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«Wir fühlen uns bestraft»

Obwohl das Kino Kunstmuseum seine Zuschauerzahlen um 50 Prozent

Zurzeit läufts heiss in der Berner Kulturszene. Nicht nur wegen der jüngsten Querelen rund ums Stadttheater. Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, sind derzeit wichtige Verhandlungen im Gange: Die Stadt erneuert ihre Subventionsverträge mit den Berner Kulturinstitutionen. Bis Ende Jahr müssen die Verträge 2012–2015 ausgehandelt werden – und natürlich geht es dabei in erster Linie darum, wer wie viel Geld bekommt. Bestrafung statt Lob Fürs Kino Kunstmuseum siehts schlecht aus. Statt 170000 Franken jährlich will die Stadt ab 2012 nur noch 120000 Franken sprechen – knapp ein Drittel weniger. Wie das Kino seine Aufgaben, zu denen die filmische Begleitung von Ausstellungen und die Präsentation von historischen Filmen sowie aktuellem Filmschaffen gehören, weiterhin erfüllen soll, ist den Betreibern ein Rätsel. «Wir haben einen guten Leistungsausweis und ein professionell arbeitendes Team», sagt Peter Erismann, Präsident von Cinéville, dem Trägerverein des Kinos Kunstmuseum. «Deshalb fühlen wir uns von der Stadt zu Unrecht bestraft.» Tatsächlich konnte das Kino in den letzten sechs Jahren seine Publikumszahlen um fast 50 Prozent steigern – auf 10000 Zuschauer jährlich. «Letztes Jahr hatten wir zwar einen leichten Rückgang, den wir dieses Jahr aber dank Publikumsmagneten wie dem Film ‹Breath Made Visible› locker wieder gutmachen», präzisiert Erismann. Das Kino sei schweizweit einzigartig, weil man ein integraler Bestandteil eines Kunstmuseums sei. Hinzu kommt, dass der Betrieb über 50 Prozent seines Budgets von 430000 Franken selbst erwirtschaftet. Im Vergleich zu anderen Berner Kulturinstitutionen ist das beachtlich. «Wir haben von der Kultursekretärin Veronica Schaller eigentlich keine klare Begründung bekommen», wundert sich Erismann. «Sollten wir tatsächlich 50000 Franken einsparen müssen, gehts uns an die Substanz.» Ein Vorschlag der Stadt, weniger Vorstellungen zu planen, käme einer Quadratur des Kreises gleich: «Wenn wir weniger Vorstellungen machen, haben wir auch weniger Einnahmen. Damit würden wir uns ins eigene Fleisch schneiden», so Erismann. Kein klares Bekenntnis Kultursekretärin Veronica Schaller wollte sich vor ihren Ferien telefonisch nicht äussern. Nur so viel – per Mail: «Wir planen Änderungen beim Kino Kunstmuseum. Das hat etwas mit dem Inhalt zu tun, aber auch etwas mit der Tatsache, dass das Kunstmuseum selbst mittelfristig nicht mehr von der Stadt subventioniert werden wird.» Bisher wird das Kunstmuseum von der Stadt, den Gemeinden und vom Kanton subventioniert. In Zukunft wird der Kanton der alleinige Geldgeber sein. Tatsache ist allerdings auch, dass diese Änderungen wohl erst ab 2015 in Kraft treten. Bis dahin ist die Stadt für das Kino Kunstmuseum zuständig. «Uns fehlt ein klares Bekenntnis der Stadt zu unserem Kino», so Erismann, «in Zeiten, da Art-House-Kinosäle in Bern geschlossen werden, ist es umso wichtiger, dass es ein Kino wie das unsere gibt.» Gegenüber dem Verband der Berner Kulturveranstalter (Bekult) liess die Kultursekretärin durchblicken, dass die Höhe der Gesamtsubventionen ab 2012 gleich bleiben soll, also rund 28 Millionen Franken. Offenbar wird das Geld aber umverteilt. Eine Prognose, die die Kulturszene bis Ende Jahr sicher auf Trab halten dürfte. Lucie Machac >

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