Zwei Kadettenfans im Plüschfieber

Thun

Der Ausschiesset naht und lässt die Herzen der Fans höherschlagen. Bei Nicole Wittwer und Rita Kilchherr trifft dies heuer besonders zu. Sie investierten über 20'000 Franken und ungezählte Stunden in die Realisierung eines Plüsch-Fulehung.

Ein gemeinsames Bad im Plüsch: Rita Kilchherr (links) und Nicole Wittwer haben ihre Idee für einen Plüsch-Fulehung umgesetzt, verkaufen ihn für 55 Franken und unterstützen mit 5000 Franken das Kadettenkorps.

Ein gemeinsames Bad im Plüsch: Rita Kilchherr (links) und Nicole Wittwer haben ihre Idee für einen Plüsch-Fulehung umgesetzt, verkaufen ihn für 55 Franken und unterstützen mit 5000 Franken das Kadettenkorps.

(Bild: Patric Spahni)

Bereitwillig lässt er sich drü­cken, stellt sich liebend gerne in Schaufenster und wirbt für die Thuner Gallionsfigur. Er ist ­flauschige 37 Zentimeter gross, waschmaschinentauglich und für Kinder unter drei Jahren ungefährlich. Schonungslos will er grosse und kleine Kadettenherzen im Ausschiessetfieber verführen: der Plüsch-Fulehung von Nicole Wittwer und Rita Kilchherr.

Die beiden Thunerinnen liessen sich von keinen ­Grenzen oder Schikanen daran hindern, ihre Idee überhaupt und vor allem rechtzeitig für den Ausschiesset umzusetzen.«Jetzt ist unsere Über­raschung eingetroffen, und bereits haben sich erste Eingefleischte mit dem Plüsch-Fulehung eingedeckt», freut sich Nicole Wittwer, drückt ein Exemplar schmunzelnd an sich und nickt Rita Kilchherr zu, die neben ihr am Tisch sitzt.

1000 Exemplare à 55 Franken

Jeder Plüsch-Fulehung ist ein Unikat und in weiten Teilen in Handarbeit hergestellt. Er kostet 55 Franken – und insgesamt stehen 1000 Stück zum Verkauf. «Bis heute haben wir über 20'000 Franken vorfinanziert und ungezählte Stunden investiert – und es fehlen noch einige Rechnungen, und es braucht noch etliche Stunden an Nacharbeit und Verkaufsaktivitäten», sagt Rita Kilchherr. Doch das sei ganz normal. «Wer ein solches Projekt realisieren will, braucht einen langen Schnauf, ausdauernde Disziplin und natürlich das nötige Herzblut», weiss die 61-Jährige.

Sie hat Erfahrung: 2008 hat die Allrounderin eine Fulehung-Gurtschnalle kreiert und in matter und polierter Ausführung realisieren lassen. «Wer noch eine möchte, kann sich bei mir melden», wirbt sie gleich – das Stück koste 165 Franken inklusive Ledergurt.

Fünf Franken pro Plüsch-Fulehung gehen in die Kasse des ­Kadettenkorps. «Ungeachtet der Menge, die wir verkaufen und verschenken, spenden wir 5000 Franken», sagt Nicole Wittwer.

«Jedes Detail muss stimmen»

Die 35-Jährige arbeitet als Berufsbildnerin und im Verkaufs­innendienst bei der H & R Gastro AG in Interlaken und ist froh, in Rita Kilchherr eine erfahrene Geschäftspartnerin an der Seite zu wissen. Die beiden Frauen kennen sich seit elf Jahren und sind beste Freundinnen, beide sind Mütter und beide seit Kindheit Ausschiessetfans. «Letztes Jahr suchte ich für meine da zwei­jährige Tochter vergeblich nach einem geeigneten Fulehung-Souvenir», erinnert sich Nicole Wittwer. Da sei ihr die Idee für ei­nen Plüsch-Fulehung eingefallen, und im November habe sie Rita Kilchherr davon erzählt.

«Wir legten Wert darauf, dass ­möglichst jedes Detail stimmt.»Nicole Wittwer

Seither hat das Frauenpower-Duo keine Hürde gescheut und Vollgas gegeben: Offerten eingeholt, Prototypen herstellen lassen, eine Firma im deutschen Heidelberg aufgesucht, nimmermüde Fulehung-Fotos eingesandt, damit die Hersteller wussten, wie das Kostüm aussieht, die Maske, die Zöttelchen, das Gesicht. Die beiden Frauen beur­teilten Muster-Plüsch-Fulehüng und korrigierten Unpräzises, verhandelten mit den Zollbehörden und unterstellten den Plüsch-Fulehung der Dekra-Qualitätsprüfung. Schlussendlich organisierten sie für Nachbesserungen noch Näherinnen in Thun.

«Ich habe sogar die Zähne an der Maske abgezählt und am Prototyp nachkontrolliert», erzählt ­Nicole Wittwer und muss über sich selbst lachen, «denn jedes Detail sollte doch stimmen.» So fehlen weder die Söiblaatere noch das Schyt, und an den Hörnern hängen echte Glöckchen. «Auch der Thuner Stern im Wappen am Kostüm hat korrekt sieben Zacken», fügt sie an. Lediglich der Sandsack hinten an der Maske fehle – und dies der Einfachheit halber.

Inklusive Label und Facebook

Als Wermutstropfen nennen die beiden Thunerinnen, dass der Plüsch-Fulehung via eine deutsche Vertriebsfirma in China ­hergestellt werden musste. «Alle anderen gefundenen Varianten wären leider unbezahlbar gewesen», bedauert Rita Kilchherr, die seit Jahren bei der Brigante AG für die Buchhaltung und die gesamte Administration verantwortlich ist. «Vor allem sind wir froh, dass wir es geschafft haben, und freuen uns über das Resultat», ergänzt Nicole Wittwer, die früher mit ihren «Holzwerken» Schwemmhölzer verarbeitet und auf dem Märit verkauft hat. Auch für den Plüsch-Fulehung hat das Frauenduo ein Label erstellt.

«Alle anderen gefundenen Varianten wären leider unbezahlbar gewesen.»Rita Kilchherr

Beide Frauen – sie tragen dasselbe braune T-Shirt – lehnen sich am Tisch zurück und tippen verschmitzt auf das Signet auf Brusthöhe. «Das ist unser Label, das Andi Rüest entworfen hat», sagt Nicole Wittwer stolz. Es ist ein Herz, welches die Fulehung­hörner samt Glöckchen andeutet und den Thuner Stern einrahmt.

Der Plüsch-Fulehung ist da, jetzt wird verkauft: auf der Facebook-Seite, an Verkaufsständen und am Ausschiesset. «Unser Ziel ist», sagt Nicole Wittwer, und ­Rita Kilchherr fährt fort, «dass wir mit dem Plüsch-Fulehung viel Freude bereiten – und zwar grossen und kleinen Ausschiessetfans.»

Verkauf Plüsch-Fulehung:am 21. 9. von 14 bis 20 Uhr an einem Stand bei der Berner Kantonalbank, am 24. 9. von 11 bis 18 Uhr und am 25. 9. von 8 bis 18 Uhr beim Rösslispiel auf dem Bärenplatz, am 28. 9. von 14 bis 20 Uhr sowie am 7. und 21. 12. je von 14 bis 20 Uhr am Stand bei der Berner Kantonalbank; ab Oktober im Intersport Rieben an der Frutigenstrasse 36 in Thun.

Thuner Tagblatt

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