Bund soll Gebiete für erneuerbare Energie bestimmen

Um Einsprachen gegen Windpärke oder Wasserkraftwerke zu verhindern, will der Bundesrat die Nutzung von erneuerbaren Energien im Gesetz verankern. Er erhält für diesen Plan Rückendeckung von der Wissenschaft.

Sollen nicht unkontrolliert aus dem Boden schiessen: Windturbinen auf dem Stöckli im Kanton Uri. (Archivbild)

Sollen nicht unkontrolliert aus dem Boden schiessen: Windturbinen auf dem Stöckli im Kanton Uri. (Archivbild)

(Bild: Keystone)

Der Bund soll beim Planen von Anlagen zur Produktion erneuerbarer Energien die Koordination übernehmen. Das empfehlen die Akademien der Wissenschaften Schweiz, damit bei der Energieproduktion nicht dieselben Fehler passieren wie bei der Zersiedelung der Landschaft.

Ob Windräder, Solarpanels, Wasserkraftwerke, Erdwärme oder Biomasse: Schwenkt die Schweiz auf erneuerbare Energien um, hat das Eingriffe in die Landschaft zur Folge. Eine landesweit koordinierte Planung kann aus Sicht der Wissenschaft helfen, die geeignetsten Standorte und die effizienteste Produktionsart zu wählen.

Kantone wählen geeignete Gebiete aus

Die Akademien der Wissenschaften Schweiz nehmen in ihrem heute in Bern vorgelegten Bericht einen Vorschlag des Bundesrates auf: Mit dem in die Vernehmlassung gegebenen Energiegesetz will er die Kantone verpflichten, geeignete Gebiete und Gewässerstrecken für die Energienutzung zu bezeichnen.

Um weniger Einsprachen gegen Windpärke oder Wasserkraftwerke zu erreichen, will der Bundesrat die Nutzung von erneuerbaren Energien und deren Ausbau im Gesetz als nationales Interesse verankern.

Die Regionen eigneten sich unterschiedlich für die Gewinnung von Energie, begründen die Akademien ihre Empfehlung. Für sie steht im Vordergrund, zu zeigen, wo es welche Konflikte zwischen Energieproduktion, Raumnutzung und Schutz von Landschaft und Arten gibt und wo das Potenzial für die Energieproduktion gross ist.

Bei der Standortsuche müssten zunächst Gebiete ausgemacht werden, in denen viel Potenzial für Energiegewinnung und wenig Potenzial für Konflikte stecke, sagte Ernst Reinhardt von der wissenschaftlichen Begleitgruppe. Kantone und Gemeinden könnten in ihrem Gebiet an der Planung mitwirken.

Vorrang- und Ausschlussgebiete

Die Akademien schlagen vor, für die Energiegewinnung Vorrang- und Ausschlussgebiete zu bezeichnen und klare Kriterien zu formulieren. In Vorranggebieten hätte die Produktion von Energie Priorität – neue Anlagen würden mit vereinfachten Verfahren bewilligt. Die Ausschlussgebiete dagegen würden konsequent geschützt. Wo seltene Arten oder seltene Landschaftstypen vorkommen, sollen keine Anlagen zur Energiegewinnung erstellt werden.

Umstritten ist für die Experten dagegen, wie weit die Schonung von Gebieten im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung gehen soll. Dasselbe gilt für Umgebungszonen der Nationalpärke und kantonale Landschaftsschutzgebiete.

In Pärken, in denen das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung verfolgt wird, müsste die Produktion erneuerbarer Energien gefördert werden. Im Hochgebirge sehen die Experten besonders für Windenergie und Photovoltaik Potenzial.

Wegen zu erwartender Konflikte mit dem Landschaftsschutz empfehlen sie aber, unerschlossene Gebiete möglichst zu schonen. Wo es schon Lawinenverbauungen oder Wasserkraftwerke gebe, liessen sich Konflikte weitgehend vermeiden.

Ähnliches Szenario wie der Bund

Die Studie geht von einer Erhöhung der Produktion von erneuerbaren Energien von heute jährlich 51,5 Terawattstunden (TWh) auf 125 TWh im Jahr 2050 aus. Mit hohen Annahmen wollen die Experten zeigen, welche potenziellen Konflikte im markanten Ausbau der «Erneuerbaren» stecken.

Diese Annahmen würden in etwa dem Szenario in der Energiestrategie des Bundes entsprechen, sagte Urs Neu, Projektleiter für den Bericht. An dessen Erstellung waren rund 50 Fachleute beteiligt.

fko/sda

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