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Artensterben? Aber wo denn?

Der Nationalrat weicht für das neue Jagdgesetz den Naturschutz zugunsten wirtschaftlicher Interessen auf.

Wölfe, Biber, Luchse, Gänsesäger: Sie alle führen künftig ein (noch) gefährlicheres Leben in der Schweiz. Der Nationalrat will den Abschuss geschützter Tiere deutlich erleichtern, wobei einige Mitglieder klarstellten, dass ihnen das Ergebnis immer noch zu soft ist. «Unsere Vorfahren haben damals den Wolf bekämpft und ausgerottet, als die Schweiz viel weniger dicht besiedelt war», so der Walliser SVP-Mann Franz Ruppen. Oder Philipp Matthias Bregy, CVP, ebenfalls aus dem Wallis: «Der Wolf ist nicht einfach da. Er ist nur da, weil wir ihn tolerieren.» Peng!

Ein wenig erschütternd ist es ja schon: Drei Tage erst sind vergangen, seit der Weltbiodiversitätsrat dramatische Daten zum weltweiten Artensterben publizierte. In der gestrigen Ratsdebatte über das Jagdgesetz blieben die Befunde der Experten ohne jeden Effekt. Behände wie eh und je war das Parlament zur Stelle, um den Naturschutz zugunsten wirtschaftlicher Interessen aufzuweichen. Im Falle des Wolfs sind das vor allem die Interessen der üppig subventionierten Schafhalter im Berggebiet.

Das ist zwar zu beklagen, trotzdem hat die Entwicklung auch ihr Gutes. Seit über zehn Jahren wälzt das Parlament Vorstösse zum Wolf. Das neue Jagdgesetz wird nun Klarheit schaffen; die Tierschützer werden eine Volksabstimmung erzwingen. Bei einem Ja weiss das Parlament, dass das Volk seinen Abschusskurs stützt. Gibt es aber ein Nein, kann die Akte Wolf in Bundesbern endlich geschlossen werden. Und die Menschen im Berggebiet wissen um die Erwartung einer Mehrheit, dass sie die Gegenwart bestimmter Tierarten akzeptieren und sich damit arrangieren lernen.

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