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«Wir greifen der Natur unter die Arme»

Aus Sorge um Gewässer und Fische wurde 1885 der Oberländische Fischereiverein Interlaken (OFVI) gegründet. Am 8.August feiert er seinen 125.Geburtstag – und damit auch viele Erfolge im Einsatz für Fische und Fischer.

«Im späten 19.Jahrhundert war der Zustand der Fischbestände desolat», berichtet OFVI-Präsident Hans Meier, der für das Jubiläum tief ins Archiv seines Vereins getaucht ist. Hauptgründe waren der Verlust von Brutplätzen durch das Trockenlegen von Bächen und die Gewässerverschmutzung; zudem wurden Fische oft viel zu jung oder zur Laichzeit gefangen. «So standen der Naturschutz und die Förderung einer nachhaltigen Fischerei von Anfang an klar im Vordergrund für die gut 30 Vereinsgründer um den ersten Präsidenten, den damaligen Regierungsstatthalter Ritschard.» Politik immer ein Thema Seine Ziele verfolgte der Verein mit Information und mit Jungfischerkursen, bei deren Organisation er die Fischereipachtvereinigung bis heute unterstützt. Regelmässig stand auch der politische Einsatz für saubere Gewässer auf der Traktandenliste. Deutliche Worte für den «grossen Übelstand im Unterlauf der Aare», wo Kanalisation und Spitalabwasser in den Fluss mündeten, fand etwa der Jahresbericht von 1920: «Bei kleinem Wasserstand fliesst hier die schönste Jauche dem See zu. Abhilfe wäre höchst notwendig, wozu die Gemeinden schon von Gesetzes wegen verpflichtet wären.» Die ARA Interlaken sei denn auch schon 1975 in Betrieb genommen worden, bemerkt Hans Meier trocken. Im Zentrum stand für den OFVI aber von der Gründung bis heute die Aufzucht von Fischen. Geschützte Kinderstuben Seine heutige Aufzuchtanlage in der Neuen Matte auf Burgerland ob Wilderswil konnte der OFVI 1964 bauen, nachdem sie zuvor der Reihe nach im Rugenkeller, in der Fliesau und in der Goldey untergebracht gewesen war. In einem Bruthaus, vier Teichen und zwei naturnahen Gräben wachsen heute Forellen und Saiblinge heran. «Bach- und Seeforellen ziehen wir nach Vorgaben des Kantons auf», sagt Anlagenwart Vjeko Schafran. Die Eier dieser beiden Arten stammen aus dem Laichfischfang, den die Interlakner Fischer und ihre Kollegen im Oberhasli jeden Winter in Lütschine und Hasliaare durchführen, und die jungen Fische werden auch wieder in ihren Herkunftsgewässern ausgesetzt. «Wir greifen nur der Natur etwas unter die Arme», erklärt Schafran. «In freier Wildbahn werden etwa aus 3 Prozent aller Eier ausgewachsene Fische. Der Ertrag unserer Anlage liegt zwischen 70 und 90 Prozent. Die kleinen Fische werden in verschiedenen Altersstadien in Gewässer eingesetzt. Erfahrungsgemäss erreichen etwa 30 Prozent dieser Fische das Erwachsenenalter.» 1500 Stunden Arbeit Nach Vorgaben des Naturschutzinspektorates bewirtschaften und pflegen die Fischer auch den Lütscherenteich West samt Umgebung. Und ausschliesslich für die Fischerei werden in der Neuen Matte mit eigenen Muttertieren Bach- und Kanadische Seesaiblinge sowie Regenbogenforellen für den Besatz der Bergseen Suls und Sägistal gezüchtet. Für sämtliche Unterhaltsarbeiten und besonders für die Neue Matte, wo täglich alle Teiche und Tröge geputzt und die Fische gefüttert werden, leisten OFVI-Mitglieder und befreundete Freiwillige rund 1500 Stunden Fronarbeit pro Jahr. «Gar nicht aufgeschrieben werden Büro- und Vorstandsarbeiten», sagt Hans Meier. Zwei Seen gepachtet Für ihren Einsatz will der Verein den Mitgliedern aber auch etwas bieten. Deshalb hat er schon seit der Gründung den Sägistal- und später auch den Sulssee gepachtet. Und im Sulssee darf nur fischen, wer Fronarbeit geleistet hat – die Patente sind nicht käuflich. Die Entwicklung des Oberländischen Fischereivereins ist eine Erfolgsgeschichte: Nicht nur der Verein ist gewachsen (auf zeitweise 400 Mitglieder) sondern ab 1890 entstanden zwischen Thun und Brienz auch zahlreiche weitere Fischereivereine – weshalb der OVF heute zur Präzisierung «Interlaken» (OVFI) heisst. Vereinsintern sorgt sich Hans Meier vor allem um den Nachwuchs. Derzeit gibt es im OVFI nur 5 Jungfischer (unter 16 Jahren). «Bei 235 Mitgliedern jammern wir allerdings auf hohem Niveau», meint Meier. Und er hat keine Angst, dass sich die Leute künftig nicht mehr um lebendiges Wasser kümmern oder dass ihnen Freude am Fischen und an Kameradschaft im Verein vergeht. Wenn Fischer erzählen Was nützt schliesslich das Fischen, wenn man nicht davon erzählen kann – wie etwa an jener Vorstandssitzung vom 28. Oktober 1920, deren Protokoll einen ganz speziellen Dialekt des Fischerlateins dokumentiert: «Müller hat 5 Forellen gefangen, 4 männliche und 2 Weibchen.» Sibylle Hunziker >

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