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2500 Franken pro Kopf und Jahr für den Erhalt der Infrastruktur

Der Unterhalt von Infrastrukturen kostet die Schweiz jährlich 19 Milliarden Franken. Das besagt eine heute veröffentlichte Nationalfonds-Studie. Der Aufwand dürfte in den nächsten Jahren weiter steigen.

Grossbaustelle Bahnnetz: Jährlich werden Milliarden in den Unterhalt des Eisenbahnnetzes gesteckt.
Grossbaustelle Bahnnetz: Jährlich werden Milliarden in den Unterhalt des Eisenbahnnetzes gesteckt.
Keystone

Der Unterhalt von Infrastrukturen und Wohnbauten kostet die Schweiz jährlich rund 30 Milliarden Franken – 3850 Franken pro Kopf. Das weist der Schweizerische Nationalfonds (NF) in einer Fokusstudie des Nationalen Forschungsprogramms «Nachhaltige Siedlungs- und Infrastrukturentwicklung» aus. Die am Dienstag veröffentlichte Studie beziffert den Wiederbeschaffungswert des bestehenden «Bauwerks Schweiz» auf knapp 2400 Milliarden Franken.

Die Infrastrukturen - Ver- und Entsorgung, Verkehr, Kommunikation, Schutzbauten - sind 830 Milliarden Franken wert, pro Kopf 108'000 Franken oder das Eineinhalbfache des jährlichen Bruttoinlandprodukts (BIP). Der Wert der reinen Wohnbauten beläuft sich auf 1550 Milliarden oder 200'000 Franken pro Einwohner. Das ist fast das Dreifache des BIP.

Allein der Unterhalt der Infrastrukturen kostet aktuell 19 Milliarden oder 2500 Franken pro Einwohner im Jahr. Bei den Wohnbauten sind es 10,5 Milliarden (1350 Franken pro Einwohner). Der Aufwand hier dürfte bis 2030 auf 15 Milliarden ansteigen. Hinzu kommen wertvermehrende Investitionen von knapp 8 Milliarden im Jahr, 5,4 Milliarden davon für energetische Sanierungen.

Neubauten für knapp 26 Milliarden im Jahr

Zu den bestehenden Bauten kommen in den kommenden 20 Jahren neue hinzu. Die NF-Forscher beziffern die Investitionen für bereits geplante oder absehbare neue Infrastrukturbauten auf jährlich 12,5 Milliarden Franken. Will der Wohnungsbau mit der Bevölkerungsentwicklung Schritt halten, müssen jährlich 26'000 Wohnungen erstellt werden - Kostenpunkt: 13 Milliarden Franken.

Diese Investitionen sehen die Forscher bei den Mietwohnungen dank des Marktes gesichert. Ein Sanierungsstau könnte aber beim Wohneigentum entstehen, da dort die Liquidität der Besitzer den Ausschlag gibt.

Finanzierungslücke beim Verkehr

Mehr Sorgen bereiten den Forschern die Investitionen in die Infrastruktur. Während etwa bei Strom und Abwasser dank dem Verursacherprinzip eine nachhaltige Finanzierung steht, hapert es beim Verkehr.

Wird an den geplanten Erweiterungen festgehalten, entstehen bei Schiene und Strasse Finanzierungslücken. Neue Finanzquellen müssten erschlossen werden, bilanziert die Fokusstudie. Trotz allgemein zweckmässiger Finanzierungsmechanismen für das «Bauwerk Schweiz» bleibt gemäss der Studie die Frage der Tragbarkeit der enormen Kosten offen.

Die öffentlichen Haushalte sind mit anderen, ebenso wichtigen Finanzierungsproblemen konfrontiert. Bei den privaten Haushalten stehen die Kosten für Infrastrukturen und Wohnen in Konkurrenz zu Altersvorsorge, Krankenversicherung, Freizeit, Arbeitslosigkeit und mehr. Letztlich entscheidend für die Finanzierbarkeit werden damit die volkswirtschaftliche Tragbarkeit und die individuelle Zahlungsbereitschaft, schliessen die Forscher.

SDA/pbe

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