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«Wie bei den Astronauten»

Im Zeichen der Malariabekämpfung sendet DRS3 nächste Woche aus einem Glaskasten auf dem Bundesplatz. Moderator Mario Torriani erklärt die Spendenaktion und wehrt sich gegen den Einwand, Hilfswerke zu konkurrenzieren.

Die Aktion «Jeder Rappen zählt!» ist in aller Munde und auch in aller Ohren – aber ist die Hymne «Jede Rappe zellt» nicht furchtbar? Mario Torriani: Der Song ist ein Ohrwurm und erfüllt unsere Zwecke. Zum einen ist er unser akustisches Logo, und zum anderen verfügt er über einen Text, der die Leute darauf aufmerksam macht, dass es auf dieser Erde nicht nur uns Europäer gibt. Aber worum es bei der Spendenaktion konkret geht, wird mit keinem Wort erwähnt. Man kann ja schlecht einen Song mit dem Refrain «Malaria, Malaria» bringen, oder? Und was gibt es nächste Woche für das Auge? Unser Moderationsteam, bestehend aus Nik Hartmann, Judith Wernli und mir, zieht in eine Glasbox auf dem Bundesplatz und sendet täglich von dort aus. DRS3 überträgt rund um die Uhr, und auf SFzwei ist das Geschehen 18 Stunden pro Tag zu sehen. Viele spannende Gäste aus Politik, Wirtschaft oder Wissenschaft werden uns besuchen, und es gibt Konzerte, die man mit einem gemieteten Kopfhörer vor Ort hören kann. Man darf sich die Aktion nicht wie «Big Brother» vorstellen. Beim Schlafen wird man uns nicht sehen. Werden Sie sich heimlich herausschleichen, um Essen zu holen? Nein, niemand darf die Glasbox verlassen. Als Zeichen des Verzichts haben wir vereinbart, geregelte Mahlzeiten auszulassen. Wir werden von einer Ernährungsberaterin so verköstigt, dass wir gerade genug Energie zum Arbeiten haben. Feste Nahrung gibt es allerdings nicht – so ein bisschen wie bei den Astronauten. In einer Zeit, in der jede wohltätige Organisation zum Spenden aufruft, setzen Sie sich für den Kampf gegen Malaria ein. Warum? Es leben rund 3,3 Milliarden Menschen – also fast jeder Zweite – in einem Malariagebiet. Eine unglaubliche Zahl. Und pro Jahr sterben über eine Million Menschen an Malaria. «Jeder Rappen zählt!» bietet die einmalige Chance, während einer Woche die Aufmerksamkeit auf ein Problem zu lenken, das sonst nicht im Scheinwerferlicht der öffentlichen Wahrnehmung steht. Ausserdem kann auch mit kleinen Beträgen eine grosse Wirkung erzielt werden. Was heisst das konkret? Ich nenne ein Beispiel aus Tansania, wo ich selber hingereist bin: Dort kostet ein Netz, das die gefährlichen Moskitos nicht nur abhält, sondern auch gleich tötet, sieben Dollar. Das ist ein verhältnismässig kleiner Betrag, wenn man bedenkt, dass ein solches Netz während fünf Jahren Schutz vor Malaria bieten kann. Die Spendenaktion sorgt für Unmut bei den Hilfswerken. Sie befürchten Einbussen bei ihren eigenen Sammlungen. Bei mir persönlich hat sich niemand beklagt. Und in anderen Ländern hat man diesbezüglich nur gute Erfahrungen gemacht mit solchen Projekten. Eine Kannibalisierung hat nicht stattgefunden. Im Gegenteil: In den Niederlanden zum Beispiel ist es gelungen, ein völlig neues Publikum für Sammelaktionen zu erschliessen – wovon gerade die Hilfswerke heute stark profitieren. In der Schweiz ist zudem nicht ein einzelnes Hilfswerk Partner von «Jeder Rappen zählt!», sondern die Glückskette, bei der fast alle namhaften Schweizer Hilfswerke angeschlossen sind. Jedes dieser Hilfswerke hat die Möglichkeit, bei der Glückskette Projekte einzureichen. Diese entscheidet mit ihren bewährten Kriterien, welche Projekte begünstigt werden. Interview: Miriam LenzDer Berner Mario Torriani (33) ist Morgenmoderator bei DRS3 und moderiert das Wissensmagazin «Einstein» auf SF1. Er startete seine Karriere beim Bieler Sender Canal3. •www.jrz.ch>

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