«Ich habe den Eindruck, dass Herr Stoffel ein windiger Investor ist»

Der Churer Investor Remo Stoffel will in Vals den höchsten Turm Europas bauen. Architekturkritiker Benedikt Loderer über Sinn und Unsinn dieses Bauvorhabens.

Noch ist unklar, wie das Design aussieht, diese Variante hat es jedenfalls nicht geschafft: Eine der Visualisierungen des Hochhauses vom norwegischen Studio MIR.

Noch ist unklar, wie das Design aussieht, diese Variante hat es jedenfalls nicht geschafft: Eine der Visualisierungen des Hochhauses vom norwegischen Studio MIR.

(Bild: MIR. Creative Studio)

Robin Schwarz@RobinASchwarz

Was halten Sie vom geplanten Bau in Vals?
Wenig.

Warum?
Ich habe den Eindruck, dass Herr Stoffel ein windiger Investor ist und der Bau nicht kommen wird.

Architekturprofessor Vittorio Lampugnani sagt, Hochhäuser in den Schweizer Alpen seien eine Absurdität. Menschen müssten in alpinem Gebiet nicht auf engstem Raum zusammenwohnen.
Gut, diese Hochhäuser werden ja nicht wegen eines Dichteverlangens gebaut. Es ist eine Frage der Stellung des Hochhauses. Wenn Sie das ins Tal stellen, dann ist das relativ sinnlos.

Herr Lampugnani meint, der Grund für den Bau sei nur «Sensation».
Es ist Marketing. Die Schneegrenze steigt, die Übernachtungen sinken. Unterdessen ist vor allem in Graubünden – aber auch im ganzen Alpenraum – der Kannibalismus ausgebrochen. Jeder probiert mit irgendwelchen Sensationen, dem anderen das Wasser abzugraben. Es ist ein schrumpfender Markt, und alle bauen aus wie die Wilden. Warum sie das tun, weiss niemand. Das sind alles Angsttriebe.

Die Frage ist, ob Aufwand und Ertrag stimmen. Benedikt Loderer, Architekturkritiker

Ist der Bau überhaupt realisierbar? Kritiker sagen, der Ort sei ungünstig und der Grundriss zu schmal.
Sie können einfach davon ausgehen: «Dem Ingenieur ist nichts zu schwör». Es ist ganz klar, dass das bautechnisch machbar ist. Die Frage ist, ob Aufwand und Ertrag überhaupt stimmen.

Glauben Sie, dass das in Vals der Fall ist?
Wissen Sie, wenn ich mir vorstelle, wer da dahintersteckt, dann glaube ich es nicht.

Das Valser Stimmvolk wird sich an der Urne entscheiden müssen. Wenn es nach Ihnen ginge – wie soll das Volk abstimmen und warum?
Wenn Sie den Valsern etwas versprechen, dann stimmen sie Ja, weil sie das Gefühl haben, sie seien arme Kerle: «Ja, wir müssen auch etwas haben, wir haben auch etwas zugute.» Ob diese Versprechen eingehalten werden, das wollen wir dann sehen. Wo ist denn jetzt eigentlich diese Sporthalle, die Remo Stoffel ihnen versprochen hat? Wenn ich in Vals stimmberechtigt wäre, würde ich sicher Nein stimmen.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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