IKRK-Mitarbeiter leben so gefährlich wie lange nicht mehr

Geiselnahmen, Mordanschläge, Drohungen: Die Rot-Kreuz-Mitarbeiter sind mit den schwersten Sicherheitsproblemen seit zehn Jahren konfrontiert, wie der Jahresbericht zeigt.

Besorgt: IKRK-Präsident Peter Maurer

Besorgt: IKRK-Präsident Peter Maurer

(Bild: Reuters Denis Balibouse)

In Syrien und etlichen anderen Konfliktgebieten leiden Zivilisten unter immer brutaleren Kampfmethoden. Rebellen wie Regierungssoldaten würden selbst Spitäler, Schulen oder religiöse Einrichtungen skrupellos für militärische Zwecke missbrauchen, beklagte der Präsident des IKRK, Peter Maurer, am Donnerstag in Genf. Zudem wird der Einsatz für humanitäre Helfer in Krisengebieten durch Geiselnahmen und Mordanschläge immer riskanter – 2012 waren sie so bedroht wie seit vielen Jahren nicht mehr.

Maurer forderte bei der Vorstellung des IKRK-Jahresberichts für 2012 Respekt für das humanitäre Völkerrecht, das unter anderem verlangt, medizinische und andere zivile Einrichtungen bei bewaffneten Konflikten zu schonen. Zugleich äusserte er grosse Sorge über zunehmende Angriffe auf Nothelfer.

Allein im Bürgerkriegsland Syrien wurden 2012 sieben Freiwillige des Syrischen Roten Halbmondes getötet, mit dem das IKRK zusammenarbeitet. In Pakistan und im Jemen wurde je ein Rot-Kreuz-Mitarbeiter ermordet. Hinzu kamen mehrere Entführungen sowie versuchte Anschläge, darunter in Afghanistan.

Respekt für Völkerrecht schwindet

Insgesamt war das IKRK 2012 bei seinen weltweiten Einsätzen mit den schwersten Sicherheitsproblemen für Helfer seit 2003 konfrontiert. Maurer bezeichnete dies sowie den oft schwierigen Zugang zu Notleidenden als das schwerste Hindernisse für die humanitäre Arbeit. Ursache dafür sei in wachsendem Masse «mangelnder Respekt für das humanitäre Völkerrecht durch die an Konflikten beteiligten Parteien».

Millionen von Menschen seien in Syrien und anderen Ländern dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen. «Zahllose Kinder, Frauen und Männer wurden gezwungen, ihre Wohnorte zu verlassen, haben ihr Eigentum und ihre Existenzgrundlage verloren und wurden in vielen Fällen von ihren Familienangehörigen getrennt», erklärte Maurer. Ungeachtet aller Schwierigkeiten setze sich das IKRK beharrlich für den Schutz dieser Menschen ein. Es arbeite dabei gemäss seinen Grundsätzen «neutral, unparteiisch und unabhängig».

Millionen von Menschen geholfen

Weltweit leistete das IKRK im zurückliegenden Jahr 7,2 Millionen Menschen medizinische Hilfe. An 6,3 Millionen Menschen in Krisengebieten seien Nahrungsmittel verteilt worden. Mehr als 22 Millionen seien durch die Bereitstellung von sauberem Wasser, sanitären Einrichtungen und Baumassnahmen unterstützt worden.

Während Konflikte wie in Syrien oder in den von Israel besetzten Palästinensergebieten weltweit Aufmerksamkeit erregten, hat die Verschärfung der humanitären Lage in anderen Krisenregionen Maurer zufolge weit weniger Beachtung gefunden.

«In Afghanistan zum Beispiel bleibt die Situation der Zivilbevölkerung nach drei Jahrzehnten voller Konflikte und Unsicherheiten weiterhin äusserst prekär - nicht zuletzt angesichts des Rückzugs der internationalen Streitkräfte.» Der IKRK-Präsident verwies auch auf die Not von Millionen von Menschen in Konfliktländern wie Somalia, Sudan und Südsudan, Kolumbien, Mali, Kongo, Irak oder Jemen.

lvm/sda

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