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Toleranz? Akzeptanz?

david kleist

Moderne Trends haben die Eigenschaft, dass sie sich still und leise anschleichen und sich dann plötzlich klar und deutlich in den Vordergrund drängen. Eine solche Entwicklung ist die Verschiebung von der Toleranz hin zur Akzeptanz. Mann und Frau geben sich nicht mehr mit Toleranz zufrieden, zunehmend wird Akzeptanz gefordert bis hinein in die gesetzgebenden Organe unseres Staates. Die Toleranz duldet die «andere» Vorstellung und lässt sie auch gelten. Sie ist einer der Grundwerte eines friedlichen Zusammenlebens unterschiedlicher Überzeugungen und Kulturen. Die Bibel zeigt uns den Wert und die Notwendigkeit der Toleranz in klarer und deutlicher Sprache – «Liebt eure Feinde!» Trotzdem hat die Toleranz in unserer Gesellschaft auch eine leidvolle geschichtliche Entwicklung hinter sich. Die Akzeptanz ist im Vergleich zur eher passiven Toleranz die aktive Annahme fremder Vorstellungen und Wertmassstäbe. In der modernen Prägung zeigt sie sich zunehmend fordernd und bedingungslos. Eine kritische Haltung gegen eine «andere» Vorstellung wird als Ablehnung empfunden und entsprechend scharf verurteilt. Der Kritiker wird zum Gegner. Vermutlich ist diese Haltung der Grund für eine Reihe von Spannungen in unserer Gesellschaft, mit denen sie sich auseinander zu setzen hat. Eines ist sicher, ein friedliches Zusammenleben wird dadurch nicht gefördert; statt Brücken werden Gräben vertieft. Anstelle von Gerechtigkeit treten neuen Ungerechtigkeiten. Die «Unterdrückten» von gestern werden zu den «Unterdrückern» von morgen! Auch nichts Neues in der menschlichen Geschichte. Die Bibel ermahnt uns, dem Frieden mit allen Menschen «nachzujagen». Die praktische Umsetzung der Nächstenliebe wird ein Klima der Toleranz fördern und dieser Ermahnung entsprechen. Die aktuelle Forderung nach Akzeptanz dagegen führt in die andere Richtung und wird das Zusammenleben schwieriger machen. Sie ist eine Sackgasse. Ich wünsche Ihnen viel Toleranz im alltäglichen Umgang mit Ihren Mitmenschen! David Kleist, Pastor, verheiratet, zwei Töchter, Mitglied des Gemeindeleitungsteams der Pfingstgemeinde Interlaken. E-Mail: pfimi@tcnet.ch >

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