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«Vertrauensarbeitszeit ist Muss»

Welche Arbeitszeitregelungen sollen künftig für Kaderpersonen

Der 17.Juli 2009 ist Hans-Ueli Zürcher in lebhafter Erinnerung geblieben. «Ich nahm an jenem Abend gerade im Kinosessel Platz, als ich einen Anruf von Regierungsrat Urs Gasche erhielt.» Die Presse habe Dokumente über die Sonderprivilegien des Kaders der Berner Kantonsverwaltung zugespielt bekommen, erzählte der Vorsteher des kantonalen Personalamtes gestern an einer Podiumsveranstaltung im «Bären» Ostermundigen. Der weitere Verlauf der Geschichte ist bekannt: 3700 ausbezahlte Überstunden für einen Kadermitarbeiter, ein stellvertretender Amtsvorsteher, der dank hohen Zeitguthaben ein Jahr früher in Pension ging, und 700000 Franken Abgangsentschädigung für eine Chefbeamtin. Diese Fälle sorgten monatelang für Schlagzeilen und für Hans-Ueli Zürcher für arbeitsreiche Tage. Bis im Herbst 2009 wollte Urs Gasche, der oberste Personalverantwortliche, die Arbeitsbedingungen des Kantonspersonals analysieren lassen und die Erfahrungen mit Austrittsvereinbarungen auswerten. Anfang 2010 wollte die Regierung dann über Alternativen zur heutigen Regelung der Arbeitszeit und des Gehalts von Kaderleuten informieren. Doch auch gestern konnte Zürcher wenig Neues verkünden. «Der Regierungsrat hat unterdessen entschieden, nichts zu entscheiden», resümierte er. Die Politiker wollten das Thema stattdessen «in einem grösseren Rahmen» angehen. So soll insbesondere die Frage geklärt werden, wie der Kanton als Arbeitgeber konkurrenzfähig bleiben kann. «Vor Ende Jahr ist diese Diskussion aber nicht zu erwarten», erklärte Hans-Ueli Zürcher. Etwas früher sei das Parlament am Zug. Die Behandlung der Vorstösse zu den Exzessen vom letzten Jahr sind gemäss Zürcher für die Junisession vorgesehen. Der Bericht der Oberaufsichtskommission (OAK) des bernischen Grossen Rats, der aufzeigen soll, wie die Entschädigungen, Ferien- und Überzeitguthaben in anderen Kantonen und beim Bund gehandhabt werden, liege voraussichtlich ebenfalls auf diesen Zeitpunkt hin vor. Kein Mittel gegen Exzesse Der Handlungsdruck ist indes gross, waren sich die Podiumsteilnehmer gestern einig. Denn der Kanton Bern hat offensichtlich Mühe, für hohe Kaderstellen neues Personal zu rekrutieren. Denn nicht nur die Privatwirtschaft, sondern auch der Bund machen dem Kanton punkto Löhnen und Ferienguthaben zunehmend Konkurrenz. «Wenn der Kanton mithalten will, muss er die Vertrauensarbeitszeit einführen», sagte Peter Seiler, Geschäftsführer Res Publica Consulting AG Bern. Beim Bund habe man mit diesem Modell gute Erfahrungen gemacht, bestätigte Thomas Wettstein vom Eidgenössischen Personalamt. Vor geraumer Zeit habe man für bestimmte Kaderpositionen die Vertrauensarbeitszeit eingeführt. «Anfänglich stiess das noch auf Skepsis», führte er aus. «Doch mittlerweile hat sich das System so bewährt, dass es auf immer mehr Personalbereiche ausgeweitet wird.» Die Leute müssten einfach ihre Arbeit erledigen. In welcher Zeit, sei jedem selber überlassen. Überstunden würden nicht mehr aufgeschrieben. «Da man aber davon ausgehen kann, dass jedes Kadermitglied länger als vorgeschrieben arbeitet, muss im Rahmen der Umstellung unbedingt eine Lohnerhöhung von rund fünf Prozent ausgesprochen werden.» Das Modell stiess bei den Podiumsteilnehmern unisono auf Zustimmung. Allerdings sei auch dieses System nicht geeignet, um masslose Überzeit zu verhindern. Dieses Problem könne nur im direkten Kontakt zwischen Betroffenen und Vorgesetzten gelöst werden. Pascal Schwendener >

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