Zum Hauptinhalt springen

Berndeutsch für Fortgeschrittene 10«Schueu»

Unsere Kolumnistin merkt, dass sie gewisse Wörter im Berndeutschen kaum aussprechen kann, ohne sich den Mund auszurenken.

Berndeutsch lernen – gar nicht so einfach für eine Ostschweizerin!
Berndeutsch lernen – gar nicht so einfach für eine Ostschweizerin!
Logo: Layout Tamedia

Die Berner machen es einem nicht leicht. An unserem jüngsten Berndeutsch-Kursabend haben wir den Konjunktiv durchgenommen. War das ein Seufzen in der Klasse!

Wir haben Formulierungen geübt à la «Wenn i e Sächser im Lotto hätt, gieng i diräkt i ds Reisebüro u liess mer e Wältreis la zämestelle.» Ui, ist das umständlich! Im Thurgauer Dialekt bilden wir Konjunktive wie im Hochdeutschen praktisch durchgehend mit «würde». Das ist viel leichter zu lernen.

Dazu kommen diese schwierig auszusprechenden Vokalhäufungen! Beim Wort «Schueu» beispielsweise. Da kriege ich sofort Muskelkater im Gesicht, wenn ich versuche, das laut zu sagen.

Tja, und da gibt es noch etwas, das allen Nicht-Bernern das Leben erschwert. Ist Ihnen schon mal aufgefallen, wie viele Touristen man auf der Lorrainebrücke sieht, die verzweifelt den Weg zum Bärengraben suchen? Ich mache sie jeweils darauf aufmerksam, dass sie in der falschen Richtung unterwegs sind, weil sie den Stadtplan verkehrt herum halten.

Sie müssen die Karte um 180 Grad drehen. Nur so wird auch für nicht Einheimische leicht nachvollziehbar, wie sie über Spital- und Marktgasse in die Berner Altstadt gelangen. Die Angesprochenen sind jedes Mal sehr dankbar. Stets frage ich mich, wieso man ihnen das im Tourismusbüro denn nicht vorher erklärt hat!

Vielleicht sehe ich es allerdings auch falsch. Vielleicht soll man sich das Dazugehören in Bern verdienen. Und dazu muss man sich eben erst einmal in den Wissensgebieten Grammatik, Phonetik und Geografie als würdig erweisen.

Die Kolumne ist Ende 2018 in dieser Zeitung erschienen. Wir veröffentlichen sie hier zum Nachlesen.