Thun

Flüchtlinge siegten über Politiker

ThunAm Sonntag trugen auf Einladung der SP Thun Nationalratskandidierende aus dem Kanton Bern und Asylsuchende aus Unterseen ein Fussballspiel aus.

Trotz vollem Einsatz gelang es den Berner Nationalratskandidaten nicht, den Asylbewerbern auf dem Fussballplatz ein Bein zu stellen.

Trotz vollem Einsatz gelang es den Berner Nationalratskandidaten nicht, den Asylbewerbern auf dem Fussballplatz ein Bein zu stellen. Bild: Christina Burghagen

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Wenn Thomas, Norbert und Sabine gegen Suleyman, Temesgen und Merhawi spielen, dann deutet das darauf hin, dass ein besonderer Match angepfiffen wird. Die Thuner Stadträtin Alice Kropf (SP) betonte, die Stimmung im Land habe sich gewandelt – weg von der Hetze und Angstmacherei gegen Flüchtlinge hin zu einer grossen Solidarität. «Diese erfreuliche Entwicklung möchten wir mit diesem gemeinsamen Spiel stärken.» Als Trainer der Flüchtlingsmannschaft konnte Andy Egli gewonnen werden, der seine Aufgabe mit viel Herzblut anging. «Wir haben drei Monate für das Spiel trainiert. Solche Begegnungen sollten viel öfter stattfinden», sagte der ehemalige Schweizer Nationalspieler und heutige erfolgreiche Trainer. Ihm zur Seite stand als Co-Trainer Sadri Losh. Das Polit-Team coachten die beiden ehemaligen Fussballer Luca Porfido und Sergon Chamoun.

Fairness im Vordergrund

Die einen stammen aus verschiedenen Ländern wie Somalia, Syrien, Eritrea, Irak, Angola und Kongo, die anderen kommen aus verschiedenen Parteien wie SP, SVP, EVP, Grüne, EDU, FDP oder GLP. Alle brachten ihr ganzes fussballerisches Können und eine gute Kondition ins Spiel im Thuner Lachen-Stadion über zweimal 35 Minuten ein. Vor rund hundert Zuschauern zeigten die Teams Fairplay in bester Form.

Schon in der 7.Minute fiel das erste Tor für die Flüchtlingsmannschaft, und im Laufe des Spiels entwickelte sich eine Dynamik ähnlich der legendären WM-Begegnung Deutschland - Brasilien: Der Kasten der Politiker wurde gar oft getroffen. Der Torwart verhinderte bei vollem Körpereinsatz mehrere Schüsse der Flüchtlinge, sonst wäre der Sieg noch höher ausgefallen.

Vorfreude auf die Partie

Suleyman Cabdiraxman Cisman aus Somalia hatte schon in seiner Heimat leidenschaftlich gerne Fussball gespielt. Der junge Mann ist nun seit zehn Monaten in der Schweiz und sehr dankbar, hier zu sein, wie er in der Halbzeitpause erzählte.

Mohammed Shawkat, Kurde aus Syrien, hatte die Schweiz im Februar erreicht: «Ich habe Medienwissenschaften und Sprachen studiert, musste aber nach drei Jahren abbrechen», erzählte er in gutem Deutsch. «Der Krieg hat alles zerstört, auch mein Studium!» Shawkat freute sich über die sportliche Begegnung mit den Politikern. «Das bringt uns näher!», war er sicher.

Ein kleines Intermezzo gab es am Spielfeldrand, als zwei vermummte Autonome eine Rauchbombe zündeten und ein Transparent mit der Aufschrift «THC statt SVP» ausrollten. Aber so schnell die belächelten Spassvögel aufgetaucht waren, so schnell waren sie auch wieder verschwunden.

Gespräch wurde gesucht

Teil der ansonsten männlichen Politikmannschaft waren auch Frauen: die vier Politikerinnen Christine Kohli (FDP), Lisa Dubler (Junge Grüne), Sabine Reber (Grüne) und Andrea De Meuron (Grüne), die betonte, sie wolle mit ihrem Engagement ihre Solidarität ausdrücken: «Unsere Mitverantwortung an dem Schicksal der Flüchtlinge nehmen wir zu wenig wahr. Egal, ob sie aus wirtschaftlichen Gründen oder wegen des Krieges zu uns kommen.»

Thomas Knutti von der SVP erzählte: «Es war sehr reizvoll, sich mit den Flüchtlingen zu messen. Leider hatten wir keine Chance.» Knutti hatte gehofft, im Gespräch mit den Asylanten herauszufinden, ob sie in ihren Herkunftsländern wirklich an Leib und Leben bedroht gewesen waren.

Leider kam es jedoch nach dem Spiel nicht zu einem gemütlichen Beisammensein, um auf den Sieg anzustossen und ins Gespräch zu kommen. Das Spiel endete 13:2, samt einem Eigentor der Politiker. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 28.09.2015, 21:04 Uhr

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