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Zu Sexleistungen gezwungen - Bordellbetreiberin verurteilt

Von Selbstbestimmung war keine Rede: Zwei Lettinnen mussten in einem Solothurner Sex-Club nach den Anweisungen der Betreiberin arbeiten, wurden der Freiheit beraubt und flüchteten schliesslich. Nun wurden die Verantwortlichen verurteilt.

Boten die beiden Prostituierten ihre Sex-Leistungen völlig freiwillig und legal an? Oder arbeiteten sie illegal und wurde Druck auf sie ausgeübt? Das war die zentrale Frage, mit der sich Amtsgerichtspräsident Frank-Urs Müller gestern befassen musste. Angeklagt war eine Sex-Club-Betreiberin und ihre Kollegin. Ihnen wurde vorgeworfen, die Lage von zwei jungen Frauen aus Lettland ausgenutzt und sie auch eingesperrt zu haben.Die Polizei wurde von einem Bordellkunden auf den Fall aufmerksam gemacht, nachdem die beiden Frauen sich am 7. Februar 2003 mit zusammengeknüpften Leintüchern aus dem Fenster der Clubwohnung abgeseilt hatten. Eine der Frauen brach sich dabei das Bein.In Wohnung eingeschlossenStaatsanwalt Claudio Ravicini sah es als erwiesen an, dass die Lettinnen nicht völlig freiwillig verschiedenste Sexleistungen anboten und dafür auch gut bezahlt wurden. Die Frauen seien vermittelt und von Geschäftsführerin Dorina* in Deutschland abgeholt worden. In Solothurn sei ihnen klar geworden, dass sie keinen Lohn für ihre Arbeit erhalten würden. Die Männer hätten zwar für den Sex bezahlt, doch das Geld sei von Dorina einkassiert worden. Zuerst müssten die Vermittlungsgebühr sowie Reise- und Versicherungskosten abgearbeitet werden, sei den beiden beschieden worden. «Die Frauen durften das Haus nur in Begleitung verlassen und wurden zum Teil in der Clubwohnung eingeschlossen», sagte der Staatsanwalt, gestützt auf die Einvernahmeprotokolle. Gestern war eine der beiden Lettinnen vor Gericht als Auskunftsperson anwesend. Doch Auskunft zu geben vermochte sie nicht wirklich. Sie bestätigte einzig, dass sie keinen Lohn erhalten habe und aus Deutschland eingereist sei. Bei weiteren Fragen verliess sie ihr Erinnerungsvermögen. Sie sei jedoch gut behandelt worden, sagte sie. Ganz anders schilderte die Bordellbetreiberin die Geschehnisse. Sie beteuerte, dass sie die Frauen nicht in Deutschland abgeholt habe und dass die Dirnen ihr Geld immer erhalten hätten. Auch hätten sie jederzeit einen Freier ablehnen und das Bordell verlassen können. Die Frauen hätten ihr jedoch eine Kasse gestohlen und sich aus diesem Grunde abgeseilt.Bedingte FreiheitsstrafenDer Richter befand die Aussagen der Angeschuldigten für wenig glaubhaft. Er erachtete es als erwiesen, dass die beiden Frauen zumindest am 6. bis 7. Februar 2003 ihrer Freiheit beraubt wurden, die Club-Betreiberin die Frauen trotz fehlender Arbeitsbewilligung einsetzte und mit ihnen Geld machte. «Dieses Verschulden ist happig, und von Selbstbestimmung kann keine Rede sein», erklärte er bei der Urteilsverkündung. Die Bordellbetreiberin wurde zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten bedingt, mit einer Probezeit von zwei Jahren, verurteilt. Sie muss eine Busse von 2500 Franken bezahlen. Ihre nicht zur Verhandlung erschienene Kollegin erhielt einen bedingten Freiheitsentzug von acht Monaten mit gleich langer Probezeit. Sie muss eine Busse von 1000 Franken bezahlen.

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