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Wie Sänger dem Publikum dienen

Die Vortragsreihe 2010/2011 der Kunstgesellschaft Thun steht unter dem Motto «Die Kunst und ihre Diener». Am Dienstag referierte der Musikprofessor Jakob Stämpfli über

«Unter dem Begriff Gesang verstehen wir musikalische Äusserung durch die Stimme», zitierte Jakob Stämpfli aus Hünibach die Brockhaus Enzyklopädie. Der Musikprofessor sprach am Dienstagabend im Kleintheater Alte Oele in Thun über das sängerische Dienen. Er schälte heraus, wie sich Text und Komponist zueinander verhalten und wie der Sänger dies umzusetzen habe. Text ist primärer Meister «Im Gegensatz zum schöpferischen Künstler hat der Sänger als ausübender Künstler viele Vorgaben, denen er sich unterwerfen muss», sagte Stämpfli. Der Text sei – anders als bei Instrumentalisten – sein primärer Meister, dann natürlich auch die Vorgaben des Komponisten, bestehend aus Tonhöhe, Tonstärke, Artikulation, Tempo, Phrasierungen, Stil, Stimmung und Charakter. «Neben der Beherrschung seiner Stimme durch eine möglichst perfekte vokale Technik muss er sich mit der Frage beschäftigen, ob Textdichter und Komponist übereinstimmen und, wenn nicht, wie er sich zu verhalten hat», beschrieb Stämpfli eine wichtige Voraussetzung. Weiter müsse der Sänger lernen, wie er seine innere Vorstellung dem Publikum kommunizieren könne. Das sei angesichts der Tatsache, dass visuelle Reize stärker wirken als akustische, besonders wichtig. Er illustrierte dies anhand von Beispielen wie demjenigen eines Schmetterlings, der über dem Orchester gaukelte und sich dann auf der Glatze des ersten Konzertmeisters niederliess. «Dem Schmetterling allein gehörte die Aufmerksamkeit des erheiterten Publikums», erzählte Stämpfli schmunzelnd. Berühmtheiten zu Gast Die zahlreich erschienenen Zuhörerinnen und Zuhörer kamen auch in den Genuss von Kostproben grosser Sängerinnen und Sänger. So waren ab Tonträgern einstige Berühmtheiten wie die Baritone Dietrich Fischer-Dieskau, Tito Gobbi, die Sopranistinnen Kirsten Flagstad und Elisabeth Schwarzkopf zu hören. «Ich hätte grosse Mühe, Ihnen aus der jetzt aktiven Generation ähnlich kompetente Sängerpersönlichkeiten vorzuführen, obwohl es doch einige wenige davon wirklich noch gibt», schloss Stämpfli seinen mit viel Applaus bedachten Vortrag.Hans Kopp Nächster Vortrag der KGT: Dienstag, 16. November, 19.30 Uhr, Kleintheater Alte Oele Thun. Thema: «Mein Freund Alberto Giacometti». Der berühmte Magnum-Fotograf Ernst Scheidegger erzählt über seine Zeit mit dem Künstler. •www.kunstgesellschaftthun.ch >

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