Soldaten und versorgten sie mit Proviantpaketen. Auch der oberste Soldat der Schweiz kam in den Genuss der Gaben aus Uttigen. «In unserem Archiv gibt es sogar einen Brief, in dem sich General Guisan für das Päckli bedankt», sagt Jeanette König.

Babys, Schüler, Mütter . . .

Nach dem Krieg riefen die Frauen den Basar ins Leben. Später entwickelte sich daraus der heutige Adventsmarkt mit Hobbymärit und Kürbissuppenverkauf. Die Führung der Brockenstube und der jährliche Ostereierverkauf bilden wichtige Einnahmen für den Verein. Damit werden Vereinsausflüge organisiert und weitere Veranstaltungen wie Anlässe für Senioren, der Besuch von Müttern mit ihren neugeborenen Babys und der Brief samt IGT-Gutschein für die Schulabgänger und vieles mehr.

«Ich nehme sehr viele schöne Erinnerungen aus meiner Zeit im Vorstand mit», sagt die scheidende Präsidentin Jeanette König. «Man gibt viel, aber es kommt auch sehr viel zurück.» Der Frauenverein habe sich von der Dorfgemeinschaft immer getragen gefühlt. «Auch von den Männern», fügt sie an. «In der Brockenstube und den verschiedenen Veranstaltungen war ihre Hilfe immer sehr willkommen.»

Thuner Tagblatt

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