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Wenn aus altem Eisen Kunst wird

Noch dieses Wochenende stellt das Schrottkollektiv Burgdorf im Alpina-Keller seine Arbeiten aus. Aus Alteisen stellen die vier Künstler Skulpturen, Feuerschalen, Kerzenständer und allerlei Exponate aus der Tierwelt her.

Eine riesige Spinne mit langen, glänzenden Beinen lauert an der weiss getünchten Wand des Burgdorfer Alpina-Kellers. «Ey Staubsauger, fugg yu», steht in einem seltsamen Deutsch-Englisch auf dem Kärtchen nebenan. Denn angesichts der Grösse des eisernen Körpers würde jeder handelsübliche Staubsauger kapitulieren. Ebenso wie vor «Goustaphe la Langouste», einer lebensecht gestalteten Languste, die ein paar Meter von der Spinne entfernt auf einem Tischchen sitzt. Das Schrottkollektiv, eine Gruppe von drei Künstlern und einer Künstlerin, stellt seine Werke derzeit im Alpina-Keller aus. Allesamt verarbeiten sie in ihrer Freizeit Alteisen, entrosten vermeintlichen Schrott und schweissen die Eisenteile zu neuen Kunstwerken zusammen. Unterschiedliche Stile Nebst den Insekten, Käfern und Krebstieren von Grafiker Bruno Kohler bevölkern eiserne Vögel und hüfthohe, filigrane Kerzenständer den Gewölbekeller. Sie wurden vom Burgdorfer Daniel Lehmann erschaffen, der hauptberuflich als Mechaniker arbeitet. Susann Binggeli, die Kindergärtnerin aus Mötschwil, ist hingegen eher die Frau für Brachiales. Ihre Objekte strahlen eine elegante Robustheit aus. Etwa die Kerzenständer, deren Füsse in einem früheren Leben als Teile eines Pflugs in der Landwirtschaft in Gebrauch waren. Noch schwerere Geschütze fährt Manfred Oppliger auf. Drei riesige Scheiben, in der Form von Linsen, hängen nebeneinander. Sie bestehen aus gebogenen Eisenstäben, die dem Ganzen eine Optik geben, als würde es sich um dicke Seile handeln. Schwerfällig und schwerelos zugleich. Etwa vierzig Kilo wiege jede dieser Linsen, sagt der Burgdorfer Architekt. Klein angefangen Immerhin musste Oppliger seine schwergewichtigen Skulpturen nicht allzu weit schleppen. Denn die Werkstatt, die er sich mit Daniel Lehmann und Bruno Kohler teilt, befindet sich ebenfalls auf dem Alpina-Areal. Susann Binggeli hingegen hat eine eigene Werkstatt in ihrem Bauernhaus in Mötschwil. Bereits zum vierten Mal organisieren die vier Mitglieder des Kollektivs eine Ausstellung. Dieses Jahr dauert sie jedoch zum ersten Mal länger als ein Wochenende. Ursprünglich habe es im kleinen Rahmen angefangen, erzählt Oppliger. Mittlerweile hat sich dies geändert. «Am Freitag hatten wir gut 150 Besucher», freut sich der Architekt. Verkauf läuft gut Auf vielen Stücken klebt bereits ein roter Punkt – verkauft. Manfred Oppliger deutet auf ein Gebilde, dem eine gewisse Ähnlichkeit mit den Skeletten eines prähistorischen Museums anhaftet. 26 Einzelstücke einer Bodenfräse hat er dazu mit einer Drahtbürste von Dreck befreit, zusammengeschweisst und mit Leinöl behandelt. «Liegend erinnert es an einen Flügelschlag, stehend ähnelt es einer Wirbelsäule», kommentiert er sein Werk. Gekauft habe es ein Chiropraktiker für seine Praxis. Auch wenn der Verkauf der Stücke nicht das Hauptziel der Künstler sei – «es ist schön, zu sehen, dass die Skulpturen auch bei anderen Leuten Anklang finden», so Oppliger. Kostendeckend sei das Hobby dennoch bei weitem nicht. Immerhin – für das Material müssen die vier selten etwas bezahlen. Sie finden es auf Schrottplätzen, in Industriemulden, Alteisensammlungen oder bei Landwirten. Faszination Alteisen Die Faszination für das Material habe wohl schon länger in ihm geschlummert, sagt Manfred Oppliger. Doch erst seit er vor einigen Jahren gemeinsam mit Bruno Kohler einen Schweisskurs gemacht habe, lebt er sie auch aus. Und so sind die drei Schrottkünstler oft Samstag für Samstag in der Werkstatt anzutreffen, wo sie hämmern, schweissen, putzen und dem altem Eisen Flügel verleihen. Nicole HättenschwilerDie Ausstellung im Alpina-Keller ist noch heute Samstag (11 bis 18 Uhr) und morgen Sonntag (11 bis 15 Uhr) geöffnet.>

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