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Tourenfahrer von Lawine verschüttet

adelbodenDer weisse Tod hat im Oberland wieder zugeschlagen: Zwei Tourenfahrer wurden auf ihrem Weg von der Engstligenalp in Richtung Vorder Lohner von einer Lawine erfasst. Sie konnten nur noch tot geborgen werden. Die beiden jungen Männer stammten laut Polizeiangaben aus der Region.

Gestern Morgen wurde es zur traurigen Gewissheit: Auch der zweite Skitourenfahrer, der am Montag im Gebiet Schedelsgrätli von einer Lawine erfasst worden war, hatte keine Überlebenschance. «Wir konnten ihn leider nur noch tot bergen», sagte der Adelbodner SAC-Rettungschef Thomas Aellig nach abgeschlossener Suchaktion. Bereits am Montagnachmittag hatte ein Rettungstrupp den Kollegen des Verschütteten unter einer 50 Zentimeter dicken Schneeschicht tot aufgefunden. Beide Tourenfahrer waren mit einem Lawinensuchgerät ausgerüstet gewesen. Leider konnte ihnen dieses das Leben auch nicht retten. Was war passiert? Die zwei erfahrenen Bergsteiger und Skitourenfahrer waren am Montagmorgen von der Engstligenalp aus zu einer Skitour in Richtung Vorder Lohner aufgebrochen. Als sie sich im oberen Teil des Schedelsgrätli befanden, löste sich eine Lawine und riss die beiden Männer 500 bis 600 Meter in die Tiefe. Dies teilten die regionale Staatsanwaltschaft Oberland und die Kantonspolizei gestern mit. Gefahr einer zweiten Lawine Der Lawinenniedergang wurde erst später entdeckt. «Ein Patrouilleur hat um 16 Uhr das Schneebrett und die Spuren der Tourenfahrer entdeckt», sagte SAC-Rettungschef Thomas Aellig. Kurz darauf orteten die Retter im Lawinenkegel dank des Lawinensuchgeräts einen der Verschütteten im äusserst steilen Gelände. «Da die Gefahr einer Nachlawine gross war, konnten wir nur mit wenigen Rettern an den Unglücksort gehen», sagte Aellig weiter. Mit Einbruch der Dunkelheit wurde die Suche nach dem zweiten Tourenfahrer abgebrochen. «Zu diesem Zeitpunkt hatte der Mann aufgrund der grossen Sturzhöhe über mehrere Felswände keine Chance mehr, lebend geborgen zu werden», sagt Thomas Aellig. Bereits nach 15 Minuten sinkt die Überlebenschance einer ganz verschütteten Person markant. Die häufigste Todesursache ist das Ersticken, weil die verschüttete Person oft nur eine kleine Atemhöhle hat. Nach einer Stunde wird nur noch eines von vier Opfern lebend gefunden. Undankbare Aufgabe Gestern Morgen wurde die Suchaktion ohne Aussicht auf ein Happy End fortgesetzt. Um 9 Uhr konnten die rund zehn eingesetzten Retter auch die zweite Leiche im Lawinenkegel orten. Eines der Opfer ist ein 24-jähriger Mann, der in der Region wohnte und die Gegebenheiten kannte. Der zweite Tote stammt laut Corinne Müller von der Kantonspolizei ebenfalls aus der Region. Er wurde 21 Jahre alt. Anspruchsvolle Route SAC-Rettungschef Aellig kennt das Gebiet wie seine Hosentasche. Er taxiert die Route von der Engstligenalp auf den Vorder Lohner als anspruchsvoll. «Die Tour ist nur für geübte Berggänger geeignet.» Es sei diesen Winter aber nicht das erste Mal, dass Tourenskifahrer den Weg unter ihre Latten genommen hätten. Laut dem Lawinenbulletin des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung war die Lawinengefahr zum Unfallzeitpunkt mässig. Das ist der zweitniedrigste Wert auf der fünfstufigen Skala. In Steilhängen ist die Gefahr trotzdem nicht zu unterschätzen. Zudem: Rund 30 Prozent aller tödlichen Unfälle ereignen sich bei der Gefahrenstufe «mässig». «Ein Restrisiko bleibt immer», sagt SAC-Rettungschef Aellig. Im Schnitt lassen jährlich 25 Menschen ihr Leben in einer Lawine. Mit den beiden Todesopfern am Schedelsgrätli steigtdie Zahl für den Winter 2010/2011 auf fünf, vier davon waren Tourenfahrer. Im letzten Winter kamen 28 Menschen ums Leben, sieben starben dabei im Diemtigtal. Roger Probst>

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