Mehr Organe braucht das Volk

Der Bund befasst sich zurzeit mit einem ethisch heiklen Thema: Die Widerspruchslösung bei der Organspende. Doch bereits jetzt zeichnet sich ab, dass das Modell vermutlich durchfallen wird.

Besonders selten sind gespendete Organe von Kindern: Ein Arzt öffnet im Kinderspital Zürich einen Sack mit einem Herzen, das dann einem 7-Jährigen eingepflanzt wurde. (Sommer 2011)

Besonders selten sind gespendete Organe von Kindern: Ein Arzt öffnet im Kinderspital Zürich einen Sack mit einem Herzen, das dann einem 7-Jährigen eingepflanzt wurde. (Sommer 2011)

(Bild: Keystone)

Jeden dritten Tag stirbt in der Schweiz ein Mensch, weil kein lebensrettendes Organ für ihn zur Verfügung steht. «Die Situation ist bedenklich und unbefriedigend», sagt Pascal Strupler, Direktor des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), gegenüber dem «SonntagsBlick».

Wer heute Spender in der Schweiz werden will, muss ausdrücklich zustimmen. Andere Länder, etwa Frankreich oder Österreich, kennen die sogenannte Widerspruchslösung. Wer sich nicht ausdrücklich dagegen wehrt, von dem wird angenommen, dass er zur Organspende bereit ist – etwa bei einem tödlichen Unfall.

Ethikkommission offenbar gegen Modell

Gemäss Informationen des SonntagsBlicks soll das BAG zurzeit prüfen, wie und wann die Schweiz zu diesem System wechseln könnte. In der Schweiz könnte Swisstransplant ein Widerspruchs-Register führen. Der Chef von Swisstransplant, Franz Immer, würde das sehr begrüssen: «Die Widerspruchslösung wäre für die Schweiz ein Segen, wenn sie richtig ausgeübt wird.» Denn für Immer ist klar: «Dass so viele Menschen sterben, ist so traurig wie unnötig», sagt er im «SonntagsBlick».

Die Chancen, dass es tatsächlich zu einem solchen Register kommt, dürften jedoch sehr gering sein. Gemäss Informationen der «NZZ am Sonntag» habe sich die nationale Ethikkommission für Humanmedizin bereits gegen das Modell ausgesprochen. Gemäss zuverlässigen Quellen dürfte der Bund diesem Entscheid folgen, schreibt die Zeitung.

Die Ethikkommission äussert konkrete Bedenken. So liesse sich beispielsweise nicht nachweisen, dass die explizite Zustimmung der Grund sei, weshalb in gewissen Ländern viele Organe gespendet würden. Weiter bestehe auch die Gefahr, dass nur Gebildete informiert genug sind, um Widerspruch gegen Organspenden einzulegen.

Aufgrund dieser Bedenken prüfe das BAG auch andere Optionen, wie beispielsweise spezialisierte Mitarbeiter, die mehr Leute zum Spenden bewegen könnten. Anfang 2013 soll sein Bericht vorliegen. Trotz aller Bedenken werde sich die Analyse laut BAG-Chef Strupler auch ausführlich mit der Widerspruchslösung befassen.

Angehörige würden immer befragt

Bei der Widerspruchslösung sollen nach dem Tod nicht einfach Organe entnommen werden, wie vielfach angenommen. Zuerst würden die Angehörigen befragt, versichert Immer: «Falls sie sich explizit gegen die Organspende aussprechen, müsste man davon absehen.» Klar ist laut Immer aber, dass mit Einführung der Widerspruchslösung deutlich mehr Organe zur Verfügung stünden.

rub

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