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Tierschutz, ein sensibles Thema

Wie funktioniert der Tierschutzvollzug im Kanton Bern? Diese Frage diskutierten in Thun Fachleute Behörden und Tierschützer. Dies mit dem Fazit, bei gravierenden Tierschutzdelikten die Polizei rasch beizuziehen.

Ein Dorfbewohner hat seit Jahren ein Verbot, Nutztiere zu halten. Dennoch stehen in seinem Stall zahlreiche Rinder , die nicht ihm gehören. Ein freundlicher Mann hat seinen Hund im Stall an einer Kette. Im Freien ist das Tier nie anzutreffen. Dies sind zwei Beispiele, welche Tierschutzorganisationen in der Region Thun in der Vergangenheit beschäftig haben. «Weitere Beispiel gibt es unzählige», sagte Dorothea Loosli, Präsidentin des Dachverbandes der Berner Tierschutzorganisationen gestern in Thun. Auf dem Thuner Expo-Gelände stand eine Fachtagung zum Tierschutzvollzug im Kanton Bern auf dem Programm. Im Mittelpunkt stand das Ziel, Möglichkeiten und Abläufe von tierschützerischen Massnahmen aufzuzeigen. «Tierschutzvereine haben keine Sonderrechte auch wir müssen uns an die entsprechenden Stellen wenden», hielt die Präsidentin fest. Eine Tatsache, die ab und zu etwas komisch wirke, wenn Leute den Hinweis erhalten, sich bei Missständen in der Tierhaltung an den Tierschutzverein zu wenden. Gespräch wichtig «Tierschutz ist ein sehr sensibles Thema», meinte denn auch der Thuner Regierungsstatthalter Marc Fritschi. Dies umso mehr, weil die Tierhaltung meist mit vielen Emotionen verbunden sei. «Wer Tiere hält oder betreut, muss diese auch angemessen ernähren, pflegen und für ihr Wohlergehen besorgt sein», hielt der Regierungsstatthalter fest. Bei Misständen stelle sich oft die Frage, wo die Probleme liegen. «Diese können sehr vielschichtig sein», so Fritschi weiter. Nicht selten helfe hier das gemeinsame Gespräch. Die Statthalter könnten dabei zum Beispiel als Vermittler und beratend zur Seite stehen. Denn nicht jeder Verdacht auf eine mangelhafte Tierhaltung sei immer schon ein Grund für ein Strafverfahren. «Manchmal ist es besser, eine Gesamtschau vorzunehmen und das Problem von der Wurzel aus zu behandeln», betonte Marc Frischi. Vernetztes Vorgehen Der Statthalter empfahl bei Missständen denn auch ein vernetztes Vorgehen. So zum Beispiel mit dem kantonalen Veterinärdienst, den Gemeinden , den Organen der Tierseuchenpolizei und dem Regierungsstatthalteramt. So könne zum Beispiel die örtliche Baupolizeibehörde vom Regierungsstatthalter zum Betreten von Liegenschaften und Gebäuden ermächtigt werden. Tierschutz mit Grenzen Für Kantonstierarzt Reto Wyss ist indessen klar: «Tierschutz hat auch seine Grenzen», sagte er. Denn das Tierschutzgesetz schreibe einzig vor , einen Minimalstandart der Tierhaltung einzuhalten. «Oft kommt es daher zu falschen Meldungen». erläuterte Wyss. Deshalb gelte es der Qualität der Meldung besondere Priorität einzuräumen. Im nachhinein sei es oft schwierig zu kontrollieren, ob der Hundebesitzer sein Tier wirklich nicht ausführt. Wer Missstände in der Tierhaltung feststellt, sollte seine Beobachtungen genau festhalten. In der Regel würden dabei die Gemeinden nur im Einzelfall und nicht für systematische Vollzugsaufgaben beigezogen. Wie Reto Wyss weiter ausführte, beschränke sich die Zuständigkeit der Gemeinden auf den Immissionsschutz bei Lärm und Geruch, auf den Schutz vor Belästigung durch Tiere und auf den Schutz vor Gefährdung durch Tiere. Sollte es schliesslich zu Massnahmen kommen, gelte es auch das Prinzip der Verhältnismässigkeit zu beachten. Über den respektvollen Umgang mit Tieren und die Jagdgesetzgebung referierte der Kantonale Jagdinspektor Peter Juesy. Dabei wies er auf die Tätigkeiten der Wildhüter hin. «Ein Wildhüter ist verpflichtet, Verfehlungen nachzugehen. Tut er dies nicht, macht er sich selber strafbar», erläuterte er. Der Jagdinspektor wies ebenso auf das Tierschutzgesetz im Zusammenhang mit der Jagd hin. «Die Vorschriften sind streng und werden auch geandet.» Gemäss Juesy werden im Kanton Bern jährlich rund zehn Jagdpatente wegen Verfehlungen gegen das Jagdgesetz entzogen. Strafbar mache sich aber auch, wer zum Beispiel ein verletztes Reh nach einer Kollision mit dem Auto vernachlässigt. Beat Schüpbach, Fachstellenleiter Tierdelikte bei der Kantonspolizei, riet den Anwesenden schliesslich, beim Feststellen eines gravierenden Tierdeliktes immer die Polizei beizuziehen. Stefan Kammermann>

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