Lange Haare entsprachen nicht den Erwartungen

Thun

Jean-Bernard Berger war 1973 Hauptmann der Thuner Kadetten. Was ist aus ihm geworden? Der 57-jährige Vater von drei erwachsenen Kindern erzählt von seiner Karriere und schreibt Sätze zu Ende, die ihm vorgegeben wurden.

Jean-Bernard Berger als Hauptmann im Jahr 1973 und heute.

Jean-Bernard Berger als Hauptmann im Jahr 1973 und heute.

(Bild: zvg)

«1973 war der Höhepunkt meiner Kadettenkarriere. Was ich zutiefst erhofft hatte, war Wirklichkeit geworden und erfüllt mich noch heute mit einem gewissen Stolz. Ein Junge aus einer einfachen Arbeiterfamilie war Hauptmann geworden! Das Obligatorium für die Prögeler war 1972 aufgehoben worden, ohne merkliche Folgen für den Gesamtbestand!

Für mich war eh schon als kleiner Junge klar, dass ich eines Tages bei den Kadetten dabei sein würde. Meine Grossmutter durfte, musste mir schon lange vor der 5.Klasse mehrere spezielle Kadettensocken stricken, die es mir als Zuschauer der Umzüge unter anderem besonders angetan hatten – damals noch grau mit zwei weissen Ringen am Ende der Stulpen.

Schon zu meiner Kadettenzeit war der Schwerpunkt der Übungen der Sport. Ab der dritten Kompanie habe ich die Leidenschaft für den Handball entdeckt, dem ich dann zuerst als Junior, dann als Spieler der ersten Mannschaft von Wacker Thun und schliesslich als handballbegeisterter Leistungstrainer verschiedener Mannschaften über dreissig Jahre treu geblieben bin.

Dass ich heute einer der dienstältesten Kadettenleiter bin, habe ich dem damaligen Korpsleiter Ruedi Mürner zu verdanken, der eines Tages in der grossen Pause im Lehrerzimmer des ‹Peschu› aufkreuzte und mich, den Junglehrer, dazu animierte, als Leiter in Korps tätig zu werden. Junge Menschen – das Potenzial unserer Zukunft – zu fördern, war und ist nach wie vor eines der zentralen Motive meines Leben, weshalb ich heute als Internatsleiter und Theologe Jungs aus schwierigen Verhältnissen in der Stiftung You Count auf dem Weg zur Eigenständigkeit begleite.

Sich neben der Schule und neben dem Leiten des gemeinnützigen Vereins SRS Pro Sportler für junge Menschen im Kadettenkorps einsetzen zu können, und erst noch als Handballtrainer, hat mich damals begeistert und tut es bis heute. Als aktueller Leiter der zweiten Kompanie und als Schiesschef freue ich mich jeden Mittwoch, mit meinen Kollegen die Kadetten der oberen Jahrgänge im Sportschiessen zu fördern. Den Kadettenvirus werde ich wohl nicht mehr los, und das ist auch gut so!»

Zudem schrieb Jean-Bernard Berger Sätze zu Ende, deren Satzanfang ihm vorgegeben war:

  • Ich werde am Ausschiesset 2015 feiern wie jedes Jahr!
  • Für mich ist der Ausschiesset aus heutiger Sicht immer noch das wichtigste Fest in Thun und wesentlich mit den Kadetten verbunden.
  • Mein peinlichster Moment als Hauptmann war, als ich kurz vor dem Ausschiesset zum Progy-Rektor zitiert wurde, der mir erklärte, dass meine damals knapp zu den Schultern reichenden Haare nicht den Erwartungen an einen Kadettenhauptmann entsprächen und diese deshalb zu schneiden seien!
  • Am meisten geprägt hat mich, als Hauptmann zu spüren, welche Bedeutung diese Stellung bei den Kadetten wie auch bei den Erwachsenen hat.
  • Meine Kinder waren bei den Kadetten, weil sie von klein an von uns Eltern zum Ausschiesset mitgenommen und damit mit dem Kadettenvirus angesteckt wurden.
  • Der Fulehung ist für mich eine wesentliche Figur des Ausschiessets, die Tradition mit der Moderne verbindet.
  • Der Höhepunkt jeden Ausschiessets sind für mich die Treffen mit Freunden und das Beisammensein unter den Kadettenleitern.
  • Das vergesse ich aus meiner Kadettenzeit nie: die spannenden, sportlichen Aktivitäten mit den Kadettentagen und das Anführen des Korps als Hauptmann an den Umzügen.

Thuner Tagblatt

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