Für viele Versicherte ist die Grenze erreicht

Alle Franchisen sollen um 50 Franken erhöht werden. Das ist nur tragbar, wenn die Politik endlich die Gesundheitskosten in den Griff bekommt.

Das neue Gesetz sieht einen Automatismus vor, der die Franchise alle drei bis vier Jahre um <nobr>50 Franken</nobr> anhebt. Foto: Adrian Moser

Das neue Gesetz sieht einen Automatismus vor, der die Franchise alle drei bis vier Jahre um 50 Franken anhebt. Foto: Adrian Moser

Markus Brotschi@derbund

Seit 1996 wurde die ordentliche Franchise zweimal erhöht, zuletzt vor 15 Jahren auf die heutigen 300 Franken. Eine Anpassung an die gestiegenen Gesundheitskosten ist also gerechtfertigt. Allerdings wird es nach der geplanten Erhöhung von 2021 bis zum nächsten 50-Franken-Schritt nicht wieder so lange dauern. Das neue Gesetz sieht einen Automatismus vor, der die Franchise alle drei bis vier Jahre um 50 Franken anhebt. Gut möglich, dass die Minimalfranchise 2030 bereits 500 Franken beträgt. Und geht es nach dem Willen der nationalrätlichen Gesundheitskommission, wird sie gleich jetzt auf 500 Franken erhöht, bevor der Automatismus einsetzt.

Tatsächlich sind 50 Franken mehr Franchise für die meisten tragbar. Allerdings machen es sich die bürgerlichen Gesundheitspolitiker zu einfach, wenn sie unter dem Titel Eigenverantwortung die Kostenbeteiligung der Patienten stetig erhöhen. Denn was für diese zählt, ist die Gesamtbelastung aus der Krankenversicherung. Seit 1996 haben sich die Prämien mehr als verdoppelt, die Löhne bei weitem nicht. Deshalb hat die Belastung für einen Teil der Versicherten die Grenze des Zumutbaren erreicht.

Das Schweizer Gesundheitsversorgungssystem ist sehr gut. Alle haben Zugang zu allen vorhandenen Therapien. Allerdings nützt das Versicherungsobligatorium einem steigenden Anteil der Versicherten nur noch bedingt. Bereits heute wählen Zehntausende die Maximalfranchise von 2500 Franken, nicht weil sie kosten- und gesundheitsbewusst sind, sondern weil sie die Prämien sonst nicht tragen könnten. Das Fatale ist, dass sie im Krankheitsfall auch die Franchise nicht mehr bezahlen können.

Es ist deshalb gut, dass die SP gegen die Erhöhung, die alle Franchisestufen betrifft, das Referendum ergreift. Wollen die Gesundheitspolitiker eine Mehrheit, müssen sie dem Volk gleichzeitig aufzeigen, dass sie auch ein Rezept gegen die steigenden Gesundheitskosten und Prämien haben. Und vor allem in der Deutschschweiz müssen die Kantone endlich dafür sorgen, dass Geringverdiener ausreichend Prämienverbilligung erhalten.

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