«Mir fehlen manchmal die Aufbruchstimmung und der Mut»

Thun

Wir fühlen den Gemeinderatskandidierenden auf den Zahn. Heute Katharina Ali-Oesch (SP).

Sie sind amtierende Stadträtin, wurden aber von der SP eher überraschend nicht kumuliert. Ist es Ihnen trotzdem ernst mit Ihrer Kandidatur?
Katharina Ali-Oesch: Ja, klar.

Was bedeutet Thun für Sie?
Thun ist mein Lieblingsort. Hier lebe ich mit meiner Familie, alles dreht sich um Thun.

Wo hapert es in Thun?
Mir fehlen manchmal die Aufbruchstimmung und der Mut, zukunftsweisende Ideen zu verwirklichen. Mutlos finde ich den negativen Entscheid des Stadtrats zur Einführung des Schulversuchs für eine Ganztagsschule. Auch dass wir immer noch auf die direkte Verbindung zwischen Bahnhof und Selve für den Langsamverkehr warten, zeugt nicht von Aufbruchstimmung, Thun zur Velostadt zu entwickeln.

Was lieben Sie an Thun?
Auf kleinem Raum finde ich die ganze Welt in einer ausserordentlich schönen Umgebung. Thun ist Lebens-, Arbeits- und Erholungsort. Das ist wohl der Grund, warum ich hier so vielen freundlichen Menschen begegne.

Welche Schwerpunkte möchten Sie als Gemeinderätin setzen?
«Thun für alle» verwirklichen. In Thun sollen alle Menschen in Würde und Sicherheit leben und arbeiten können. Dafür brauchen wir eine gute demografische Durchmischung sowie eine Alltagsversorgung in den Quartieren. Thun muss eine umweltfreundliche Stadt sein mit einem sicheren und effizienten Mobilitätskonzept. Der Wirtschaftsstandort Thun muss mit Massnahmen gestärkt werden, die umwelt- und sozialverträglich sind. Kurzum: Die Politik muss zur hohen Lebensqualität in Thun Sorge tragen und sie zusammen mit der Bevölkerung weiterentwickeln.

Wenn Sie die Stadt als Wohnort verlassen würden – wohin würden Sie am ehesten ziehen?
Aufgewachsen auf einem Bauernhof in Schwarzenegg, bin ich nach Bern ausgezogen, weitergezogen nach Zürich und zurückgezogen nach Thun. Hier will ich bleiben.

Mit welcher Person möchten Sie gerne einmal ein paar Runden auf dem Thuner Riesenrad drehen – und warum?
Mit Zinédine Zidane. Ich war ein grosser Fan während seiner aktiven Zeit als Fussballer und schätze sein soziales Engagement gegen die Armut. Ich möchte mich mit ihm über den denkwürdigen WM-Final 2006 unterhalten.

Was ist ausserhalb der Politik Ihre grösste Leidenschaft?
Zusammen mit meiner Familie die nahe und die weite Welt entdecken. Ein Tag auf den Ski oder eine Wanderung erwärmen mein Herz genauso wie eine Reise nach Finnland.

Wenn Sie mit einer Zeitmaschine in die Thuner Vergangenheit reisen könnten – welche Epoche würden Sie wählen?
Die Belle Epoque. Einerseits gefällt mir die Architektur ausserordentlich gut, andererseits stelle ich mir die Aufbruchstimmung aufregend vor. Ich möchte gerne ein paar Tage im Thunerhof verbringen, und zwar sowohl als Touristin wie auch als Bedienstete, um beide Rollen zu erleben.

Welches ist Ihr Lieblingsort in Thun?
Es gibt nicht nur einen Ort, dafür ist Thun einfach zu schön: Ich bin am Samstag gerne auf dem Märit, im Sommer im Schwäber, mit Gästen auf dem Schloss, zum Joggen in der Schadau, an einem Konzert im Mokka, im Winter auf der Eisbahn.

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