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Willkommen im Kindergarten

Stephan Künzi

«Kindergarten», könnte man sagen und halb belustigt, halb gelangweilt zur Tagesordnung übergehen. Doch so harmlos scheint das Gezeter mittlerweile nicht mehr zu sein, mit dem die Burgdorfer BDP um Stadtrat Francesco Rappa und die Burgdorfer FDP um Fraktionschef Michael Ritter derzeit auf sich aufmerksam machen. Seit Wochen streiten die zwei verkrachten bürgerlichen Schwestern in aller Öffentlichkeit darüber, wer nun wem genau was versprochen hatte, als es im letzten Dezember um die Wahl des – zweiten (!) – Stadtratsvize ging. Und genauso offen zanken sich nun seit neuestem auch darum, ob es bei den Freisinnigen am Ende ein paar Abtrünnige gibt, die sich nach den Grossratswahlen von Ende Monat flugs zu den Grünliberalen verabschieden wollen. Die Namen potenzieller Überläufer machen die Runde, was die Betroffenen natürlich umgehend zu einem Dementi animiert, worauf die Gegenseite ebenso umgehend zurückschiesst, es sei eben doch genauso gewesen. In persönlichen Gesprächen habe man das Interesse an der neuen Kraft jedenfalls gespürt. Ihren unrühmlichen Höhepunkt erreichte die Geschichte vorgestern Abend. Noch am Morgen hatte sich die jungfreisinnige Stadträtin Christine Zaugg guter Dinge auf der Redaktion gemeldet. Sie, die mit ihrem überraschenden Austritt aus der FDP-Fraktion den Zwist ins Rampenlicht zurückgeholt und gleich auch noch einen tiefen Graben mitten im eigenen politische Lager aufgerissen hatte, wollte nochmals ihre Sicht er Dinge darlegen, wollte insbesondere auch klarstellen, dass sie bis Ende Jahr als Jungfreisinnige und ohne Fraktion im Rücken weitermachen werde. Ob sie dann in eine andere Partei – zum Beispiel in die BDP – übertrete oder den Platz für einen Kollegen aus ihren eigenen Reihen frei mache, sei noch offen. Christine Zaugg sagte auch noch andere interessante Dinge, doch zu einem Abdruck in der Zeitung kam es nicht mehr. Hörbar aufgewühlt und mit einem Zittern in der Stimme rief die Jungpolitikerin am Abend nochmals an und bat, den Artikel auf keinen Fall zu veröffentlichen. Als Grund für ihren Sinneswandel gab sie an, massiv bedroht worden zu sein. Zwar nicht gerade an Leib und Leben, ihre Angst, im Falle einer Publikation mit beruflichen Nachteilen rechnen zu müssen, liess sie aber offen durchblicken. So weit ist es also gekommen in einem Krach, bei dem es von aussen betrachtet um nichts weiter geht als um Kränkungen und verletzte Eitelkeiten einiger Lokalpolitiker. Der sich um Dinge dreht, die erstens mit dem Alltag des normalen Bürgers weniger als gar nichts zu tun haben und zweitens die Streithähne gleich als völlig unglaubwürdig entlarven – ins Fäustchen lachen können sich bei alledem die Mitte-links-Parteien und die SVP, die sich aus der Sache elegant heraushalten. Man darf gespannt sein, wie es ihnen die Wähler Ende Monat danken. stephan.kuenzi@bernerzeitung.ch>

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