Zum Hauptinhalt springen

So stark steigen die Prämien in den Kantonen

Die Krankenkassenprämien steigen im Schnitt um 4 Prozent. Laut Michael Jordi von der Gesundheitsdirektorenkonferenz sind die Versicherer mit schuld an der Erhöhung.

Die Krankenkassenprämien für Erwachsene steigen 2016 durchschnittlich um 4 Prozent und damit gleich stark wie 2015. Etwas weniger stark erhöhen sich die Prämien für junge Erwachsene, nämlich um 3,6 Prozent. Der Anstieg für die Kinderprämien beträgt 3,9 Prozent.

Pro Person bedeute der Prämienanstieg monatliche Mehrkosten von 16.30 Franken, teilte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) heute Nachmittag mit.

Am stärksten steigen die Prämien über alle Altersklassen hinweg im Kanton Neuenburg: Erwachsene müssen dort im Schnitt 8,2 Prozent mehr bezahlen für eine Grundversicherung mit 300 Franken Franchise und Unfalldeckung. Junge Erwachsene zwischen 19 und 25 Jahren zahlen 7,7 Prozent mehr, und die Kinderprämien steigen sogar um 14,1 Prozent.

Moderater Anstieg: Die Krankenkassen steigen im nächsten Jahr weniger stark, als bei den Erwachsenen.

Am wenigsten stark steigen die Prämien im Kanton Appenzell Innerrhoden, wo Erwachsene künftig 2,2 Prozent mehr und junge Erwachsene 0,1 Prozent mehr bezahlen müssen. Die Kinderprämien sinken als einzige schweizweit, und zwar um 2,1 Prozent. Die Appenzell Innerrhoder zahlen auch übers Gesamte gesehen am wenigsten für ihre Grundversicherung – und zwar von Jung bis Alt. Erwachsene bezahlen dafür im Schnitt 326.70 Franken pro Monat. Am höchsten sind die Prämien in Basel-Stadt mit 545.61 Franken.

Unter 4 Prozent liegt der durchschnittliche Prämienanstieg neben dem Kanton Appenzell Innerrhoden in den Kantonen Bern, Basel-Stadt, Glarus, Obwalden, St. Gallen, Thurgau, Uri, Zug und Zürich. In den Kantonen Appenzell Ausserrhoden, Jura, Neuenburg, Nidwalden und Solothurn beträgt die Erhöhung über 5 Prozent, in den restlichen elf Kantonen zwischen 4 und 5 Prozent.

Moderatere Erhöhung für Junge

Nachdem die Prämien für junge Erwachsene in den vergangenen Jahren stets stärker angestiegen sind als jene für Erwachsene, fällt die Erhöhung von 3,6 Prozent für 2016 moderater aus. Hingegen steigen die Prämien für Kinder fast so stark an wie diejenigen für Erwachsene: 2014 lag die Erhöhung noch bei 2,4 Prozent, 2015 bei 3,8 Prozent und im kommenden Jahr nun bei 3,9 Prozent.

Seit Einführung des Krankenversicherungsgesetzes im Jahr 1996 erhöhte sich die Standardprämie um durchschnittlich 4,6 Prozent pro Jahr. In den vergangenen zehn Jahren lag der Anstieg im Schnitt bei 3,4 Prozent, wie das BAG schreibt.

Allerdings ist zu beachten, dass sich nur wenige Personen mit dem Standardmodell versichern. Viele Versicherte bevorzugen alternative Prämienmodelle etwa mit höheren Franchisen oder dem Hausarztmodell. Gerade beim Hausarztmodell steigen laut BAG die Prämien 2016 überdurchschnittlich stark.

Versicherer mitschuld an Prämienerhöhung

Laut Michael Jordi, Zentralsekretär der Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK), steigen in gewissen Kantonen die Prämien aufgrund der Anpassung eines einzelnen grossen Versicherers – beispielsweise im Tessin oder in Neuenburg ist dies der Fall. Die Versicherer hätten zu viele Reserven angehäuft und seien mitschuld an der Prämienerhöhung.

«Der Reservetopf vieler Krankenkassen steigt. Das ist nicht in jedem Fall gerechtfertigt», sagt Jordi auf Anfrage. Seit dem 1. Januar 2012 müssen die Reserven der Krankenkassen eine Mindesthöhe aufweisen, die den Risiken jedes einzelnen Krankenversicherers entspricht. Oft werden diese Risiken aber zu gut eingeschätzt, womit der Reservetopf geäufnet wird. Weitere Kostentreiber seien die Medikamente und der spitalambulante Bereich.

Klar ist für den Gesundheitsexperten Jordi, dass die Kosten pro Kopf künftig weiter steigen werden. «Weil die Leute immer älter werden, nehmen sie medizinische Leistungen länger und auch intensiver in Anspruch.» (sda)

Mit der SVP im Bahnhof, mit den Grünen in der Einkaufsstrasse: Sehen und lesen Sie unser Multimedia-Spezial.

SDA

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch