«Wir können in der Schweiz sehr stolz sein auf dieses Abkommen»

Interview

In Peking rollt heute die oberste Führung für Bundespräsident Ueli Maurer den roten Teppich aus. China-Kenner Peter Achten erklärt, wie es mit dem neuen Freihandelsabkommen um die Beziehung der beiden Länder steht.

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Rupen Boyadjian@RupenB

Bundespräsident Maurer wird heute in China von Präsident Xi Jinping und Regierungschef Li Keqiang empfangen. Grosse Ehre oder diplomatische Formalität?
Es ist beides. Einerseits ist es eine Formalität, weil die Schweiz und China gute Beziehungen unterhalten, und damit von Zeit zu Zeit die Staatspräsidenten dem anderen Land einen Besuch abstatten. Andererseits ist es aber auch eine grosse Ehre, dass kurz nach der Unterzeichnung des Freihandelsabkommens Bundespräsident Maurer nun in Peking empfangen wird.

Das Freihandelsabkommen wurde bei uns stark thematisiert. War es in China auch ein Thema?
Ja. Es war zwar kein so grosses Thema wie in der Schweiz, aber das Abkommen wurde kommentiert. Ich denke, es ist für China wichtig, weil das Land auch mit Europa den Freihandel anstrebt. Insofern gilt das Schweizer Abkommen als Muster für weitere Freihandelsabkommen mit westlichen Industriestaaten.

In Europa wird das teilweise kritisch beäugt. Man befürchtet, dass China in Europa einen Brückenkopf einrichtet.
Die Chinesen sind eher pragmatisch. Sie haben sich in den letzten 20 Jahren in die globalisierte Weltwirtschaft eingeklinkt. Und jetzt tun sie das, was jeder westliche Industriestaat auch tut, nämlich für seine Wirtschaft möglichst gute Bedingungen schaffen. Man sollte also keine Angst vor den Chinesen haben, sondern ebenfalls pragmatisch mit ihnen umgehen. Wir können in der Schweiz sehr stolz sein auf dieses Abkommen. Das vermisse ich ein wenig.

Zu Beginn seiner fünftägigen China-Reise besuchte VBS-Vorsteher Maurer eine Panzertruppe. Gibt es im Sicherheitsbereich Kooperationsmöglichkeiten?
Nein, das denke ich nicht. Ich glaube auch nicht, dass sich Maurer in China nach einem neuen Kampfflugzeug für die Schweiz umsehen wird. (lacht) Es geht um gute Beziehungen von Armee zu Armee. Allenfalls hat Maurer Kooperationsmöglichkeiten bei UNO-Friedenseinsätzen ausgelotet.

Könnte die Schweiz mit ihrem Finanzplatz China helfen, seine Währung salonfähig zu machen?
Die Chinesen versuchen, ihren Yuan/Renminbi zu internationalisieren. Das ist ihnen zu einem gewissen Grad schon gelungen. Aber die grosse Hürde wird die freie Konvertibilität sein. Ich glaube schon, dass die Chinesen neben London auch auf den Finanzplatz Zürich schauen, wenn es um die Internationalisierung des Renminbi geht. Die Schweiz hat immer noch ein hohes Ansehen. UBS und CS sind in China keine Schimpfwörter.

Die Rigi wird mit einem chinesischen Felsbrocken ein bisschen höher gemacht. Wurde in China darüber berichtet?
Das war kein Thema. Es ist ein typischer Sommer-Hype. Vor 30 Jahren sagte man, Japan kaufe die ganze Welt auf. Jetzt heisst es, China kaufe die ganze Welt. In der Schweiz erwerben Chinesen Hotels und Unternehmen und nun auch den Stein auf der Rigi. Ich glaube, das muss man nicht ernst nehmen.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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