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Armeemunition soll auf dem Seegrund bleiben

Die vom Verteidigungsdepartement beauftragten Experten raten von einer Bergung der über 8000 Tonnen in Schweizer Seen versenkten Munition ab.

Die Idylle trügt: Im Thunersee lagern 4600 Tonnen Munition.
Die Idylle trügt: Im Thunersee lagern 4600 Tonnen Munition.
Keystone

Die Bergung der Armeemunition wäre «mit grossen Risiken und Kosten verbunden», lautet das Fazit von Experten. In ihrem Bericht begründen sie den Befund mit der durch eine Bergung ausgelösten Schädigung des heute intakten ökologischen Gleichgewichts im Thunersee, wo mit 4600 Tonnen die grösste Munitionsmenge lagert. Am oberen Brienzersee demonstrierten sie ihre Erkenntnisse vor Ort.

Bei einer Bergung würden grosse Mengen Sediment aufgewirbelt. Dies brächte den Sauerstoffgehalt des Sees nachhaltig durcheinander und hätte «erhebliche Folgen für das Ökosystem. Demgegenüber gebe es gar keinen Sanierungsbedarf für das Seewasser, lautet der Befund.

Kein Nachweis

Die Wasseranlaysen ergaben, dass die gefährdungsrelevanten Stoffe TNT, Dinitrobenzol, Quecksilber und Blei im Thunersee auch mit neusten Messmethoden nicht nachgewiesen werden können. Ein Worst-Case-Szenario bei einer Stofffreisetzung zeige zudem, dass die Grenzwerte der Altlastenverordnung auch in Zukunft nicht erreicht werden könnten.

Für vier weitere Stoffe (Diphenylamin, Azid, Antimon und Perchlorat) könne diese Aussage nicht gemacht werden, da nur marginale Analysedaten vorliegen. Die Gutachter kommen dennoch zum Schluss, dass die Gefährdungsabschätzung auch für diese Stoffe dieselbe sein werde.

Für die Experten ist klar, dass zum heutigen Zeitpunkt auf eine Bergung der in den Schweizer Seen versenkten Munition zu verzichten ist. Falls sich in Zukunft neue wissenschaftliche Erkenntnisse ergeben sollten, müsse eine neue Lagebeurteilung vorgenommen werden.

Beteiligt an der Studie über die Gefährdungsabschätzung waren neben Gutachterbüros unter anderen die «Rock-Water Interaction» Gruppe der Uni Bern, die Limnogeologie-Gruppe der ETH Zürich sowie Munitionsspezialisten der armasuisse.

Untersucht wurde in den letzten Jahren auch, ob die Geschlechtsveränderungen bei den Felchen im Thunersee etwas mit der Munitionsablagerung zu tun haben könnte. In Betracht gezogen wurden dabei auch Bauchemikalien von der Neat-Baustelle am Lötschberg, doch ergaben die Untersuchungen bisher keine Hinweise für einen Zusammenhang.

SDA/vin

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