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Arbeitslose Flüchtlinge: Skos schlägt Alarm

Viele Flüchtlinge bleiben arbeitslos und landen in der Sozialhilfe. Das wird die Kosten für Kantone und Gemeinden explodieren lassen, warnt die Schweizer ­Konferenz für Sozialhilfe. Die Integration müsse massiv verstärkt werden.

Paulos Melake ist anerkannter Flüchtling aus Eritrea und arbeitet im Altersheim Tilia in Ostermundigen als Pfleger.
Paulos Melake ist anerkannter Flüchtling aus Eritrea und arbeitet im Altersheim Tilia in Ostermundigen als Pfleger.
Beat Mathys

In den vergangenen sechs Jahren erhielten 69 276 Personen das Bleiberecht in der Schweiz. Mit der Zunahme der Asylgesuche, stieg auch die Zahl jener, die auf Jahre hinaus in der Schweiz leben werden. Viele finden Arbeit, noch mehr hingegen schaffen den Einstieg ins Erwerbsleben nicht.

Laut einer Studie des Staatssekretariats für Migration aus dem Jahr 2014 liegt die Erwerbsquote von anerkannten Flüchtlingen nach zehn Jahren bei 48 Prozent, bei vorläufig aufgenommenen Personen gar nur bei 25 Prozent. Und viele bleiben trotz Arbeitsstelle auf ergänzende Sozialhilfe angewiesen (siehe Grafik).

Viele Bleiben ohne Arbeit

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Zeitbombe für die Sozialhilfe

Gestern nun schlug die Schweizer Konferenz für Soziahilfe (Skos) Alarm. Wer bis dahin keine Arbeit gefunden hat, fasst oft nie mehr Tritt. Die Kosten, die das dem Gemeinwesen verursacht, werden Kantone und Gemeinde zu tragen haben. Denn nach fünf bis sieben Jahren zieht sich der Bund aus der Verantwortung zurück.

Eine Person in der Sozialhilfe, schreibt die Skos in einem am Freitag veröffentlichten Bericht, kostet jährlich im Schnitt 25'000 Franken. Für die Skos ist klar, dass dringend Gegensteuer gegeben werden muss. Sie schlägt ein Massnahmenpaket vor. Unter anderem verlangt die Skos, dass früh die Förderung von Sprachkenntnissen und die Anstrengungen zur Berufsbefähigung verstärkt werden.

Dazu brauche es Job-Coaches. «Möglichst rasch» seien 5000 zusätzliche Plätze in ­Beschäftigungsprogrammen zu schaffen. Erfahrungsgemäss kosteten solche Massnahmen rund 20'000 Franken pro Jahr. Diese zusätzlichen Kosten in Höhe von 100 Millionen Franken würden sich aber auszahlen, wenn mehr Personen später für sich selber sorgen könnten.

Bund soll mehr bezahlen

Knackpunkt ist die Verteilung der Mehrausgaben. Die Kantone verlangen, dass der Bund mehr zahlt. Insbesondere soll der Bund die jährliche Integrationspauschale (6000 Franken pro Flüchtling) erhöhen, was nun auch die Skos vorschlägt. Wichtig sei, dass sich Bund und Kantone rasch einigten, wer welchen Anteil zu tragen habe.

Doch auch die Wirtschaft ruft die Skos in die Pflicht. Sie solle sich angemessen beteiligen an den Anstrengungen. Die öffentliche Hand müsse im Gegenzug in Absprache mit den Sozialpartnern Anreize schaffen, etwa Einarbeitungszuschüsse oder Teillohnsysteme. Da Hilfsjobs für Ungelernte immer rarer würden, seien solche Investitionen in die Berufsbildung umso wichtiger. Weniger Sozialfälle beugten sozialen Spannungen in der Gesellschaft vor.

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