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Berset legt sich mit den Generikaproduzenten an

Die Krankenkassen sollen künftig nur noch Medikamente bis zu einem maximalen Preis vergüten.

Wenn Blicke Kosten senken könnten: Bundespräsident Alain Berset während einer Medienkonferenz über die Kostendämpfung im Gesundheitswesen in Bern. (14. September 2018)
Wenn Blicke Kosten senken könnten: Bundespräsident Alain Berset während einer Medienkonferenz über die Kostendämpfung im Gesundheitswesen in Bern. (14. September 2018)
Peter Klaunzer, Keystone

Zwei Wochen vor der Bekanntgabe der Krankenkassenprämien für 2019 schlägt der Bundesrat neue Massnahmen gegen steigende Gesundheitskosten vor. Damit könnten mehrere Hundert Millionen Franken jährlich eingespart werden, sagte Gesundheitsminister Alain Berset.

Am meisten Einsparpotenzial verspricht ein neues Preissystem für Generika. Diese sind in der Schweiz rund doppelt so teuer wie in vergleichbaren europäischen Ländern. «Es ist nicht einfach, den Leuten zu erklären, warum Generika in der Schweiz so viel teurer sind», sagte Berset.

Der Bundesrat will nun mit einem Referenzpreissystem dafür sorgen, dass die Nachahmerpräparate in der Schweiz günstiger werden. Der Hebel ist die Vergütung durch die Krankenkassen. Diese sollen künftig nur noch Präparate bis zu einem maximalen Referenzpreis bezahlen, der jeweils für einen bestimmten Wirkstoff festgelegt wird.

Der Bundesrat stellt zwei Modelle zur Diskussion. Beim einen stützt er sich auf die Preise in den vergleichbaren Ländern und ermittelt daraus einen Höchstpreis. Auf diesem wird dann ein Preisabschlag verordnet, woraus sich der Referenzpreis ergibt. Beim zweiten Modell ist das günstigste Drittel von Präparaten mit gleicher Wirkstoffzusammensetzung massgebend.Beide Modelle setzen nicht einfach auf das Billigstprinzip, sondern sollen die Kassenvergütung innerhalb eines gewissen Preisbandes garantieren.

Dennoch muss Berset im Parlament mit Widerstand rechnen, vor allem vom Interessenverband der Generikahersteller (Intergenerika) mit SVP-Nationalrat Thomas de Courten an der Spitze. Intergenerika warnt seit Jahren vor der Einführung des Billigstprinzips in der Schweiz. Die vorgeschlagenen Modelle würden einige Generikahersteller an die Grenze ihrer Möglichkeiten bringen, warnt Geschäftsführer Axel Müller. Sie würden mit einem Rückzug vom Schweizer Markt reagieren, was zu Versorgungsengpässen führe. Die höheren Preise begründet Müller mit den Kosten für die Zulassung, die Verpackung und den Vertrieb. Die Löhne in der Schweiz seien ein Mehrfaches höher als in den umliegenden Ländern.

Der Kassenverband Santésuisse begrüsst die Referenzpreise hingegen und rechnet mit jährlichen Einsparungen von rund 400 Millionen Franken. Zusätzlich würden die Prämienzahler entlastet, wenn der Bundesrat wie angekündigt die Vertriebsmargen für Apotheken, Ärzte und Spitäler senke.

Bessere Rechnungskontrolle

Neben dem Referenzpreissystem sieht der Bundesrat weitere Massnahmen vor. Kostendämpfend soll die Transparenz bei der Rechnungsstellung wirken. Patienten sollen immer eine Rechnungskopie erhalten, damit sie diese überprüfen können. Vor allem bei Spitalbehandlungen bekommen Patienten die Rechnung nicht immer zu sehen.

Weil die Verhandlungen über den Arzttatif Tarmed nicht vom Fleck kommen, verlangt der Bundesrat von den Verhandlungspartnern eine nationale Tariforganisation. Falls sie dies nicht innert zweier Jahre tun, wird der Bundesrat eine solche Organisation einsetzen. Krankenversicherungsexperte Felix Schneuwly zweifelt allerdings am Sinn einer solchen Organisation. Besser wäre es, das Bürokratiemonster Tarmed durch einfache Zeittarife und Pauschalen zu ersetzen.

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