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Virtuosität in vielen Klangfarben

Im Rahmen der Thuner Bachwochen gastierte Naoki Kitaya in der Scherzligkirche. Er beeindruckte mit einem Cembalo-Rezital.

Der japanische Cembalo-Virtuose Naoki Kitaya eröffnete sein vielseitiges Cembalo-Rezital in der Scherzligkirche, unter dem Titel «Sur les Fleuves de Babylon», mit Frescobaldis «Cento Partie sopra Passacagli». Von Beginn weg fesselte er die rund 50 Gäste mit seinem Können und seiner Ausdruckskraft. Mit Leidenschaft und Engagement entlockte er dem Instrument die vielfältigsten Klangfarben. Er verstand es, die tänzerischen Elemente mit dem speziellen Klang des Cembalos in Einklang zu bringen und zu einem harmonischen Klangteppich zu verweben. Wehmütige Klangbilder Aus der Suite in g-Moll von Henry Purcell intonierte Kitaya die Sätze Prelude und Almand. Mit atemberaubender Geschwindigkeit liess er seine Finger über die Tasten tanzen. Durch Registerwechsel und den Einsatz der Manuale brachte er das Instrument zum Jubeln, zum Klagen, zum Weinen. Ebenso virtuos intonierte er Literatur von Louis Couperin, der als Cembalist und Geiger am Hof des französischen Sonnenkönigs Louis XIV tätig gewesen war. Die von zahlreichen Dissonanzen und wehmütigen Vorhalten geprägten Klangbilder weckten Gefühle und Bewunderung zugleich. Sehr schöne, tröstliche Akkorde wurden ausgeschmückt mit subtil eingeflochtenen Sopranstimmen. Das Publikum bezeugte seine Begeisterung mit tosendem Applaus. Reich an Variationen Doch der Höhepunkt kam mit der Partita 5 in G-Dur von Johann Sebastian Bach. Spiel- und stilsicher schmückte Kitaya die verschiedenartigen Sätze mit Leidenschaft und prägte sie mit Finesse und ganz besonderem Reiz. Die verschiedenen Wechsel von sehr lebhaft über getragen bis zu melancholisch schwebenden Tiefen waren ein Genuss. Höhepunkte waren das Menuett mit den Taktverschiebungen und die fugiert aufgebaute Gigue zum Abschluss. In ein weiteres Wechselbad an Akkorden und Tempi tauchte der Virtuose das Publikum mit Werken von Francesco Geminiani und William Babell. Er war mit Herz und Seele dabei, wenn er seine «Musikalischen Tränen» erzeugte. Für den frenetischen Applaus bedankte er sich mit zwei Zugaben. Verena Holzer >

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