Doppelt so viele Kameras für Meteo Schweiz

Die Kameras des staatlichen Wetterdienstes sind veraltet. Nun rüstet er auf und verdoppelt die Zahl der Standorte.

Die Kameras von Meteo Schweiz liefern bisher Bilder von 35 ausgesuchten Orten der Schweiz – darunter die Grimsel-Passhöhe. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Die Kameras von Meteo Schweiz liefern bisher Bilder von 35 ausgesuchten Orten der Schweiz – darunter die Grimsel-Passhöhe. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Fabian Fellmann@fabian_fellmann

Knapp 7 Grad kalt ist die Sommerluft beim Grimselhospiz auf 2222 Meter über Meer, der Himmel ist grau verhangen, nur ein heller Fleck macht etwas Hoffnung, dass die Sonne sich doch noch zeigen könnte.

Ob das Bergwetter den Erwartungen entspricht, lässt sich schon vor Antritt der langen Anfahrt zum Pass zwischen den Kantonen Bern und Wallis in Erfahrung bringen – mithilfe der 35 Kameras von Meteo Schweiz, dem Wetterdienst der Eidgenossenschaft. Seit 2005 betreibt er ein eigenes Kameranetz. Dieses will Meteo Schweiz nun auf den neusten Stand bringen und ausbauen, wie aus einer öffentlichen Ausschreibung hervorgeht.

Überblick von Passübergängen

An insgesamt 70 Standorten wollen die Wetterforscher des Bundes künftig den Himmel mit Kameras überwachen. Die heutigen 35 Stationen «sind speziell auf die Wetterbeobachtung ausgerichtet und geben Einblick in Geländekammern und Passübergänge, die für den Flugverkehr wesentlich sind», schreibt Meteo Schweiz. Wo die neuen Kameras installiert werden, ist offen. Offenbar ist auch noch nicht definitiv darüber entschieden; die Erweiterung gilt gemäss Ausschreibung als Option ab 2023. Meteo Schweiz teilt mit, aus rechtlichen Gründen keine Auskunft zur laufenden Beschaffung geben zu können. Offen bleibt damit auch, wie viel sich das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie die Erneuerung kosten lässt.

Beschlossen ist aber, dass die bestehenden Standorte ab dem kommenden Jahr mit neuen Kameras ausgerüstet werden, damit bessere und komplettere Bilder vom Schweizer Wetter verfügbar sind. Heute ist zum Beispiel vom Grimselpass eine Panoramasicht abrufbar, auf dem Flüelapass im Kanton Graubünden beschränkt sich das Bild auf zwei Ausschnitte von rund 50 Grad, was nicht einmal das Sichtfeld eines Menschen abdeckt.

Die bisherigen Standorte der Kameras von Meteo Schweiz.

Gern greifen darum die Meteorologen des Bundes in ihrem Blog auf Fotos von privaten Anbietern zurück, weil diese viel bessere Qualität liefern. In Zukunft sollen sämtliche Meteo-Schweiz-Kameras auf einem Schwenkarm Rundumansichten zur Verfügung stellen, durchgehend in HD-Auflösung von 1920 mal 1080 Bildpunkten.

Neu mit Nachtsichtmodus

Statt alle 10 Minuten werden die Kameras künftig idealerweise jede Minute ein neues Bild speichern. Damit sie auch in der Nacht zuverlässigere Informationen an die Zentrale übermitteln, müssen sie überdies über einen Nachtsichtmodus verfügen, der Wolken und Konturen von Gebirge und Gebäuden auch bei Dunkelheit sichtbar macht. Die Bilder stellt Meteo Schweiz nicht nur im Internet zur Verfügung, sie dienen auch für automatisierte Computerauswertungen, in die auch die Daten von 160 automatischen Messstationen einfliessen.

Die neuen Kamerabilder wird Meteo Schweiz überdies für ein neues, kostenpflichtiges Angebot verwenden: Ab heute verkauft der staatliche Wetterdienst in seiner Mobile-App Informationen zum Flugwetter, die sich an Freizeitpilotinnen und -piloten richten.

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