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Schweiz am anderen Ende der Alpen

Alles da: Berge, Wasser, Wald und vielfältiger Tourismus. Fast wie in der Schweiz. Fast heisst: Die Gipfel sind in Slowenien weniger hoch. Die Preise auch.

Wasser: Ein Teil der Altstadt von Ljubljana liegt auf einer Insel, die man mit Touristenbooten umrunden kann.
Wasser: Ein Teil der Altstadt von Ljubljana liegt auf einer Insel, die man mit Touristenbooten umrunden kann.
Fotolia
Gastronomie: Das Hotel Grad Otocec liegt in einem Schloss.
Gastronomie: Das Hotel Grad Otocec liegt in einem Schloss.
Miran Kambic / zvg
Wein. Rebberge im Grenzgebiet zu Kroatien.
Wein. Rebberge im Grenzgebiet zu Kroatien.
Peter Steiger
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«Slowenien ist nicht Balkan», sagt Reiseleiterin Tatjana Krulc. Und erklärt, was das Land am östlichen Rand der Alpen wirklich ist. Bio und öko. Stolz erwähnt sie, dass die EU Ljubljana zur Grünen Hauptstadt Europas 2016 ernannt hat. Die Metropole mit 290 000 Einwohnern bemüht sich nicht nur ums Heute und ums Morgen, sondern auch um die Vergangenheit.

Bis 1918 gehörte Slowenien zu Österreich-Ungarn. Dies hat in der Hauptstadt viele sorgsam gepflegte architektonische Zeugen hinterlassen, prächtige Brücken und Jugendstilbauten etwa. Und: Sissi war hier. Das erfahren wir auf einer Bootstour auf dem Fluss Ljubljanica durch die Altstadt.

Braver Pöstler im Sündenpfuhl

Slowenien hat zwei Millionen Einwohner und ist halb so gross wie die Schweiz. Den Tourismus förderte das Land schon früher als Teil von Jugoslawien. Ferien im damaligen Ostblock waren allerdings nicht selbstverständlich. Mein Vater wagte es in den 60er-Jahren, seine Familie dorthin zu lotsen.

Das war politisch wie logistisch mutig. Nach der strapaziösen Bahnfahrt hatten wir vor der Weiterreise einen langen Halt in Ljubljana. Vater wollte uns ruhige Stunden in einem, nun ja, Stundenhotel gönnen. Erst vor dem Etablissement wurde dem braven Schweizer Pöstler klar, dass dies hier keine eigentliche Familienherberge war.

Rotlichtmilieus gibts vielerorts. Speziell in Ljubljana ist hingegen die «Odprta kuhna», touristenfreundlich als Open Kitchen angeschrieben. Von März bis Oktober trifft sich die Bevölkerung jeden Freitag zu einem Street-Food-Festival. An dreissig bis vierzig Ständen verkaufen Outdoorküchen Heimisches und Internationales. Die Hauptstadt hat alles, was man von einer Me­tropole erwartet und erdulden muss, auch Lärm bis zum Morgen.

Ein ebenso volles, allerdings ruhiges Programm bietet Slowenien abseits der Zentren: Wald, Natur, idyllische Orte. Unsere Reise führt uns in die Region Dolenjska. In der Nähe des Hauptorts Novo Mesto liegt Kostanje­vica na Krki. Die 750 Einwohner leben auf einer Insel, die wir gemeinsam im grossen Paddelboot umrunden.

Wein und Gäste mit Abgang

Die Arbeit auf der Freiwilligen­galeere macht durstig und be­reitet auf die Weinprobe in einem Rebenhäuschen in den Hügeln nahe der kroatischen Grenze vor. Viele der putzigen Steinbauten sind Wochenenddomizile der Städter. Einer davon ist unser Gastgeber. Er kredenzt erst leichten Weissen und dann den schweren Roten. Sowohl der Wein wie auch die Besucher haben einen bemerkenswerten Abgang.

Essen und Trinken ist für die Slowenen wichtig. Und die Familie. Beides vereint bei unserem Besuch in einem Mittelklasse­restaurant eine Taufgesellschaft mit rund vierzig Erwachsenen und vielen Kindern. Die Feiernden beginnen mit einer Kürbiscremesuppe, geniessen dann gratinierte Canneloni und später sautiertes Rindfleisch mit Kren (Meerrettich). Zum Schluss gibts Strudel und einen Blaubeerschnaps.

Kulinarisch bietet das Land ein rundes Sortiment: Nahe der Mittelmeerküste speist man mediterran, in den Bergen alpenländisch, gegen Osten spielt Ungarn eine Rolle. Eher noch als der gängige Gourmetmodus (grosse Teller, kleine Portionen) lohnt sich die gehobene Mittelklasse. Anders als in der teuren Schweiz speist man billig: Ein gepflegter Dreigänger kostet rund 20 Franken.

Höhepunkte in der Unterwelt

Günstiger als bei uns sind auch die Unterkünfte. Das Schloss­hotel Grad Otocec fiel uns durch das stilvolle Interieur und die eindrückliche Lage auf einer Flussinsel nordöstlich von Novo Mesto auf – und durch die für ein Luxushaus massvollen Preise: Übernachten im Doppelzimmer kostet mit Frühstück 250 bis 300 Franken. Auch wer be­scheidener logiert, freut sich über Rechnungen, die etwa um ein Drittel günstiger ausfallen als bei uns.

Die Touristiker rühmen die Heilquellen, Thermalbäder und Spa-Angebote. Auch hier geniesst man entspannt die Preise. Wir planschten im Wellnesscenter Balnea in Dolenjske Toplice, südwestlich von Novo Mesto. Fürs Thermalbad bezahlen Erwachsene 10, für eine 50-minütige Ganzkörpermassage 40 Franken.

Mit 33 Franken eher teuer ist der Eintritt in die Höhlen von Postojna. Mit dem Ausflug in die Unterwelt endet unsere viertägige Reise. Zur Besichtigung fahren wir zuerst mit einer Bahn und erleben dann einen einstündigen geführten Rundgang. Die Grotten sind seit mehr als 150 Jahren touristisch erschlossen. Und ja, Sissi war auch hier. Wir erschauern allerdings nicht wegen ihr, sondern weil die Kavernen und Tropfsteingebilde ein grosses Erlebnis sind. Die Reisewurde unterstützt durch das Slovenian Tourist Board.

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