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Wo das Toggeli sein Unwesen treibt

Unheimlich und unfassbar: Hans Herrmann hat «Spukgeschichten aus dem Emmental» gesammelt. Hier ein Auszug aus dem Kapitel «Vom Toggeli»

Haifisch oder morsches Holz? Ein Naturphänomen bei den Burgdorfer Gysnauflühen.
Haifisch oder morsches Holz? Ein Naturphänomen bei den Burgdorfer Gysnauflühen.
Hans Wüthrich

«Eigentlich harmlos»

Ob sie mir sagen könne, was es mit dem Toggeli, jenem geheimnisvollen und oft erwähnten Koboldwesen, eigentlich auf sich habe, frage ich eine 75-jährige Truberin.

«Ich selber habe auch nur davon gehört», antwortet sie. «Es hockt sich schlafenden Kindern auf die Brust. Sie kriegen davon gerötete Stellen. Es sucht angeblich auch die Rosse auf und macht ihnen Knoten in die Mähnen. Alles in allem ist das Toggeli harmlos.»

Tritte auf dem Duvet

«Neben der Gärtnerei stand früher ein verlottertes Haus, mehr Flickwerk als wirklich ein Haus», sagt eine ältere Frau aus Rubigen. «Darin wohnte seinerzeit eine Familie mit elf Kindern. Die Familienmutter wurde häufig vom Toggeli heimgesucht. Es fing stets damit an, dass die Frau mitten in der Nacht erwachte, weil ihr Duvet schwer geworden war. Dann spürte sie auf dem Duvet die Tritte eines unsichtbaren Etwas, das sich von ihrem Bauch hinauf zum Hals bewegte. Schliesslich legte sich das Wesen auf ihrem Hals nieder und behinderte sie beim Atmen. Um es loszuwerden, stand die Frau jeweils auf und öffnete die Tür einen Spalt breit. Das nützte immer. Das Wesen schlüpfte, so schmal die Öffnung auch war, aus dem Zimmer.»

«Mit glühenden Augen starrte es mich an»

«Manche haben Fieber, andere haben Rheuma, und wiederum andere haben das Toggeli; das Toggeli ist eigentlich auch so etwas wie eine Krankheit», erklärt ein alter Eggiwiler Bauer. «Als ich noch zur Schule ging, hatte ich das Toggeli hin und wieder. Es kommt, wenn man nachts im Bett liegt. Man erwacht und erwacht doch nicht. Kein Glied kann man rühren. Dann schleicht sich eine schwarze Katze ins Zimmer, springt dem Wachschläfer auf die Brust, starrt ihm mit grossen, feurigen Augen ins Gesicht und drückt ihm fast den Atem ab. Auch mein Grossvater wurde zuweilen von diesem Kobold heimgesucht. Er hat dabei geschrien, manchmal aber auch wild gelacht. Das Toggeli äussert sich halt auf verschiedene Arten.»

Wen säugten die Säue?

Auch der Truber C.H. weiss vom Toggeli zu berichten. Er selber glaube zwar nicht an dessen Existenz, hält er fest. Er habe aber als Jüngling mit seinem Vater darüber diskutiert und zudem gehört, was sich andere Leute darüber erzählten. «Das Toggeli setzt sich einem nachts auf die Brust und verursacht Atemnot, so wird es jedenfalls behauptet», sagt der alte Mann. «Es sucht einen dann heim, wenn man mit einer Person, die hexen kann, Streit hat. Die zauberkundige Person ruft den Kobold herbei, um damit ihren Gegner zu piesacken. Das Toggeli soll auch im Spiel sein, wenn Säue, die gar nicht geworfen haben, sich dennoch wie säugende Muttertiere gebärden. Man bekommt in solchen Fällen jeweils den Eindruck, als säugten sie ein unsichtbares Wesen. Unter anderem nehmen diese Säue – zum Schaden des Besitzers – an Gewicht nicht zu. Ein in die Stalltür gestecktes Messer bannt angeblich solchen Zauber. Im Kampf gegen das Toggeli und anderen Spuk wurden früher oft auch Kapuzinermönche auf den Plan gerufen. Sie trugen einen Strick um die Hüften. Wissen Sie, was man sich im Volk über diesen Strick sagte? Es hiess, die Mönche trügen ihn, damit die oberen und die unteren Gedanken nicht zusammenkämen.»

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