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Zug entgleist, Bäume umgestürzt

wetterDer Sturm Joachim fegte gestern mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 180 Stundenkilometern über die Schweiz und riss alles mit, was nicht niet- und nagelfest war. In Tramelan entgleiste gar ein Zug. Im Oberland blieb der Sturm relativ harmlos.

Bei der Kantonspolizei Bern sind gestern Freitag mehr als 200 Meldungen im Zusammenhang mit dem Unwetter eingegangen, die ersten schon kurz vor 4.30 Uhr. Besonders betroffen war die Region Biel-Berner Jura. Die Regionale Einsatzzentrale musste in Biel sogar zusätzliche Mitarbeiter einsetzen, um sämtliche Anrufe aus der Bevölkerung zu verarbeiten. 50 Meldungen gingen aus der Region Mittelland-Emmental-Oberaargau ein, 20 aus dem Berner Oberland und deren 17 aus der Region Bern. Die meisten betrafen umgestürzte Bäume, Wasserschäden und beschädigte Hausdächer oder vorübergehend gesperrte Strassen. Sowohl Zug- als auch der Individualverkehr wurden beeinträchtigt. So stürzten auf der A1 zwischen Mühleberg und Kerzers Bäume um und behinderten den Verkehr. Zug war korrekt unterwegs In Tramelan entgleiste gegen 6.30 Uhr ein Zug, weil der Sturm einen Baum zu Fall gebracht hatte und dieser auf die Zugkomposition gefallen war. Der Zug war mit korrekter Geschwindigkeit unterwegs. In den Waggons befanden sich zu diesem Zeitpunkt zwölf Passagiere. Zwei von ihnen und der Lokführer wurden leicht verletzt, sie wurden zur Kontrolle ins Spital gebracht. Der Bahnverkehr zwischen Tramelan und Tavannes bleibt für unbestimmte Zeit unterbrochen. In Champoz stürzte gegen 11 Uhr ein Baum auf ein Auto. Der Lenker musste leicht verletzt in ein Spital gefahren werden. Vor allem der Jurabogen ist vom Sturm Joachim voll getroffen worden. Auf dem Chasseral wurden Böen von bis zu 170 Stundenkilometern gemessen. Diese fällten auch anderswo im Berner Jura Bäume, etwa zwischen Moutier und Sonceboz, wo ein Baum auf die SBB-Strecke fiel. Moutier war per Zug auch von Solothurn her nicht mehr erreichbar. Monteure im Stress Viel Stress bedeutete Joachim für die Monteure der BKW. Sie mussten an zahlreichen Orten im Kanton durch Bäume oder Äste beschädigte Leitungen reparieren. Stromausfälle traten vor allem im Berner Jura, im Seeland und im Schwarzenburgerland auf, wie die BKW gegen Abend bekannt gab. In der Region Thun waren Amsoldingen, Uetendorf und Oberdiessbach betroffen. Zeitweise waren bis zu 7000 Kunden der BKW ohne Strom. Bis auf 400 Anschlüsse gelang es der BKW überall, die Versorgung wiederherzustellen. Starker Föhn im Oberland Windböen von bis zu 180 Stundenkilometern wurden auf dem Jungfraujoch gemessen. Zum Vergleich: Der Sturm Lothar wehte am 26.Dezember 1999 mit 249 Stundenkilometern über das Jungfraujoch hinweg. Gestern stellten die Jungfraubahnen den Zugverkehr zwischen Grindelwald und der Kleinen Scheidegg und zwischen Wengen und dem Jungfraujoch vorsorglich ein. Nicht die Winde des Tiefs Joachim bliesen im Jungfraugebiet so heftig, sondern der Föhn. Im westlichen Oberland kam es zu einem Streckenunterbruch zwischen Zweisimmen und Gstaad. Auf der Lötschbergstrecke konnte die BLS wegen starker Schneefälle lediglich einen Notautoverlad betreiben. Die Autozüge fuhren ab Kandersteg nicht bis Goppenstein, sondern bis Brig. Die langen Regenfälle sorgten für enorme Wassermassen im Saanenland. Entsprechend musste die Feuerwehr intervenieren. In Thun blies der Wind gestern Mittag mit knapp 108 Stundenkilometern. Im Gwatt kippte ein Container auf ein parkiertes Auto. Zäune und Baugerüste konnten dem Wind teilweise nicht standhalten. In Seenähe sah man umgeknickte Masten bei Segelbooten. Schulfrei in Guggisberg In der Stadt Bern und den tieferen Lagen der Region blieb der Sturm relativ harmlos. Dennoch beschreiben drei Oberstufenschülerinnen aus Kehrsatz ihren Schulweg als Abenteuer. «Unser nicht einmal 800 Meter langer Heimweg entwickelte sich zu einem wahren Strongman-Run. Der Wind wehte so stark, dass es uns mitgerissen und unsere Regenschirme zerstört hat», meldeten Alisa Veuve, Dejana Lukic, Dragan Radisavljevic. Diese Probleme hatten die Schüler in Guggisberg nicht. Sie erhielten gestern sicherheitshalber schulfrei, was sich als sinnvoll erwies: Ziegel flogen von den Dächern, und Bäume kippten um. In Rüschegg machte man sich auf alles gefasst. «Falls jemand wegen des Unwetters nicht mehr nach Hause kann, können die Leute in der Zivilschutzanlage übernachten», sagte Gemeindeschreiber Markus Oberer. kle/sar/rop/sdaWeiterer Bericht Seite 44 >

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