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Wie die Elektra Fraubrunnen zum Joker wurde

Im Poker um das Stromnetz von Lohn-Ammannsegg zog der Gemeinderat einen Joker aus dem Ärmel: Er überrumpelte alle mit einer Offerte der Elektra Fraubrunnen. Noch wurden aber nicht alle Karten aufgedeckt.

Will verkaufen: Gemeindepräsident Markus Sieber
Will verkaufen: Gemeindepräsident Markus Sieber
Isabel Mäder

Zur Informationsveranstaltung über die Zukunft des Stromnetzes von Lohn-Ammannsegg kamen rund 200 Interessierte. Gemeindepräsident Markus Sieber (parteilos) argumentierte, der Wert des Stromnetzes nehme von Jahr zu Jahr ab. Er überraschte mit einem neuen Angebot: Die Elektra Fraubrunnen sei zu Beginn dieses Jahres auf die Gemeinde zugekommen und habe das beste Angebot gemacht. Dass sich Lohn-Ammannsegg vom Stromnetz trennen muss, steht für den Gemeinderat ausser Frage. Die Gemeinde sei mit 1000 Haushaltungen und 2500 Einwohnern schlicht zu klein.

Die Vorgänger im Gemeinderat waren dagegen noch massgeblich an der Ausarbeitung des Modells Gebnet beteiligt. Dieses sieht vor, dass 24 Solothurner und Berner Gemeinden ihre Stromnetze in eine AG einbringen, welche die über hundertjährige Elektra Bucheggberg mit Sitz in Lohn ablöst. 30 Prozent der Aktien übernimmt die BKW und zahlt die Gemeinden aus.

Zur Diskussion stand bisher auch ein Verkauf an die Solothurner AEK. Ihr Angebot ist aber das tiefste. Sieber betonte mehrmals, der Antrag des Gemeinderates stehe in keinem direkten Zusammenhang mit dem Bilanzfehlbetrag von 930'000 Franken. Trotzdem legte er die einmaligen Auswirkungen auf die Bilanz und die wiederkehrenden auf die Erfolgsrechnung detailliert dar. Beim direkten Finanzausgleich wird der Netzverkauf in den Jahren 2012 und 2013 eine zusätzliche Belastung von 75'000 Franken bewirken.

Gegenüber heute würde der Strompreis bei der Gebnet AG sinken, bei AEK und Elektra Fraubrunnen dagegen steigen.

Vier Millionen Franken

Der freisinnig dominierte Gemeinderat beantragt nun der Gemeindeversammlung vom 29. März, das Stromnetz an die Elektra Fraubrunnen zu verkaufen. Die bietet dafür 4,05 Millionen Franken. Die AEK würde 3,3 Millionen zahlen. Das Angebot der Gebnet AG beläuft sich auf gut 3,5 Millionen. Davon würde aber nur 1 Million ausbezahlt. Weitere Stromanbieter seien angefragt worden, hätten aber nicht offeriert, so Markus Sieber.

Sonst Steuern erhöhen?

In der sehr sachlich geführten Diskussion wurde die Befürchtung geäussert, die Konsumenten müssten ähnlich wie bei den weiterverkauften TV-Kabelnetzen Spekulationsgewinne zahlen. Immer wieder wurde nach der Motivation der Käufer gefragt. Die Gemeinde saniere sich auf Kosten der Konsumenten, wurde vermutet. Die Differenz pro Einfamilienhaus betrage «nur» rund 100 Franken jährlich, versicherte Markus Sieber.

Stefan Richard erklärte als Präsident des Projektausschusses Finanzen, ohne Verkauf müsse man eine Steuererhöhung ins Auge fassen. «Und was verkaufen wir bei der nächsten Verschuldung?», wurde gefragt.

Gar nicht erfreut zeigte sich Gebnet-Verwaltungsratspräsident Stefan Vögeli: «Lohn-Ammannsegg verstösst aus Sicht der andern Gemeinden gegen Treu und Glauben.» Das Gebnet-Angebot sei schlecht gemacht worden. Er geht davon aus, dass jetzt weitere Angebote eingehen oder dasjenige der AEK nachgebessert wird. Bei einem Verkauf rechnet er gar mit einer Beschwerde. Die 2009 neu gegründete SVP geht erstmals in die Offensive und teilte gestern mit, sie lehne Verkauf und Beteiligung ab.

«Wir müssen wachsen»

Andreas Zimmermann, Direktor der Elektra Fraubrunnen mit Sitz in Jegenstorf, sagte gestern: «Wir müssen alle wachsen.» Man versorge 31 Gemeinden und sei an Gebietserweiterungen grundsätzlich interessiert. Das gelte auch für den Bucheggberg und das südliche Aaretal, müsse aber «regional vertretbar» sein. Der Verwaltungsrat verfüge über die nötigen Kompetenzen. Die Finanzierung erfolge über den Netzbaufonds.

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