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YB ohne Frust ist fast wie Bern ohne Aare

fussballDie Young Boys hinken mal wieder den Erwartungen hinterher. Die 0:1-Niederlage im Spitzenkampf in Basel offenbarte das grösste Problem der Berner – sie sind in der Offensive zu harmlos.

Christian Gross hat YB besser gemacht. Das verrät der Blick auf die Tabelle. Im Vergleich zum Vorjahr haben die Young Boys, erneut im enttäuschenden vierten Rang klassiert, nach 16 Spieltagen einen Punkt mehr, sie haben zwei Tore mehr geschossen und sechs weniger erhalten. Christian Gross hat YB nicht besser gemacht. Das verrät der Blick auf den Rasen. Der ambitionierte Berner Fussballverein hat nicht einmal die Hälfte aller Ligapartien in dieser Saison gewonnen, er hat aber fast jede dritte Begegnung verloren – und grösstenteils sehr unterhaltungsarme Vorträge angeboten. Spielfreude gibts bei YB selten zu sehen. Man kann die Ausgangslage bei den Young Boys zynisch oder nüchtern betrachten, eines aber lässt sich nicht wegdiskutieren: Nach der 0:1-Niederlage im Spitzenkampf in Basel am Samstagabend beträgt der Rückstand auf den Rivalen FCB schon neun Punkte. «Eventuell» sei dieses Handicap aufzuholen, sagte ein enttäuschter und ernüchterter Gross nach der Niederlage. «Aber nur, wenn alles optimal läuft.» Kein Glück, keine Klasse Die Young Boys hinken auch in dieser Saison den Erwartungen weit hinterher. Es hätte, und das ist die schönfärberische Sicht, zumindest resultatmässig auch anders kommen können. Wie bei den Gastspielen zuletzt in Neuenburg gegen Xamax (0:0) und in Genf gegen Servette (0:1) wurde den Bernern auch in Basel ein Treffer wegen Abseits aberkannt – Alain Nef hatte einen Freistoss Alexander Farneruds beim Stand von 0:0 ins Tor befördert. «Das ist bitter, selbst wenn es diesmal wohl tatsächlich um wenige Zentimeter Offside war», sagte Gross. Das Glück fehlt YB derzeit, und gepaart mit fehlender Klasse im Sturm ergibt das eine fatale Mischung. Null Tore aus den drei letzten Partien in der Fremde sind eine katastrophale Bilanz. Titelgewinne aber sind der Anspruch des Vereins, sie sind die Erwartungen an Christian Gross, sie sind die Hoffnungen der Fangemeinde. Vermutlich ist das ein komplett unrealistisches Denken, denn gerade in der Offensive ist das Berner Kader deutlich schwächer (und preiswerter) besetzt als jenes des FC Basel. Das war auch am Samstag im Direktduell wieder offensichtlich. Mit vertauschten Stürmern hätte die Partie möglicherweise einen anderen Sieger gesehen. Defensiv zumindest wirken die Young Boys sehr solid, aber man hat ja von Ergebnistrainer Christian Gross erwarten dürfen, dass er die Verteidigung stabilisiert. Erschreckend jedoch war in Basel wieder die Harmlosigkeit im Abschluss. Und so blieb Gross am Samstag – wie zuletzt oft – nach miserabler zweiter Halbzeit nur wieder die Forderung nach mehr «Zielstrebigkeit» und «Entschlossenheit» auf den «letzten 20, 30 Metern». Und wo war das Aufbäumen nach der Pause? Kulturveränderung Rund um YB herrscht nun wie so oft Unruhe, der Trainer wird in weiten Teilen des Anhangs infrage gestellt, die Stimmung im Team könnte besser sein, es gibt unzufriedene Reservisten und unglückliche Leistungsträger. Christian Gross ist unter Druck. Aber glaubt man den Worten seines Chefs, ist es «völlig unerheblich», ob YB drei, sieben, zwölf oder eben neun Punkte hinter Basel liege. «Wir waren im Sommer alle zu euphorisch», sagt CEO Ilja Kaenzig. Das Modewort bei den Young Boys heisst nun «Kulturveränderung», und es dauere halt länger, sagt Kaenzig, bis diese umgesetzt sei. «Der Trainer erhält alle Zeit, die er braucht», sagt Kaenzig. «Die Aktionäre und alle Leute bei YB stehen hinter Christian Gross.» Das ist bestimmt übertrieben, aber ein erneuter Trainerwechsel kann in der Tat kaum des Problems Lösung sein. «Ich würde mich schämen, wenn ich einem derart erfolgreichen und anerkannten Coach wie Gross, der neunmal Trainer des Jahres in der Schweiz wurde, ein Ultimatum stellen würde», sagt Kaenzig, als er gefragt wird, was bei einer Niederlage am nächsten Sonntag im Cupachtelfinal beim Challenge-League-Klub Winterthur passiere. «Wir streben weiter Schritt für Schritt die Kulturveränderung an», erklärt Kaenzig. Vorerst aber stecken die Young Boys mal wieder in einer tiefen Identitätskrise. Daran hat man sich beinahe schon gewöhnt. Um es mit den Worten der neuesten YB-Imagekampagne auszudrücken: YB ohne Frust ist fast wie Bern ohne Aare. Fabian RuchMehr zu YB Seite 20+22>

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