Streckensperre spart Geld

Im Sommer 2018 müssen die Reisenden umsteigen: Die SBB unterbrechen wegen einer Baustelle die Strecke zwischen Bern und Lausanne. Das Beispiel soll Schule machen.

Wenn die SBB eine Linie komplett sperren, können die Arbeiter nicht mehr nur nachts arbeiten.

Wenn die SBB eine Linie komplett sperren, können die Arbeiter nicht mehr nur nachts arbeiten. Bild: Leo Wyden

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Mit der Bahn von Bern nach Lausanne zu reisen, wird im Sommer 2018 unbequemer als gewohnt. Und dauert vor allem länger, wie SBB-Infrastrukturchef Philippe Gauderon mit Blick auf den neuen Fahrplan in Aussicht stellte, der ab Mitte Dezember gültig ist: Sieben Wochen wird die Strecke ab Puidoux im Grossraum Lausanne gesperrt sein. Den Passagieren bleibt nur der Umweg über Vevey mit Umsteigen, was eine halbe Stunde kostet.

Noch mehr Vorteile

Schuld sind Bauarbeiten zwischen Grandvaux und La Conversion auf jenem Abschnitt, auf dem der Zug in aussichtsreicher Lage durch die Rebberge des Lavaux fährt. In einer konzentrierten Aktion erneuern die SBB die Gleise und den Untergrund, sanieren die Brücken und machen gleichzeitig die an der Strecke liegenden Bahnhöfe für die Behinderten zugänglich. Auf 27 Millionen Franken bezifferte Gauderon die Kosten – und stellte dieser Zahl gleich eine zweite gegenüber: Würden die SBB auf die Vollsperre verzichten und die Arbeiten unter Betrieb ausführen, kämen sie auf satte 46 Millionen zu stehen.

Gauderon rechnete weiter vor, dass die Arbeiten auch satte acht Monate dauern würden. Zweieinhalb Monate lang wäre die Strecke nachts gleichwohl gesperrt und fünfeinhalb Monate lang nur einspurig befahrbar. Dazu kämen Temporeduktionen, die den Fahrplan destabilisierten, kurz: Neben den finanziellen sprächen auch weitere Gründe für diese Art des Bauens, so Gauderon.

Die Vollsperre wird keine Premiere und auch keine Derniere sein. Mit der Strecke durchs Laufental haben die SBB im Sommer 2014 schon einmal eine Hauptlinie komplett dichtgemacht. Das Gleiche haben sie in nächster Zeit auch auf der Gotthardzufahrt zwischen Zug und Arth-Goldau vor. Weil gegen den dort geplanten Doppelspurausbau eine Beschwerde hängig ist, steht der Zeitpunkt noch nicht fest. Trotzdem muss es nicht immer eine komplette Schliessung sein.

Auf den meisten Baustellen genügen nach wie vor Einschränkungen im Betrieb. Wie im Berner Wylerfeld, wo die Linien nach Olten und Thun durch den Bau einer Unterführung entflochten werden: Gauderon kündigte für 2018 schon jetzt eine längere und zwei kürzere Perioden an, während derer das S-Bahn-Angebot vor Ort reduziert wird. Gebaut wird an den verschiedensten Orten: Nächstes Jahr stecken die SBB rund 3,2 Milliarden Franken in ihre Infrastruktur.

Weniger Zug in der Nacht

Um die nächtlichen Unterhaltsarbeiten flexibler planen und durchführen zu können, fahren die SBB mit dem neuen Fahrplan zusätzlich das abendliche Angebot im Mittelland leicht zurück. Konkret entfällt im Dreieck ­Basel-Zürich-Luzern von Sonntag bis Donnerstag ein Teil der direkten Städteverbindungen in einer Art, wie dies zwischen Basel und Bern schon heute der Fall ist. Die Reisenden müssen auf bestehende Verbindungen ausweichen und umsteigen.

Die SBB liessen am Freitag durchblicken, dass zu diesen Zeiten markant weniger Leute unterwegs sind. Mit dem reduzierten Angebot lässt sich deshalb auch Geld sparen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.05.2017, 20:52 Uhr

Wichtige Änderungen

Zwei Züge, die einander im ­ 7- bis 10-Minuten-Abstand durchs Niemandsland hinterherfahren: Diesen Luxus leisten sich die SBB seit Ende 2012 jede Stunde zwischen Romont und Palézieux an der Linie von Bern nach Genf. Doch nun ist Schluss: Im neuen Fahrplan fehlen die zwei Regioexpress-Verbindungen, die sich zwischen Romont und Palézieux überlappen. Dafür hält hier wie dort wieder der Interregio von Luzern über Bern nach Genf – wie in alten Zeiten.

Vor den Medien gaben die SBB gestern offen zu, dass die Nachfrage zu wünschen übrig liess. Sie stritten auch nicht ab, dass sich wegen der zusätzlichen Halte nun die Reise im Interregio nach Genf um rund 10 Minuten verlängert. Dafür könne man ohne Umsteigen nach Morges und Nyon reisen, wo der Zug neu ebenfalls halte.
Mit dem neuen Fahrplan verdichten die SBB das Angebot in den S-Bahn-Netzen von Lausanne und Genf. Zudem schaffen sie mehr internationale Verbindungen – etwa im Korridor Zürich–Stuttgart oder Frankfurt–Schweiz–Mailand.

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