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Bergführer brauchen neu eine Bewilligung

Anbieter von Risikosportarten wie Canyoning, Bungee-Jumping, Rafting, aber auch für Leiter von Schneeschuhwanderungen unterstehen künftig strengeren Gesetze. Für einige gibt es aber eine Ausnahme.

Müssen sich zertifizieren lassen: Zwei Bergführer in den Walliser Alpen.
Müssen sich zertifizieren lassen: Zwei Bergführer in den Walliser Alpen.
Keystone

Wer gewerbsmässig Schneeschuhwanderungen anbietet, soll dafür künftig eine Bewilligung brauchen. Dies schlägt der Bundesrat bei der Umsetzung des Gesetzes über Risikoaktivitäten vor. Er hat die Verordnung zum Gesetz in die Vernehmlassung geschickt.

Das Gesetz, das 2013 in Kraft treten soll, regelt gewerbsmässig angebotene Outdoor-Aktivitäten im Gebirge sowie an Bächen und Flüssen. Es gilt für Bergführer und Schneesportlehrer, die Aktivitäten abseits der Pisten leiten, aber auch für Canyoning, River-Rafting, Wildwasserfahrten und Bungee-Jumping.

Der Bundesrat kann gemäss dem Gesetz weitere Aktivitäten bezeichnen. Er schlägt nun vor, dass die Regeln auch für Wanderleiter und Kletterlehrerinnen gelten. Dies dränge sich aus Gründen der Gleichbehandlung auf, heisst es im Kommentar zum Verordnungsentwurf. Andernfalls wäre diese Gruppe im Vergleich zu Schneesportlehrern bevorteilt.

Abschluss als Wanderleiter erforderlich

Demnach soll ohne Bewilligung das gewerbsmässige Anbieten von Aktivitäten im schnee- und eisbedeckten gebirgigen Gelände verboten sein. Eine Bewilligung erhält, wer über einen Abschluss als Wanderleiter mit eidgenössischem Fachausweis oder eine als gleichwertig anerkannte Ausbildung verfügt.

Kletterlehrerinnen und Kletterlehrer sollen dann eine Bewilligung brauchen, wenn sie im gebirgigen und felsigen Gelände gewerbsmässig Aktivitäten anbieten. Voraussetzung für eine Bewilligung ist der Abschluss «Kletterlehrer» des Schweizer Bergführerverbandes oder eine als gleichwertig anerkannte Ausbildung.

Es werde kaum möglich sein, die grosse Anzahl von Anbietern innert kurzer Zeit zu zertifizieren, heisst es im Bericht weiter. Deshalb schlägt der Bundesrat vor, dass während einer Übergangsfrist - bis im Sommer 2014 - die bisherigen kantonalen Regeln gelten.

Versicherung über 5 Millionen Franken

Die Verordnung regelt auch Ausnahmen. Keine Bewilligung soll demnach erforderlich sein, wenn der Beginn und das Ende einer Risikoaktivität im Ausland liegt. Bei einer oder mehreren Übernachtungen auf Schweizer Boden untersteht der Anbieter dagegen den Vorschriften des Gesetzes.

Das hat etwa zur Folge, dass er über eine Berufshaftpflichtversicherung oder eine gleichwertige finanzielle Sicherheit verfügen muss. Die minimale Versicherungssumme liegt bei jährlich 5 Millionen Franken. Dies entspricht der Regelung in den Kantonen Graubünden und Wallis.

Die Vernehmlassung zur Verordnung dauert drei Monate. Das Vorgehen rechtfertige sich, weil es sich um eine neue Materie handle und der Vollzug der Gesetzgebung in einem erheblichen Umfang den Kantonen obliege, schreibt das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS).

Folge des Canyoning-Unfalls

Das Gesetz «über das Bergführerwesen und Anbieten weiterer Risikosportarten» geht auf eine parlamentarische Initiative zurück, die im Juni 2000 eingereicht worden war. Ein erster Entwurf der Rechtskommission kam dann aber schlecht an. Die Kommission wollte darum die Übung abblasen, doch das Plenum beharrte darauf. 2009 stimmte der Nationalrat dem Gesetz schliesslich äusserst knapp zu, mit einer Stimme Differenz. Und im Dezember 2010 verabschiedeten die Räte die Vorlage.

Ausgelöst hatte den Ruf nach Regeln ein schwerer Unfall im Sommer 1999. Im Saxetbach im Berner Oberland wurden 45 Canyoning-Abenteurer mitgerissen, als der Bach nach einem Gewitter stark anschwoll. 18 Touristen und 3 Guides kamen ums Leben.

SDA/miw

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