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Wer bezahlt Pflege in Zukunft?

Mit der Neufinanzierung kommen enorme Herausforderungen auf die Spitex-Organisationen zu. Sparen ist angesagt, gleich bleibende Qualität gefordert. Lisa Humbert-Droz sprach in Steffisburg über die möglichen Folgen.

Die Menschen werden immer älter. Viele können dank Spitex-Betreuung länger im eigenen Heim bleiben. Die Verantwortlichen der Spitex Zulg machen sich jedoch grosse Sorgen um die Zukunft der ambulanten Versorgung. Um einen besseren Überblick über Vor- und Nachteile der neuen Regelungen der Finanzierung zu bekommen, luden sie die Präsidentin Spitex Verband Kanton Bern, Lisa Humbert-Droz, als Referentin eines Infoabends ein. Dazu konnte Spitex-Zulg-Präsidentin Susanna Schmid zwei Dutzend politisch Engagierte begrüssen. Kanton will 15 Mio. sparen Im einem kurzen Überblick über die Entwicklung im Gesundheitswesen hielt die Referentin unter anderem fest, dass bei einer erheblichen Kostensteigerung immer weniger Geld und zu wenig Personal zur Verfügung stehe, dass aber immer mehr Leistungen – qualitativ wie quantitativ – gefordert würden. «Die Bedeutung der Spitex als Puffer für Heime und Spitäler wächst. Ihre Kosten betragen gerade zwei Prozent des Gesundheitswesen, und nun sollen hier 15 Millionen Franken gespart werden. Das geht nicht ohne Qualitätseinbussen.» Sorgen bereitet Lisa Humbert-Droz die bevorstehende Patientenbeteiligung. «Die Krankenkassenbeiträge haben die Schmerzgrenze bereits erreicht. Was, wenn die Liquidität beim Patienten nicht vorhanden ist? Werden die Kosten auf Gemeinden und Ergänzungsleistungen abgewälzt? Einerseits werden Mehrkosten von 80 Millionen für Heime erwartet, andererseits rechnet die Spitex mit Mindereinnahmen von fünf bis zehn Prozent. Die Rechnung geht nicht auf. Letztlich spart der Kanton nichts. Es wird mehr Ergänzungsleistungsbezüger und mehr Spital- und Heimaufenthalte geben», erklärte sie. Zudem äusserte sie die Befürchtung, dass Verwahrlosung zunehmen, sich die Leute schlechter ernähren würden und der Pflegebedarf später, ja sogar zu spät, erkannt und damit Spital- und Heimeintritte nicht verhindert werden könnten. Die Betriebe wehren sich Eine weitere Herausforderung ist, dass die Spitex-Organisationen neu Unternehmen sind. Damit haben ihre Vorstände die Verantwortung eines Verwaltungsrates. Den Geschäftsleitungen bringt es erhöhte Anforderungen an Leistungen wie Einsatz- und Bereitschaftszeiten sowie Aus- und Weiterbildung. Zudem besteht die Befürchtung, dass private Spitex-Organisationen die lukrativen Patienten wegschnappen und die Versorgungspflicht der öffentlichen Spitex überlassen bleibt. Die beschränkte Defizitgarantie fällt weg – und damit das bisherige finanzielle Sicherheitsnetz. «Mit der Patientenbeteiligung verrät der Regierungsrat das im Altersbericht des Grossen Rates festgehaltene ‹ambulant vor stationär›. Es braucht Druck seitens Gesellschaft und Politik, damit dies nicht geschieht», sagte Humbert-Droz. Und fügte an: «Wir unterstützen die drei eingegangenen Motionen von SP, SVP und FDP, die alle vom Regierungsrat verlangen, dass er den Entscheid, die Patientenbeteiligung per 1.Januar 2011 einzuführen, zurücknimmt. Unsere Chancen sind gut.» Sie bitte die Organisationen dringendst, vorläufig keine Verträge mit dem Kanton zu unterzeichnen, weil es noch zu viele offene Punkte gebe. Mitte September sollen die Spitex-Organisationen über die weiteren Schritte informiert werden. Verena Holzer •www.spitexbe.ch >

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