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«Wie ist denn das jetzt mit dem heiligen Krieg?»

Gemeinsam luden die katholische Pfarrei und das Türkisch-Islamische Zentrum Ostermundigen am Dienstagabend zur Diskussion über den Islam. Es war ein erster Schritt zur Verständigung zwischen den beiden Religionen.

Es war ein ungewohntes Bild: Im Saal neben der katholischen Kirche Ostermundigen falteten die Zuhörer die Hände zum Gebet und lauschten den arabischen Worten des Imam. «Amen», schloss dieser und besiegelte einen Abend der Annäherung. Das Pfarramt Guthirt hatte zum Informations- und Diskussionsabend zum Thema «Angst vor dem Islam» geladen, erschienen waren knapp vierzig Ostermundigerinnen und Ostermundiger. Zusammen mit dem Türkisch-Islamischen Zentrum Ostermundigen hatte die katholische Kirche einen ersten Schritt zur Verständigung zwischen den Religionen gewagt. Engel und Jesus im Koran Im ersten Teil des Abends referierte Salim Khan vom Islamischen Zentrum Bern über die Grundzüge des Islam. Er wollte hauptsächlich Missverständnisse aus der Welt schaffen und Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen aufzeigen. So würden die Muslime, ebenso wie die Christen, an das Evangelium glauben. Sowohl die Engel als auch Jesus spielten im Koran eine wichtige Rolle. Der grösste Unterschied in der Auslegung der Schriften besteht laut Khan darin, dass Jesus im Islam nicht als Sohn Gottes oder dessen Verkörperung angesehen werde. Salim Khan wurde nicht müde, zu betonen, dass der Islam als Religion in erster Linie den Frieden predige: «Wer einen Menschen tötet, tötet die ganze Menschheit.» Diskriminierung von Frauen oder extremistische Strömungen seien nicht Grundzüge des Islam, sondern Probleme der jeweiligen Gesellschaft. Vom Terror distanzieren Das zustimmende Kopfnicken im Publikum wurde im zweiten Teil des Abends durch kritische Fragen abgelöst. So wollte ein Gemeindemitglied wissen, weshalb sich die Schweizer Muslime – speziell während der Abstimmung zur Minarett-Initiative – nie klar von terroristischen Akten distanziert hätten. Zum einen würde man sich natürlich jederzeit von solchen Aktionen distanzieren, sagt Hasan Irmak, Präsident des Türkisch-Islamischen Zentrums. Zum andern könne die muslimische Gemeinschaft aber auch nicht die Verantwortung für all diese Taten übernehmen. «Wenn die katholische IRA in Nordirland Attentate verübt, fühlen sich auch nicht alle Katholiken verantwortlich.» Für den Lacher des Abends sorgte CVP-Gemeinderat Ernst Synes, der als Diskussionsleiter auftrat: Wie das denn jetzt mit diesem heiligen Krieg sei, den das libysche Staatsoberhaupt Muammar al-Ghadhafi gegen die Schweiz ausgerufen hat, wollte der Politiker wissen. Das sei völliger Unsinn, erklärte Irmak lachend. «Nehmen Sie es so, wie es war: witzig.» Polarisierendes Kopftuch Am polarisierenden Thema des Kopftuchs kam auch diese Diskussion nicht vorbei. Von den einen als Symbol der Unterdrückung gesehen, gilt das Tuch im Islam als Schutz vor männlichen Blicken. Hasan Irmak ist überzeugt, dass 99 Prozent der Muslima in der Schweiz ihr Kopftuch freiwillig tragen. Den Zweiflern in der Runde gab er einen Rat, der den gesamten Religionsdiskurs vereinfachen würde: «Wenn Sie das nächste Mal eine Frau mit Kopftuch sehen, gehen Sie hin und sprechen Sie mit ihr.» Christian ZeierTag der offenen Tür im Türkisch-Islamischen Zentrum: Samstag, 20.März, zwischen 15 und 16.30 Uhr öffentliche Führung durch die Ostermundiger Moschee an der Oberdorfstrasse 2.>

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