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«Uber ds Gross Wasser» der Armut entflohen

InterlakenHeinz Häsler las im Kunsthaus aus seinem neuesten Mundartbuch. «Uber ds Gross Wasser» erzählt die Geschichte von drei jungen Leuten, die Mitte des 19.Jahrhunderts der Armut und dem Elend in der Heimat entflohen und nach Amerika auswanderten.

Im Verlag Schlaefli&Maurer AG ist eben das neuste Buch von Generalstabschef a.D. Heinz Häsler (82) erschienen. Der Burger und Ehrenbürger von Gsteigwiler lässt seine Leserinnen und Leser die beschwerliche Reise der Geschwister Anna und Christen Feuz aus Wyler ob Gsteig und des Habkers Johannes Zurbuchen in die neue Heimat Amerika miterleben. Als Grundlage für die spannende Geschichte, die er in der urtümlichen Mundart seines Heimatdorfes erzählt, dienten Heinz Häsler wahre Begebenheiten um die Mitte des 19.Jahrhunderts. Die Gestalten tragen Namen der Burgergeschlechter von Gsteigwiler und der Nachbargemeinden. «Sie haben jedoch keinen Zusammenhang mit lebenden oder verstorbenen Personen», ist auf dem Bucheinband zu lesen. Der Armut entrinnen «Feuz Chaschper, sy Frouw Marianni un ira füüf Chind hei z Wyler ob Gsteig, en em chlynnen Dörfli uf der Sunnsyten yngangs vom Lütschenetal gläbt, in der Rütti.» Schmalhans ist bei ihnen Küchenmeister. Die Kartoffelpest grassiert. Sie vernichtet Jahr um Jahr die gesamte Ernte des zu dieser Zeit wichtigsten Nahrungsmittels. So trägt sich denn Christen, das älteste der Feuz-Kinder, bald einmal mit dem Gedanken, auszuwandern. Und seine Schwester Anna will mit. Zum Auswandern aber braucht es einen Pass. Und so schreibt denn Gemeindeschreiber Peter Thöni am 29.Merzen 1848 dem Regieriger in Interlaken. Er schildert, «dass die Familie Feuz, wie viele andere in unserer Gemeinde, in grosser Armut lebt und früher oder später durch die Gemeinde unterstützt werden müsste». Die Gemeindeversammlung habe beschlossen, den beiden Feuz-Kindern die Reisekosten und einen zusätzlichen Betrag für den Unterhalt bis zur Einschiffung und für die erste Zeit im neuen Land zu entrichten. Die Pässe wurden ausgestellt, es durfte ausgewandert werden. Christen und Anna fahren auf einem Ledischiff über den Thunersee, gehen zu Fuss weiter, lernen den Habker Johannes Zurbuchen kennen und reisen fortan zusammen. Sie fragen sich nach Paris durch, fahren auf einem Fuhrwerk nach Le Havre und sind am Meer. Sie erreichen «uber ds Gross Wasser» New York und sind im «gelobten Land». So «ring», wie hier zusammengefasst, ging es den drei Auswandernden allerdings nicht. Sie erlebten auch «Schtruubs». Eine Zeitreise Die Leserinnen und Leser machen einerseits eine Zeitreise zurück in die Mitte des 19.Jahrhunderts, andererseits auch in die Vor-Frühfranzösisch-Allerweltsmundart-Zeit, in die Zeit, als man die Leute aus den einzelnen Dörfern noch wegen ihrer Mundart auseinanderhalten konnte. Heinz Häsler beherrscht die Mundart dieser Zeit noch und setzt sie ein weiteres Mal gekonnt ein, um eine spannende Geschichte zu erzählen. An der Vernissage vom Sonntag im Kunsthaus begrüsste Rolf Hänni, Geschäftsführer der Schlaefli&Maurer AG, die sitzenden, stehenden, an die Wände lehnenden Gäste. Es herrschte Platznot. Madeleine Howald stellte das neue Buch und den Autor vor, Peter Bruhin örgelte unterhaltend. Das Publikum lauschte aufmerksam und mit Vergnügen der Vorlesung von Heinz Häsler. Dass Rolf Hänni während des Apéros zwecks Buchnachschub ins «Gschäfft» rennen musste, ist ein Zeichen dafür, dass «Uber ds Gross Wasser» beim Publikum gut angekommen ist.Ueli FlückVon Heinz Häsler sind im Verlag Schläefli&Maurer sechs Bücher erschienen. In Gsteigwiler Mundart: «Der Franzos», «Buobezyt», «Vo Lliebi u Trüwwi» und «Uber ds Gross Wasser»; als Sachbücher: «Gsteigwiler – Bilder einer kleinen Gemeinde abseits der grossen Strasse» und «Der Oberländer Schütze». >

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