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Wohltäter mit Topf und Kelle

SchwarzhäusernSeit 40 Jahren bekocht Hans Ruedi Leuthold am Heiligabend

Im Anbau seines Hauses, zwischen Kochplatten und Bundesordnern voller Menükarten, offenbart sich das kleine Reich von Hans Ruedi Leuthold. Fotos erinnern an die Anfänge der 1978 gegründeten Aarwanger Schlosschuchi, die der Schwarzhäuser seit 25 Jahren als einzig verbliebenes der einst 16 Gründungsmitglieder präsidiert. Andere Bilder dokumentieren die Geschichte des Schwarzhäuser Mittagstischs, den Leuthold, damals noch Gemeinderat im 500-Seelen-Dorf, vor 12 Jahren ins Leben gerufen hat und bis heute bewirtet. Das Kochen, sagt er, sei halt schon immer seine Leidenschaft gewesen. Der Lehrer hatte sich geirrt Als Schulbub schon hatte er mit seinen fünf Geschwistern die kranke Mutter bekocht. Von einer Ausbildung zum Koch hatte ihm der Lehrer damals abgeraten. Er sei zu schwach, werde keine schweren Töpfe tragen können. Ein Irrtum, wie sich später herausstellte: Heute, mit 69 Jahren, schleppt Leuthold noch immer Kochtöpfe umher. Zwar hatte er den Rat des Lehrers befolgt und sich zum Posthalter ausbilden lassen – 37 Jahre lang war er in dieser Funktion in Schwarzhäusern tätig. Doch auch das Kochen hat er nie aufgegeben: Als Gastkoch an Familienfeiern und Festen, als Gassenkoch des Langenthaler Vereins Gassechuchi oder als Lagerkoch für Schulen und Vereine. Überall hat der Hobbykoch schon die Kellen geschwungen – und das meist ehrenamtlich. So auch am Heiligabend, an dem er heuer bereits zum 40.Mal für alleinstehende Menschen kocht. Ein Erfolg von Anfang an Angefangen hatte alles 1972. Der Wirt des damaligen Restaurants Grossweier in Schwarzhäusern war verunfallt und fragte Leuthold an, ob er ihm etwas helfen könnte. Bald war die Idee einer Weihnachtsfeier geboren: Eine Feier für Menschen, die sonst niemanden haben, sollte es sein. Und kostenlos für die Gäste – wie so oft, wenn Leuthold am Herd steht. «Eine solche Feier war damals doch etwas Aussergewöhnliches», erinnert er sich. «Aber schon beim ersten Mal sind 30 bis 40 Leute gekommen.» Drei Jahrzehnte wurde im Grossweier daraufhin noch Weihnachten gefeiert, anfangs mit Hilfe von Leuten aus dem Dorf, bald dann mit den Hobbyköchen der Schlosschuchi. Nach der Schliessung des Dorfrestaurants fanden die Köche im Restaurant zum Wilden Mann in Aarwangen ein neues Lokal für ihre Weihnachtsfeier. Mit einem jährlichen Spaghettiplausch und neu auch einem Käseschnittenverkauf kann diese bis heute finanziert werden. Zwischen 60 und 100 Personen lassen sich inzwischen am Heiligabend von den sechs aktuellen Hobbyköchen mit einem Viergangmenü verwöhnen. Unter ihnen Bewohner des Pflegeheims in Wiedlisbach, Gassenleute und Singles, aber auch Familien, «die ihren Kindern zeigen wollen, wie man sonst noch Weihnachten feiern kann», erzählt Leuthold und strahlt. Ob Mittagstisch oder Weihnachtsfest – was der Hobbykoch bisher angepackt hat, ist ihm gelungen. Nie habe er in all den Jahren am gleichen Anlass zweimal dasselbe aufgetischt, betont er. Und stets war sein Lohn die Freude, die er den Leuten bereiten konnte. Von Aufhören keine Rede «Natürlich werde ich manchmal gefragt, wieso ich das alles tue», sagt Leuthold. Dann sage er jeweils: «Ich habe einen roten Pass und eine weisse Hautfarbe – und dafür kann ich nichts.» Er habe ein gutes Leben gehabt, zwei gesunde Kinder gross werden sehen dürfen – nicht jeder habe solche Privilegien. Für Leuthold ist daher klar: Er wird für die Menschen kochen, solange er kann. Zwar wäre er nicht traurig, wenn er das Präsidium der Aarwanger Schlosschuchi allmählich in jüngere Hände übergeben dürfte. Die Kochkelle indessen, die gibt er so schnell nicht aus der Hand. Zu schön sei es, wenn ihn hin und wieder jemand auf ein Menü anspreche, das er vor Jahren gekocht habe. Und zu sehr mache ihm das Kochen nach wie vor Spass. Ob am Schwarzhäuser Mittagstisch, bei den Gassenleuten in Langenthal oder an der Weihnachtsfeier im Wilden Mann. Kathrin Holzer>

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