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Von Kräutern, Salben und Tinkturen

Langnau Die Sonderausstellung im Regionalmuseum «Chüechlihus» widmet sich dieses Jahr den Heilkräutern aus dem Bauerngarten.

Letzten Sommer wurde der Innenhof beim Chüechlihus neu gestaltet. Neben einem Kiesplatz entstand ein Bauerngarten, der liebevoll mit Buchs eingefasst wurde. Es bot sich also an, diesen Garten in eine Sonderausstellung zu integrieren. Die Museumskommission entschied sich für das Thema «Heilkräuter», und Textilfachfrau Marianne Jörg zog im letzten Winter Pflanzen an. Im Moment ist erst ein Teil frisch angesetzt, aber im Laufe des Jahres wird sich der Bauerngarten stolz präsentieren können. Museumsleiterin Madeleine Ryser weist auf die Tafel hin, die Angaben zu den Pflanzen im Bauerngarten liefert. Neben dekorativen wie Ringelblume, Malve und Wegwarte hat es auch bekannte Küchenkräuter oder gar giftige Pflanzen dabei. Unerschöpfliches Therma Madeleine Ryser begann im letzten Herbst, sich intensiver mit dem Thema zu befassen. «Schier unerschöpflich und schwer abzu-grenzen», zog sie ein erstes Fazit. Schliesslich beschränkte sie sich in der Ausstellung hauptsächlich auf das 18. und 19.Jahrhundert, das auch Hauptthema in den übrigen Räumen im Chüechlihus ist. Eine eigentliche Lieblingspflanze habe sie während ihrer Studien nicht entdeckt, sie sei aber beeindruckt gewesen von den verschiedensten Anwendungsarten im Laufe der Jahrhunderte. Ein interessanter Streifzug durch verschiedene Heiltheorien, wie der Humoral- oder Säftelehre, Paracelsus’ Studien, der Signallehre, die ähnliche Heilmittel wie eine Baumnuss dem Hirn zuordnet, bis zu Originalrezepten von Michel Schüpbach (Balsam de Langnau) öffnet sich dem faszinierten Besucher. Der Leser staunt über die Opiate, die zum Hexenwahn beitrugen, oder prüft die Zusammensetzung des «Theriak», dem Allheilmittel der Antike gegen Schlangenbisse, im Mittelalter eingesetzt gegen Syphillis, Pest und Cholera. Tee, Aufguss oder Destillat Ein Höhepunkt der Ausstellung sind die 20 Gläser, die getrocknete Heilkräuter enthalten und zum Riechen einladen. Daneben erfährt man auf Tafeln Interessantes über Ursprung und Anwendung der Heilkräuter. Weitere 26 Pflanzen werden beschrieben und einem Holzkörper zugeordnet. So erfährt man, was zum Beispiel der Niere gut tut oder was bei Herzbeschwerden verwendet werden kann. Einiges weiss man schon, anderes erstaunt oder verblüfft. Wer weiss hingegen noch, was ein Kataplasmenwärmer ist? Ryser hat das Ausstellungsstück von ihrer Grossmutter erhalten. Oben ist ein Raum für den Breiumschlag, unten im Behälter kann man eine Kerze reinstellen und den Umschlag darüber erwärmen. Einfach, aber genial. Andere Gegenstände waren schon im Fundus des Museums vorhanden und mussten nur aus den sieben Depots hervorgeholt werden. So weist ein Destilliergerät neben der Kunst des Schnapsbrennens auch auf das beliebte «Chörbelichrutwasser» hin, das vor allem als Blutverdünner eingesetzt wurde. Anwendungen wie Aufgüsse, Tees, Wickel, Tinkturen und Salben geben Einblicke in Bereiche, die in den letzten Jahren wieder neu entdeckt wurden und die auch ihren Platz in der Schulmedizin gefunden haben. Madeleine Ryser hat dabei bewusst auf ein Werten der verschiedenen Heilmethoden verzichtet, da heute gerade auch in der Komplementärmedizin kontroverse Meinungen vertreten werden. Kathrin SchneiderÖffnungszeiten: April bis Oktober, Dienstag bis Sonntag, 13.30–18 Uhr >

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