Lass dich überraschen

Der Spontanreiseanbieter Bbacksoon schickt seine Kunden in die Ferne und verrät erst am Vorabend, wohin es geht. Spontan genug? Ein Erlebnisbericht.

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Trotz grosser Vorfreude steigt die Nervosität langsam an. Wohin es in zwei Tagen wohl gehen wird? Ganz ehrlich gesagt – ich habe keine Ahnung. «Echt jetzt?», wundern sich Freunde und Bekannte, denn in der Regel wissen Reisende, wohin ihr Kurztrip sie führt oder wohin sie in die Ferien fahren. Oder fliegen? Nicht einmal darüber herrscht Sicherheit, genauso wenig wie über die Kleidungsstücke, die ins Gepäck ­gehören. Also verlasse ich mich auf die Anweisungen von Bbacksoon, dem Spontanreiseanbieter, bei welchem ich eine Woche vor Abreise meinen Kurztrip gebucht habe, um einfach mal aus dem Alltag auszubrechen. Und zwar ohne mich um die müh­samen Details kümmern zu ­müssen.

Spontaneität ist angesagt

Die einzige Sicherheit, die ich habe, sind meine Angaben bei der Onlinebuchung: Unter der gewählten Rubrik «Be surprised» – zu Deutsch: «Werde überrascht» – können die Leidenschaften, das Reisedatum und der ungefähre Zielort benannt werden. Schliesslich soll die Überraschungsreise den Nerv des «Ausbrechers», wie Bbacksoon seine Kunden nennt, treffen.

Die Anhaltspunkte, die das Team des Start-ups meinerseits erhält: «Die Schweiz, aber auch das angrenzende Ausland dürfen es sein. Meine Leidenschaften sind Tradition und Brauchtum, Spiritualität, Abenteuer, Wellness, Bewegung, Natur und vegetarisches Essen.» Nicht zu vergessen das Datum des Kurztrips – denn so spontan bin ich dann nun auch wieder nicht. Kostenpunkt für zwei Nächte inklusive Frühstück: 413 Schweizer Franken. Wem dies zu teuer ist: Unter der Rubrik «Be broke» (Sei pleite) gibt es Angebote für Reisende mit kleinem Geldbeutel.

Das Ausbrechen beginnt

Zwölf Stunden vor Abreise hat die Spannung ihren Höhepunkt erreicht: Nach einer SMS, mit der Bitte, diese zu bestätigen, schiessen die Reiseunterlagen in den Maileingang. «Dein Ausbrechen beginnt! Wohin die Reise geht? Im angehängten Dokument findest du die Reiseunterlagen», heisst es.

Eine Nacht später sitze ich im Zug in Richtung Sitten. Der Hauptort des Kantons Wallis ist atemberaubend und mit seinen in den Himmel ragenden Türmen der Schlösser Tourbillon und Valeria unverkennbar. Diese lassen sich gut zu Fuss erreichen und bieten einen tollen Ausblick auf die Stadt, wie der Rundgang auf eigene Faust zeigt. Charmant zeigen sich auch die zahlreichen Denkmäler der Altstadt. Doch damit nicht genug: Sitten liegt in einem der wichtigsten Weingebiete der Schweiz, was so richtig deutlich wird, als es mit dem Bus zum Ziel dieser Reise geht: zum einzigen Hotel in ganz Europa, das aus Strohballen gebaut ist.

Durch Rebberge zum Ziel

Während der Bus die enge Strasse zum Dörfchen Nax bezwingt, leuchten die Weinberge von allen Seiten wie bares Gold in der Sonne. Rot, grün, gelb und orange – auch die Laub- und Nadelwälder des Val d’Hérens zeigen sich im Herbst von ihrer schönsten Seite. Nach einer 30-minütigen Fahrt stoppt der Bus im 500-Seelen-Dorf. Eingebettet zwischen Wiesen und Feldern wird das Maya Boutique Hotel auf dem Hochplateau, dem «Balkon des Wallis», ersichtlich. Auf Holzschnitzeln geht es in Richtung Réception. Dort begrüsst Lisa Papadopoulos ihre Gäste – ihr Mann Louis ist mit einem Genfer Filmteam, das gerade einen Werbespot dreht, unterwegs. Er wird später das ausgeklügelte Bauprojekt und Hotelkonzept erklären, mit welchem das Ehepaar schon diverse internationale Preise gewonnen hat. Laut Papadopoulos werden 80 Prozent der benötigten Energie mithilfe von Solarröhren und der Restwärme eines Holzofens produziert.

Durch das Glas im Innenraum des Restaurants werden endlich die Strohballen ersichtlich. Wegen der Fassade aus Kalkputz ist dem Hotel von aussen nicht anzusehen, dass es komplett aus Viehfutter gebaut ist. Lisa erklärt, wo was ist, und übergibt den Schlüssel für eines der sieben Zimmer. Arve, Walnuss, Birne, Esche – ein Schreiner aus der Region hat jedes Zimmer mit einer anderen Holzart ausgestattet. Die rustikalen Möbel im liebevoll eingerichteten Eichenzimmer riechen wunderbar und bieten ein hei­meliges Ambiente. Die Trennwände der Balkone bestehen aus Treibholz. Nach einem Abendessen mit Louis Papadopoulos und dem Genfer Filmteam im Restaurant Le Trappeur in Mase geht der erste ereignisreiche Tag zu Ende.

Relaxen in der Fass-Sauna

Am nächsten Morgen dann die nächste Überraschung: Um richtig entspannen zu können, steht ein Spa-Package auf dem Programm. Nebst einer Relax-Massage im Strohballenzimmer darf ich zwei Stunden lang ganz allein die skandinavische Fass-Sauna sowie den Hottub – alles mit Holz beheizt – benützen. Zuerst geht es jedoch vorbei an einer alten Mühle auf einen der zahlreichen Wanderwege. Nax ist ein Paradies für Bergfreunde und Liebhaber von Traditionen. Wer nicht un­bedingt die Wanderschuhe an­ziehen will, kann sich mit Pfeil­bogenschiessen und Swing-Golf beschäftigen. Zu tun gibt es genug, auch im Winter.

Fazit nach dem dreitägigen Kurztrip: Das Ausbrechen hat sich für mich gelohnt. Bbacksoon hat mit der Destination und den Aktivitäten den Nagel auf den Kopf getroffen – und liegt mit seinem Slogan nicht falsch: Die besten Momente im Leben lassen sich einfach nicht planen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.11.2017, 10:32 Uhr

Über Bbacksoon

Der Spontanreiseanbieter Bback­soon eröffnete im Frühjahr 2016 seine Türen in Niederteufen AR. Gründer des Start-ups ist der St. Galler Roland Laux. Er beschäftigt derzeit vier Mitarbeitende. Unter dem Motto «Die besten Momente lassen sich nicht planen» organisiert Bback­soon Reisen von A bis Z, verrät dabei jedoch erst am Vorabend per SMS, wohin es geht. Wie kam der 50-jährige Laux, der viele Jahre in der Lebensmittelbranche tätig war, überhaupt auf die Idee, sich in der Reisebranche zu versuchen? Initialzündung war ein Treffen mit seinem Freund Rolf Busch Ende 2014. Die beiden überlegten sich, wie es wäre, spontan aus dem Hamsterrad auszubrechen, und entschlossen sich zum Selbstversuch. Im März 2015 spuckte ihre programmierte App den Zeitpunkt für ihr «Ausbrechen» aus. Sie verliessen spontan ein Meeting und sassen wenig später an der Rambla in Barcelona. Somit war die Idee geboren. Bbacksoon baut sein Angebot laufend aus: Seit September 2016 sind Buchungen auch aus Deutschland und Österreich möglich. Neu ist Bback­soon@work, ein Angebot für Unternehmen respektive Führungskräfte und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Ausbrechen aus der beruflichen Routine. Erst kürzlich schlug sich Bbacksoon gegen 160 Konkurrenten durch und schaffte es ins Finale der TV-Sendung «Kampf der Ideen – die Start-up-Challenge» (Sat 1 und Pro 7).

Infos: www.bbacksoon.ch.

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